Quadrokopter mit 1-Zoll-Sensor-Kamera Seit DJI den preisgünstigeren Mavic Quadrokopter vorgestellt hat, ist die Phantom-Serie bei DJI faktisch zur Mittelklasse geworden. Wenn auch Sensorik und Kamera des bisherigen Phantom 4 dem Mavic leicht überlegen war, war es doch Zeit für ein Upgrade, um wieder einen sinnvollen Abstand herzustellen. Der ist nun erfolgt. Die neue Version mit dem Zusatz "Pro" hat eine ganz neue, ungleich leistungsfähigere Kamera mit einem für ihre hohe Bildqualität bekannten 20-Megapixel-Bildsensor im 1-Zoll-Formfaktor sowie ein verbessertes Anti-Kollisions-System mit zusätzlichen seitlichen Sensoren.

Das muss man den Entwicklern von DJI lassen: Die Innovationen bei den jeweils neu vorgestellten Produkten treffen meist genau ins Schwarze und wir Redakteure kriegen das Sabbern. Der Haben-wollen-Effekt ist wirklich extrem hoch!

  • Bild Der DJI Phantom 4 Pro besitzt eine neue, sehr leistungsfähige Kamera und zusätzliche seitliche Sensoren für das Anti-Kollisions-System. [Foto: DJI]

    Der DJI Phantom 4 Pro besitzt eine neue, sehr leistungsfähige Kamera und zusätzliche seitliche Sensoren für das Anti-Kollisions-System. [Foto: DJI]

Für den flüchtigen Betrachter erscheinen die Neuerungen auf den ersten Blick vielleicht nicht spektakulär. Aber wer sich (wie wir) mit Kameratechnik auskennt und Wert auf richtig gute Qualität legt, der ahnt, was diese Neuigkeit bringt. Der Sprung bei der Kamera von einem kleinen 1/2,3-Zoll-Sensor zu einem rund viermal so großen 1-Zoll-Sensor dürfte genau dieselbe Qualitätssteigerung bringen, wie von einer Kompaktkamera mit kleinem Sensor zu einer Premium-Kompaktkamera mit 1-Zoll-Sensor. Was die Consumer-Klasse bei den Quadrokoptern (quer durch alle Hersteller) bisher liefert, ist zwar ordentlich, liegt aber qualitativ (mit natürlich einigen Unterschieden, je nach Gerät) auf dem Qualitätsniveau eines Smartphones, einer Actioncam oder einer mittelguten Travelzoom-Kompaktkamera. Wenn du bisher mehr Qualität haben wolltest, musstest du richtig tief in die Tasche greifen und mindestens 3.000, realistisch eher 4.000 Euro ausgeben und landetest dann gleich bei einem Gerät mit einem Sensor im FourThirds-Format. Das ist fein, braucht aber durch das höhere Gewicht auch leistungsstarke und entprechend teure Kopter.

Bei den digitalen Fotokameras hat sich zwischen den "normalen" Kompaktkameras und den Systemkameras seit einigen Jahren sehr erfolgreich eine Klasse an Kameras mit einem 1-Zoll-Sensor positioniert, der von Sony stammt und Erstaunliches leistet. Mit einer sehr guten Bildaufbereitung dahinter (die nicht jeder Kamearahersteller perfekt hinbekommt) liegt das Bildergebnis der Fotos und Videos solcher Kameras teilweise verdammt dicht an der Qualität, die normalerweise nur Systemkameras mit größerem Sensor liefern.

Und genau diesen Sprung hat DJI jetzt bei der Kamera vom Phantom 4 Pro gemacht. Diese hat eben diesen 20-Megapixel-1-Zoll-Sensor (von Sony, niemand anderes produziert diese Dinger), verbunden mit einem Objektiv mit F2,8-Lichtstärke. DJI hebt diesen Wert zwar hervor, aber ehrlich gesagt, so doll ist die Lichtstärke nicht – F1,8 wäre State of the Art gewesen. Die Kamera besitzt zudem (wie bei "richtigen" Fotokameras) einen mechanischen Verschluss und macht damit Fotos ohne Rolling-Shutter-Effekt (wenn der Sensor zeilenweise ausgelesen wird, werden schnell bewegte Objekte verzerrt/verbogen aufgenommen). Und sie schafft 4K-Video mit 60 fps, auch wahlweise im 17:9-Format (Cinema 4K 4096x2160). Das ist großartig, das schaffen nicht mal die besagten 1-Zoll-Sensor-Kompaktkameras. Die 60 fps ermöglichen immerhin eine zweifache Zeitlupe, wenn du am Ende die üblichen 30 fps ausgibst. Und das in spektakulärer 4K-Videoauflösung, bei der man dem Sensor qualitativ auch durchaus was zutrauen darf. Das ganze soll natürlich auch verlustarm gespeichert werden. Deshalb speichert die Kamera eine professionell hohe maximale Bitrate von 100 Mbit/s und zeitgemäßem, leistungsfähigen H.265-Video-Codec (dann aber max. C4Kp30). Das ist kameratechnisch tatsächlich alles vom feinsten und dürfte qualitativ bis deutlich über normale Hobby-Anwendungen hinaus reichen.

  • Bild Die neue, sehr leistungsfähige Kamera ist die wichtigste Neuerung des DJI Phantom 4 Pro. [Foto: DJI]

    Die neue, sehr leistungsfähige Kamera ist die wichtigste Neuerung des DJI Phantom 4 Pro. [Foto: DJI]

  • Bild Die neue, sehr leistungsfähige Kamera ist die wichtigste Neuerung des DJI Phantom 4 Pro. Auf diesem Bild sieht man auch gut die neuen seitlichen Infrarotsensoren. [Foto: DJI]

    Die neue, sehr leistungsfähige Kamera ist die wichtigste Neuerung des DJI Phantom 4 Pro. Auf diesem Bild sieht man auch gut die neuen seitlichen Infrarotsensoren. [Foto: DJI]

Bei den übrigen Neuerungen zitieren wir nachfolgend gerne den DJI-Pressetext:

Der Phantom 4 Pro baut auf dem FlightAutonomy-System zur Hindernisvermeidung weiter auf. Dieses beinhaltet drei Sets an Stereo-Kameras, die eine 3D-Karte der Hindernisse vor, hinter und unter dem Fluggerät erstellen, sowie seitliche Infrarot-Sensoren. FlightAutonomy ist in der Lage sich autonom zu positionieren, zu navigieren und Routen für den Phantom 4 Pro zu planen. Darüber hinaus ermöglicht es dem Phantom 4 Pro Hindernissen auszuweichen, mit oder ohne Satellitensignal. Dies führt zu einer signifikanten Erweiterung des Arbeitsbereiches, selbst in komplexen 3D-Umgebungen. Die Hindernisvermeidung ist im Flug bis zu 50 km/h effektiv und die High-End Batterietechnologie erlaubt Flugzeiten von bis zu 30 Minuten.

Die neue revolutionär kompakte Fernsteuerung des Phantom 4 Pro kommt mit einem ultrahellen optionalen Display, welches eine klare und lebendige HD-Liveübertragung der nach vorne gerichteten Kameras erlaubt. Darüber hinaus bietet der Bildschirm essenzielle Telemetriedaten und ist selbst unter direktem Sonnenlicht perfekt ablesbar. Piloten können zwischen der 2,4 Ghz und der 5,8 Ghz Frequenz wechseln, um Störungen und Interferenzen zu entgehen. Die neue Fernsteuerung verfügt über integriertes GPS, einem Micro-SD-Steckplatz und einem HDMI-Anschluss.

  • Bild Das hinten in den DJI Phantom 4 Pro eingeschobene Akku ermöglicht Flugzeiten von bis zu 30 Minuten. Auf diesem Bild erkennt man auch gut die nach unten zeigenden Sensoren, die z. B. in Innenräumen eine präzisen Abstand zum Boden ermöglichen. [Foto: DJI]

    Das hinten in den DJI Phantom 4 Pro eingeschobene Akku ermöglicht Flugzeiten von bis zu 30 Minuten. Auf diesem Bild erkennt man auch gut die nach unten zeigenden Sensoren, die z. B. in Innenräumen eine präzisen Abstand zum Boden ermöglichen. [Foto: DJI]

Die neuen intelligenten Flugmodi machen den Phantom 4 Pro zur smartesten fliegenden Kamera seiner Größe und ermöglichen neue Perspektiven für Piloten. Der neue Draw-Modus erlaubt den Piloten Linien auf dem Bildschirm der Fernsteuerung zu zeichnen, woraufhin der Phantom 4 Pro diesen Linien als Route folgt. ActiveTrack erkennt gängige Objekte, wie beispielsweise Menschen und Fahrräder und verfolgt diese, während das Ziel stets im Fokus der Kamera bleibt. Profile und Spotlight wurden mit den Möglichkeiten zur Hindernisvermeidung des FlightAutonomy Systems noch weiter verbessert, durch den sicheren Flug rück- oder seitwärts. Narrow Sensing verstärkt die Empfindlichkeit der Hindernisvermeidung bei Flügen durch komplexe Umgebungen, wie zum Beispiel Fenster oder Türen. TapFly verfügt über gleich zwei neue Modi, namentlich „Rückwärts" und „Frei", welche die Drohne in die beste Kameraansicht rotieren, ohne die Richtung des Fluges zu verändern.

Der DJI Phantom 4 Pro soll mehr oder weniger ab sofort lieferbar sein. Der Preis für die normale Ausführung beträgt 1699 Euro. Wer die Fernbedienung mit dem ultrahellen Display (Verwendung des eigenen Smartphones entfällt dann) haben möchte, muss 300 Euro mehr ausgeben. Für die gebotene Leistung und Ausstattung in beiden Fällen ein angemessener Preis.

  • Bild DJI Phantom 4 Pro Fernbedienungen: Links die Version mit ultrahellem 5,5-Zoll-Display, rechts die normale Version mit Halterung fürs Smartphone. [Foto: DJI]

    DJI Phantom 4 Pro Fernbedienungen: Links die Version mit ultrahellem 5,5-Zoll-Display, rechts die normale Version mit Halterung fürs Smartphone. [Foto: DJI]