Zu dem Kopter selbst gibt es leider noch keinerlei Informationen, nicht einmal ein Foto eines Prototyps. Mit dem Vorhaben einen eigenen Quadrokopter zu entwickeln begibt sich GoPro auf ein für den Actioncam-Pionier unbekanntes Terrain. Andererseits gibt es in dem Bereich viele Newcomer mit äußerst vielversprechenden Produkten, die ihrerseits dem Drohnen-Marktführer DJI zunehmend Konkurrenz machen. Möglicherweise ist der eigene Kopter auch eine Reaktion darauf, dass das, was früher bei bezahlbaren Quadrokoptern Standard war, heute immer seltener wird: Das nämlich zum Filmen unter Quadrokoptern meist eine GoPro Actioncam verwendet wird.
Der Trend bei praktisch allen Quadrokopter-Herstellern geht nämlich dahin, dass diese eigene Kameras direkt in die Gimbal-Heads integrieren. Die Gründe dafür sind wiederum ganz naheliegend: Erstens hat man sich an dem Fischeye-Look der Actioncam-Aufnahmen langsam übergesehen und möchte bei Luftaufnahmen unverzerrte Aufnahmen. Die haben dann keinen ultraweiten Bildwinkel, aber 90 bis 120 Grad sehen ohnehin besser aus. Zudem lässt sich die Befestigung der Kamera bei einer Eigenlösung besser realisieren und die Hersteller sparen an der entscheidenden Stelle (der Kamera) Gewicht durch den Entfall unnötiger Komponenten wie Bedienelementen, Display und Akku – dadurch kann ggf. wiederum der Gimbal leichter ausfallen.
Der wichtigste Punkt aber dürfte die Bedienungsfreundlichkeit sein, und da schließt sich wieder der Kreis zum GoPro-eigenen Quadrokopter. Ausnahmslos alle Multikopter-Hersteller kämpfen mit dem Problem, dass die Kamerahersteller ihnen nahezu keinen Zugriff per Fernbedienung auf die Kamerafunktionen ermöglichen. Egal ob GoPro im Einsteigerbereich oder die Panasonic GH4 im Profibereich: Im Grunde musst du die Kamera vollständig vor dem Start einstellen und kannst im Flug, wenn überhaupt, gerade mal noch den Auslöser betätigen. Selbst das Umschalten zwischen Foto und Video ist schon ein Problem (sprich: geht nicht), geschweige denn das Einstellen weiterer Kameraparameter. Und dies, obwohl ja praktisch alle modernen Kameras weitestgehend per WiFi bedienbar sind. Hauptsächlich deshalb kochen derzeit alle Quadrokopter-Hersteller ihr eigenes Kamera-Süppchen und bringen eigene, voll fernbedienbare Kameras, die sich dann nahtlos in die Koptersteuerung integrieren.
Und so wird es dann auch ganz sicher beim GoPro-Quadrokopter sein. Dessen Alleinstellungsmerkmal wird sein, dass sich die GoPro-Kamera nahtlos in die Bedienung des GoPro-Quadrokopters einfügt. Deshalb wird es für Fans bzw. Besitzer der GoPro Actioncams wahrscheinlich durchaus Sinn ergeben, den Kopter von GoPro zu kaufen – sofern sie die Fisheye-Videos auch bei Luftaufnahmen noch cool finden.