4K-Actioncam Die GoXtreme Black Hawk 4K von Easypix ist eine "klassische" Actioncam mit Unterwassergehäuse. Sie schafft 4K-Auflösung mit 30 Bildern pro Sekunde, 2,5K mit 60 fps, 1080p ebenfalls (nur) mit 60 fps, und 720p mit 200 fps.Möglich wird diese durch einen leistungsfähigen Ambarella A12-Prozessor, der die Bilder vom Sony IMX117 Bildsensor (12 Megapixel) verarbeitet. Die Kamera besitzt ein 2 Zoll großes Farbdisplay als Sucher, zur Wiedergabe und für die Menüführung. Alternativ gibt es WLAN/WiFi zur Verbindung mit dem Smartphone (Android oder iOS). Der Straßenpreis beträgt derzeit (inklusive großen Lieferumfangs) günstige 200 Euro. Wir haben die GoXtreme Black Hawk 4K im Test näher untersucht.

Eine Anmerkung vorweg: Obwohl die GoXtreme Black Hawk 4K noch recht neu auf dem Markt ist (Markteinführung Ende Oktober 2016), hat der Hersteller angekündigt, auf der CES in Las Vegas Anfang Januar das Nachfolgemodell Black Hawk 4K+ zu zeigen. Wesentlicher oder womöglich sogar einziger Unterschied zur hier getesteten Black Hawk 4K "ohne Plus" scheint zu sein, dass das neue Modell zwei Mikrofone zur Stereoton-Aufzeichnung eingebaut hat (gegenüber einem Mono-Mikrofon bei der Black Hawk 4K "ohne Plus").

  • Bild Easypix GoXtreme Black Hawk 4K wird mit einem bis 60 Meter wasserdichten Schutzgehäuse geliefert. [Foto: Easypix]

    Easypix GoXtreme Black Hawk 4K wird mit einem bis 60 Meter wasserdichten Schutzgehäuse geliefert. [Foto: Easypix]

Ausstattung

Die wichtigsten Leistungsmerkmale habe ich in der Einleitung schon kurz angerissen und will diese hier nicht wiederholen, sondern klinke diesmal gleich hier oben unsere Daten- und Ausstattungs-Tabelle ein. Kurz gesagt: Die Kamera bietet alles, was eine Actioncam können sollte, inklusive Serienbildaufnahme (Burst) und Zeitrafferaufnahme (Timelapse, sowohl als einzelne Fotos als auch als in der Kamera fertig verarbeitetes Video). Nicht geeignet ist sie als Auto-Kamera (ein Modus, den heute ebenfalls viele Actioncams haben), d. h. einen automatischen Start beim Anlegen einer Stromversorgung in Verbindung mit einer Loop-Aufnahme (bei denen die jeweils ältesten Aufnahmen durch neue überschrieben werden) besitzt sie nicht.

Ungewöhnlich für eine Actioncam ist allerdings die Einschränkung der Aufzeichnungsdauer: Die Kamera beendet die Videoaufzeichnung nach 29 Minuten. Der Anwender muss die Aufzeichnung dann neu starten. Dies dürfte Zoll-technische (finanzielle) Gründe haben. Die Kamera gilt damit als Fotokamera und nicht als Videokamera und es fällt dafür weniger Einfuhr-Zoll an. Für eine Actioncam ist das aber schon sehr ungewöhnlich – die GoXtreme Black Hawk 4K ist die erste jemals von uns getesteten Actioncam, die diese Einschränkung hat.

Hersteller Easypix
Typenbezeichnung GoXtreme Black Hawk 4K
Preis (UVP) 249,00 EUR
Abmessungen 61 x 42 x 23 mm
Gewicht 77 g (betriebsbereit)
Sensorgröße
1/2,3"6,2x 4,6 mm(Cropfaktor 5,6)
Effektive Sensorauflösung 12,4 Megapixel
SoC (System on Chip)
Spritzwasserschutz (Kamera) nein
Wasserdicht (Kamera) nein
Staubdicht (Kamera) nein
Stoßfest nein
Frostsicher ja, bis -5° C
Kamera-Stativgewinde optional
Ausstattung
Unterwasser-Gehäuse vorhanden
Gehäuse wasserdicht bis 60 m
Volle Bedienbarkeit im Gehäuse ja
Gehäuse-Stativgewinde optional
Objektiv
Bildwinkel diagonal 170 Grad
Lichtstärke k. A.
Fokus Fixfokus
Brennweite (real / KB-Equiv.) 3 mm / –
Video
Videoauflösung / Bilder pro Sekunde
3.840 x2.160(16:9)30p
2.880 x2.160(4:3)30p
2.704 x2.028(4:3)30p
2.704 x1.520(16:9)30p
2.560 x1.440(16:9)60p
2.560 x1.440(16:9)30p
2.560 x1.440(16:9)30p
1.920 x1.440(4:3)30p
1.920 x1.080(16:9)120p
1.920 x1.080(16:9)100p
1.920 x1.080(16:9)60p
1.920 x1.080(16:9)30p
1.280 x960(4:3)120p
1.280 x960(4:3)60p
1.280 x960(4:3)30p
1.280 x720(16:9)240p
1.280 x720(16:9)200p
1.280 x720(16:9)120p
1.280 x720(16:9)60p
1.280 x720(16:9)30p
800 x48030p
640 x480(4:3)240p
640 x480(4:3)30p
320 x240(4:3)30p
Videoformat / Codec
MPG4(Codec H.264)
Mikrofon Mono
Lautsprecher Mono
Bildstabilisator digital
Foto
maximale Fotoauflösung 4.608 x 3.456 Pixel (interpoliert)
Automatischer Weißabgleich ja
Manueller Weißabgleich ja
Serienbildfunktion ja / 3 Bilder pro Sekunde
Intervallfunktion ja
Bewegungserkennung nein
180° Bilddrehung nein
Besonderheiten Zeitlupenfunktion, Zeitraffer-Video 1, 2, 5, 10, 30 oder 60 s, Selbstauslöser 3, 5, 10, 30 oder 60 s, Belichtungskorrektur -3 bis +2 EV, Weißabgleich Auto, Bewölkt, Tageslicht, Wasser, Outdoor, Loop-Funktion nur über Smartphone-App aktivierbar und deaktivierbar.
Foto + Video simultan k. A.
Display
Display 2,0"-Display (Farbe) für Sucher und Wiedergabe
Konnektivität
WiFi vorhanden
Smartphone App Android, iOS
NFC nein
USB-Anschluss Micro-USB-Anschluss (USB 2.0)
HDMI-Anschluss Mini-HDMI (Typ C)
Speicher und Energieversorgung
Externe Stromversorgung ja
Akku wechselbarer Akku (1.050 mAh), Laufzeit 51 Minuten (Video), USB-Ladefunktion
Speicherkarte micro SD-Card
Technische Hinweise Aufzeichnungsdauer pro Video max. 29 Minuten.
mitgeliefertes Zubehör u. a. Gehäuse mit geschlossener und offener Rücktür, Fahrrad-Halterung, 2 Klebe-Halterungen (beide für plane Oberflächen) und Riemen, Winkel für Halterungen, 1/4"-Adapter, Sicherungsschlaufe, Putztuch, Akku, USB-Kabel, Bedienungsanleitung

 

Erster Eindruck

Die Verpackung ist im bei Actioncams (und sonst kaum irgendwo) recht verbreiteten Vitrinen-Design gehalten. Die Kamera thront in ihrem Unterwassergehäuse unter einer "Plexiglas-Kuppel". Im "Sockel" unterhalb der Kamera ist das Zubehör verstaut, und das ist eine ganze Menge, wie unser Lieferumfang-Foto eindrucksvoll zeigt. Sogar eine Fahrradlenker-Halterung ist mit dabei. Allerdings sind die beiliegenden Klebehalterungen beide für plane Oberflächen gedacht (normalerweise liegen bei Actioncams immer Halterungen für plane und gewölbte Oberflächen, wie z. B. Helme bei).

Der erste Qualitätseindruck der Kamera, des Unterwassergehäuses und auch der vielen Halterungen und Zubehör ist gut. In Details gibt es Verbesserungspotenzial. Der Typenschild-Aufdruck ist groß und klar und deutlich, dafür haben die beiden frontseitig angebrachten LEDs eine "unsichtbare" Beschriftung – nur beim genauen Hinschauen bei guter Beleuchtung erkennt man eine leicht ins Gehäuse eingelassene Gravur. Bei der unteren sind es Symbole, deren Konturen im mattschwarzen Gehäuse praktisch nicht erkennbar sind. Die mitgeliefererten Befestigungen sind GoPro-kompatibel, d. h. du kannst die Kamera einfach mit weiteren reichlich im Handel verfügbaren Befestigungen kombinieren. Allerdings sind die Befestigungsfinger am Unterwassergehäuse einen Hauch zu dick geraten. Hierdurch passt das Schutzgehäuse selbst auf die mitgelieferten Halterungen nur mit großer Kraft. Mit ein bisschen Schleifpapier oder einer Feile kannst du leicht Abhilfe schaffen.

Nicht optimal konstruiert ist auch der Deckel des Akku-Fachs. Dieses hat einen winzigen (wirklich ganz winzigen) versenkten Sicherungsschieber. In welcher Richtung der gesichert oder nicht gesichert ist, ist wiederum nur eingeprägt und nicht gut zu erkennen. Zudem ist der Sicherungshebel sehr schwergängig. In der Praxis wird dies vermutlich dazu führen, dass man ihn einfach in der "unlock-Stellung stehen lässt, was ja auch nicht Sinn der Sache ist. Die Klappe selbst geht recht einfach durch seitliches Schieben der ganzen Klappe auf, symbolisiert durch einen Pfeil. Aber auch hierfür fehlt irgendwie der richtige "Grip" am silikonartig beschichteten Gehäuse.

Die MicroSD-Speicherkarte wird seitlich in einen gut zugänglichen Schacht gesteckt. Diese ist, ebenso wie die benachbarten Schnittstellen, durch keinerlei Abdeckung geschützt. Das hat zwar gute Tradition (die früheren GoPro-Kameras hatten eine Abdeckung, die aber mangels Befestigung schneller verloren ging, als man gucken konnte; insofern waren die Schnittstellen der GoPros auch offen), aber man muss ja nicht alles nachmachen. Ich jedenfalls finde vor einen Speicherkartenschacht und die Schnittstellen gehört eine Abdeckung. Dies wenigstens dann, wenn man die Kamera auch ohne Schutzgehäuse betreiben kann. Das ist bei der  GoXtreme Black Hawk 4K der Fall, denn sie hat ein stabiles Metall-Stativgewinde auf der Unterseite, das ist prima. Das Gewinde ist allerdings nicht sehr tief. Bei vielen Halterungen oder Stativen lässt sich die Schraube nicht tief genug ins Gewinde hineindrehen. Damit ist dann kein fester Sitz gewährleistet. Es dürfte also meist besser sein, die Kamera im Schutzgehäuse zu betreiben und dieses sicher zu befestigen.

Bedienung

Auf der Rückseite befindet sich ein (für eine Actioncam) recht großer Monitor, kein Touch-Screen, wie er derzeit bei Actioncams in Mode kommt, sondern ein normaler Monitor. Das hat den Vorteil, dass die Kamera auch im Unterwassergehäuse beim Tauchgang voll bedienbar bleibt, denn die Bedienung erfolgt ausschließlich über Tasten. Davon hat die Kamera vier Stück und alle haben auch entsprechende Knöpfe am Unterwassergehäuse. Die beiden großen Tasten haben mehrfache Funktionen. Auf der Frontseite sitzt der Ein/Aus-Taster, der auch gleichzeitig Modus-Wahlschalter ist. Auf der Oberseite, dort, wo man den Auslöser vermutet, ist eine Taste, die riesengroß mit einem WiFi-Symbol beschriftet ist. Auch hier: Doppelfunktion. Kurz drücken ist Auslöser bzw. Videoaufnahme-Start und Videoaufnahme-Stopp. Seitlich sind noch zwei Pfeiltasten (rauf/runter) die tatsächlich ausschließlich der Cursorbewegung im Menü dienen. Das wiederum heißt, dass die anderen beiden Tasten auch irgendwie der Menübedienung dienen müssen (was sie auch tun), denn irgendwie muss man ja einen Menüpunkt auswählen/bestätigen und auch wieder zurückblättern. Wenn du einmal begriffen hast, mit welcher Taste du auswählst und bestätigst und welche sozusagen das Gegenteil bewirkt, klappt die Bedienung ganz gut.

  • Bild Easypix GoXtreme Black Hawk 4K Speicherkartensteckplatz und Akkufach (mit sehr hakeliger Verriegelung). [Foto: MediaNord]

    Easypix GoXtreme Black Hawk 4K Speicherkartensteckplatz und Akkufach (mit sehr hakeliger Verriegelung). [Foto: MediaNord]

Etwas nervig ist, dass man zum Aufrufen des Menüs jedes Mal mittels Ein/Aus-Taster durch sämtliche Betriebsmodi schalten muss. Das Menü ist nämlich so gesehen einer von fünf Betriebsmodi. Bis du also z. B. im Video-Modus und willst eine Einstellung verändern, musst du (mangels extra Menü-Taste, bzw. eigentlich könnte ja auch einfach ein Druck auf eine der hoch/runter-Tasten einfach mal das Menü aufrufen) dich erst durch sämtliche Modi durchklicken bis du im Menü-"Modus" bist. Dort geht es dann mit den hoch/runter-Tasten zur gewünschten Option. Die wird mit dem Auslöser geöffnet und dann wieder mit den hoch/runter-Tasten die gewünschte Option ausgewählt und wieder mit dem Auslöser bestätigt. Um zu sehen, welche Einstellungen gerade aktiv sind, musst zu zwangsläufig in den Menüpunkt hineingehen, auf der oberen Ebene wird die aktuell gewählte Einstellung leider nicht angezeigt. Einige Optionen sind – abhängig von den gewählten Einstellungen – auch leicht ausgegraut, also nicht wählbar. Die nicht wählbaren Menüpunkte kann man aber optisch nur sehr schwer von den aktiven Menüpunkten unterscheiden. Zudem flutscht der Cursor über diese Optionen nicht hinweg, sondern du kannst sehr wohl draufgehen – nur passiert dann nichts, wenn du den Auslöser drückst, um diesen Punkt zu öffnen. In Sachen Menüführung und Bedienung würde ich der GoXtreme Black Hawk 4K also maximal ein Befriedigend geben. Aber man kann damit leben, zumal das Menü in diversen Sprachen (darunter deutsch) verfügbar ist.

Angenehm ist dagegen der Live-Vorschau-Bildschirm. Dieser enthält oben und unten am Bildrand (in den Bereichen, die bei dem 4:3-Bildschirm bei 16:9-Videoaufnahmen sowieso nicht vom Sucherbild belegt sind) sehr kleine, aber noch ganz gut erkennbare und auch sinnvoll gestaltete Symbole für alle wichtigen Einstellungen. Auch wenn das Ändern dieser Einstellungen vielleicht etwas mühselig ist, du siehst beim Filmen und Fotografieren jederzeit die wichtigsten derzeit aktiven Einstellungen.

Reichlich bestückt ist die GoXtreme Black Hawk 4K zudem mit blauen Kontrollleuchten an vier Gehäuseseiten. Etwas lachen musste ich tatsächlich, als ich die Kontroll-LED auf der Kameraunterseite dicht am Stativgewinde sah. Auf die Idee, dort eine Status-LED anzubringen, muss man erstmal kommen. Aber warum nicht? Normalerweise bemängele ich in meinen Test an Actioncams, dass diese erstens zu wenige, zweitens zu dunkle Kontroll-LEDs haben, sie drittens gern hinter Milchglas verbaut sind, sodass in hellem Tageslicht absolut sicher ausgeschlossen werden kann, dass man bei irgendeiner der LEDs sehen kann, ob diese leuchtet oder nicht. Das macht GoXtreme bzw. Easypix bei der Black Hawk 4K wirklich gut, die LEDs sind nicht zu übersehen. Eine laufende Videoaufzeichnung wird übrigens durch Blinken angezeigt. Wen die üppigen Kontrollleuchten stören, kann diese im Menü ganz oder teilweise abschalten.

Bedienung per App

Suchst du im Apple App-Store oder im Google Play-Store nach Apps von Easypix oder GoXtreme, wirst du nicht fündig. Folgst du den Links auf der Easypix-Website landest du auf Apps namens "GoAction". Im App-Store für iOS ist sie von einer Firma oder einem Entwickler namens Yanin Wang. Unter Android heißt der Herausgeber "WeTopU Techonology" [sic]. Eine Zuordnung zu bestimmten Kameras ist aus der Beschreibung der App nicht ersichtlich. Offenbar funktioniert sie für diverse Kameras, die unter verschiedenen Bezeichnungen vertrieben werden.

Unter iOS hatte ich mit der Verbindung zur Kamera zunächst keinen Erfolg. Zwar lies sich die Kamera per WLAN mit dem Default-Passwort "1234567890" problemlos verbinden. Aber die App (auf einem iPhone 5 Plus) brach die Verbindungsversuche nach einer "Connecting Camera"-Meldung stets mit einem Fehler ab. Ohne erkennbaren Grund funktionierte dasselbe am nächsten Tag problemlos. Mit Android (Samsung Galaxy S7) klappte alles sofort auf Anhieb. Zur App gibt es eigentlich nicht viel zu sagen. Sie ist irgendwie wie alle Fernbedienungs- und Einstellungs-Apps für Actioncams. Das Live-Bild kommt etwas verzögert (unter einer Sekunde), das ist normal. Das Vorschau-Bild ist scharf aber auch klein, denn hat die App keinen Querformat-Modus, sodass das 16:9-Vorschau-Live-Bild nur einen wirklich kleinen Teil des Hochformat-Screens einnimmt. Zur Entschuldigung muss ich sagen, dass bei anderen Herstellern bzw. Apps im Querformat das Bild einfach nur nochskaliert wird und dann sehr unansehnlich ist. Eine Livebild-Vorschau in FullHD ist mit derzeitiger Technik einfach nicht realistisch. Insofern sehe ich die nicht vorhandene Landscape-Anzeige der App nicht wirklich als Nachteil an.

Aber Achtung: Über die App kannst du Einstellungen an der Kamera vornehmen, die du dann über die Kamera selbst evtl. nicht mehr zurückstellen kannst, weil die Kamera die Option eigentlich gar nicht anbietet. Ich hatte in der App die Möglichkeit zur Loop-Aufnahme gefunden und aus Spaß mal aktiviert mit der Einstellung "1 Minute" (d. h. nach jeweils einer Minute wird ein neues Video begonnen; bei voller Speicherkarte wird das älteste überschrieben). Dadurch machte die Kamera auch bei Bedienung an der Kamera nur noch Videos mit einer Minute Länge. An der Kamera selbst kann man das dann nicht wieder auf Normalbetrieb umstellen, das geht dann wieder nur über die App.

  • Bild Die blauen Status-LEDs der Easypix GoXtreme Black Hawk 4K sind auch bei hellem Umgebungslicht gut erkennbar. [Foto: MediaNord]

    Die blauen Status-LEDs der Easypix GoXtreme Black Hawk 4K sind auch bei hellem Umgebungslicht gut erkennbar. [Foto: MediaNord]

 

Foto und Video in der Praxis

Das alles Entscheidende für uns ist immer: Was kommt am Ende raus? Und wie kommt man da hin, das was raus kommt? Dass die Videoaufzeichnungsdauer auf 29 Minuten am Stück beschränkt ist, hatten wir eingangs erwähnt. Für eine Actioncam ist das ungewöhnlich. Ob das in der Praxis stört, hängt von der individuellen Anwendung ab. Ich persönlich lasse Actioncams, gerade weil sie so klein und unkompliziert sind, beispielsweise häufig auf Veranstaltungen quasi als Diktiergerät mit Bild mitlaufen. Da reichen 29 Minuten nicht und ich kann auch nicht dauernd zur Kamera laufen und die Aufnahme neu starten oder überhaupt permanent darauf achten, ob die Kamera läuft oder nicht. Für praktisch alle längeren dokumentarischen Anwendungen ist die Kamera aufgrund dieser Einschränkung nicht zu gebrauchen. Auch als Actioncam im klassischeren Sinne, finde ich die Einschränkung echt fies. Natürlich will sich niemand 30 Minuten lange Videos am Stück anschauen. Aber wenn ich eine Actioncam beispielsweise an schlecht (oder zeitlich begrenzt gar nicht) zugänglicher Stelle montiere und eine Fahrt (Autofahrt, Eisenbahnfahrt, Segelboot-Fahrt) filme, um mir später interessante Passagen herauszuschneiden, dann schaltet die GoXtreme Black Hawk 4K vielleicht gerade ab, wenn es spannend wird – und so ziemlich jede andere Actioncam auf der Welt weiterfilmen würde, bis der Akku leer ist. Aber ich will da nicht länger drauf herumhacken. Ob die 29-Minuten-Begrenzung für dich eine Rolle spielt oder nicht, kannst du selbst für dich entscheiden.

Ganz wichtig ist hingegen zweifelsfrei die Bildqualität. Denn immerhin rangiert die GoXtreme Black Hawk 4K von den technischen Daten her in der Top-Klasse und der Preis ist zwar günstig im Vergleich der bekannten Markenhersteller (vor allem, wenn man den großen Lieferumfang berücksichtigt), aber bei immerhin 200 Euro sollte ja auf jeden Fall eine vernüftige Qualität auf der Speicherkarte ankommen.

Beim Sichten der ersten Testaufnahmen fällt auf, dass sich die Kamera wenig um übliche Gepflogenheiten schert. Der Name der Speicherkarte selbst wird erstmal kurzerhand in "Black Hawk" umbenannt und die Fotos und Videos landen nicht wie üblich im Ordner "DCIM", sondern in einem Ordner "AMBA" (wahrscheinlich für Ambarella, dem in der Kamera verbauten Chip). Darin wiederum legt die Kamera für jeden Tag einen eigenen Ordner an. Die Bilder nach einer mehrtägigen Urlaubsreise händisch aus den diversen Verzeichnissen der Speicherkarte auf den heimischen PC zu übertragen, kann also ein mühsames Unterfangen werden. Viel schlimmer noch: In den einzelnen Ordnern sind die Fotos und Videos nur mit der Uhrzeit benannt nach dem Muster HHMMSS, gefolgt von 00 bei Fotos und AA bei Videos. Das ist fatal, denn wenn du die Dateien aus den Unterverzeichnissen in einen Ordner zusammenkopierst, bekommst du ein heilloses Durcheinander, wenn du die Fotos nach Dateinamen sortierst. Du musst also beim Übertragen auf den PC (oder Mac) für eine chronologische Dateiablage entweder die Original-Ordnerstruktur erhalten oder brauchst ein Hilfsprogramm, das die Fotos und Videos beim Übertragen neu benennt und organisiert (der Adobe Elements Organizer und andere Bildverwaltungsprogramme leisten sowas).

Fangen wir bei der Bildqualität diesmal mit den Fotos an. Die 16-Megapixel-Einstellung kannst du getrost vergessen. Verwende stattdessen die 12-Megapixel-Größe. Das ist ja das, was die Kamera mit ihrem 12-Megapixel-Sensor tatsächlich sieht. Die 16-Megapixel-Einstellung erzeugt nur unnötig größere Dateien, ohne dass darin mehr zu sehen ist. Hochinterpolieren bringt halt nichts, sieht nur im Datenblatt gut aus, aber nicht im Foto. Die 12-Megapixel-Fotos sind ganz OK. Sie haben selbst in der standardmäßig auf "mittel" gestellten Scharfzeichnung schon deutlich sichtbare "Heiligenscheine" an Kontrastkanten. Dafür, dass die Scharfzeichnung also recht sportlich zur Sache geht, wirkt das Bildergebnis insgesamt recht flau und hat zudem schon außerhalb der direkten Bildmitte und zum Rand deutlich zunehmend vom Objektiv stammende Farbsäume (sogenannte chromatische Abberationen, die offenbar von der Kamera-Elektronik völlig unkorrigiert gelassen werden). Das Objektiv der GoXtreme Black Hawk 4K ist also ganz offenbar nicht besonders gut. Von den Farbsäumen abgesehen fällt die Bildqualität von der Bildmitte bis zum Rand zumindest nicht wesentlich ab. Die Fotofunktion der GoXtreme Black Hawk 4K wirst du wahrscheinlich nur verwenden, wenn du den extremen Bildwinkel nutzen willst. Ansonsten macht dein Smartphone vermutlich bessere Fotos.

Und bei den Videos? Die Qualität der 4K-Videos ist zu der der Fotos praktisch identisch. D. h. die 4K-Videos haben die gleiche, durchs Objektiv hervorgerufene, etwas flaue, nicht knackige (obwohl doch sichtbar scharfgezeichnete) Tendenz und die gleichen bunten Farbsäume nicht nur im äußersten Randbereich. Auf der anderen Seite sind sie eben kein Stück schlechter als die Fotos und das wiederum ist eine starke Leistung. Denn bei Fotos hat die Kamera theoretisch alle Zeit der Welt (zumindest bis zum nächsten Foto) das Foto zu optimieren. Bei Videos müsste das kontinuierlich 30 Mal pro Sekunde passieren, zumal sofort auch eine Kompression stattfinden muss, die wiederum Qualität kostet. Und da sind natürlich in Sachen Qualität Grenzen gesetzt, weshalb Fotos potenziell hochwertiger sind als die Standbilder aus Videos, selbst wenn beide die gleiche Auflösung hätten. Vergleicht man haarklein die Fotos der GoXtreme Black Hawk 4K mit Standbildern aus den 4K-Videos wird man – vom anderen Seitenverhältnis (16:9 statt 4:3, oben und unten fehlt eine Menge) – kaum einen Unterschied feststellen. Das ist eine wirklich gute Leistung. Der in der GoXtreme Black Hawk 4K eingebaute Ambarella-Chip scheint weitaus mehr auf Video optimiert zu sein als auf Fotos. Die Datenrate der 4K-Videos beträgt übrigens 60 MBit/s. Das ist ein sehr ordentlicher, praxisgerechter Wert, der auch bei schnell bewegten Bildern noch für eine gute Qualität und Schärfe ohne sichtbare Artefakte sorgt. Bei 2,7K Videoauflösung beträgt die Datenrate noch 48 MBit/s. In dieser Videogröße sind übrigens praktisch genauso viele Details im Video zu sehen, wie bei 4K – mehr Details lässt das mittelmäßige Objektiv offenbar einfach nicht auf den Chip. In einigen Auflösungsstufen wird eine "Superview" genannte Version angeboten. Da wird dann das 4:3-Bild des Sensors auf 16:9-Format gestaucht, so etwas braucht niemand.

  • Bild Das Menü der Easypix GoXtreme Black Hawk 4K ist recht übersichtlich trotz vieler einstellbarer Parameter. Leider ist die jeweils gewählte Einstellung in der oberen Menü-Ebene nicht ersichtlich. [Foto: MediaNord]

    Das Menü der Easypix GoXtreme Black Hawk 4K ist recht übersichtlich trotz vieler einstellbarer Parameter. Leider ist die jeweils gewählte Einstellung in der oberen Menü-Ebene nicht ersichtlich. [Foto: MediaNord]

In den niedrigen Auflösungen gibt es "richtige" 4:3-Videos (falls das jemand nutzen möchte), sowie wahlweise höhere Bildwiederholraten, mit denen du Zeitlupen erzeugen kannst. Bei 2,5K sind es schon 60 Bilder/s, das wäre eine 2-fache Zeitlupe (bei einer Wiedergabe von 30 Bildern/s) oder eine 2,5-fache (bei 25 fps Wiedergabe). Und diese Videos sehen qualitativ wirklich super aus. Die Datenrate liegt bei 50 MBit/s und das Objektiv ist jetzt "im grünen Bereich". Bei FullHD (1920 x 1080) werden bis zu 120 fps angeboten (gut für 4- bis 5-fache Zeitlupe), für 240 fps musst du auf HD (1280 x 720) heruntergehen, schaffst dann aber sogar eine 8-fache bzw. 10-fache Zeitlupe. Klar, das schaffen die teuren Edel-Kameras auch, aber hier bekommst du es für 200 Euro mit viel Zubehör.

Ein elektronischer Bildstabilisator lässt sich in den Videogrößen 1080p30 und 1080p60 aktivieren. Dessen Wirksamkeit ist kaum sichtbar, dafür verschlechtert er aber auch nicht die Bildqualität. Die Möglichkeit bei Videos oder Fotos die Fisheye-Verzeichnung herauszurechnen, besitzt die Black Hawk 4K nicht.

Der Ton wird in Mono aufgezeichnet, obwohl die Kamera drei Gehäuseöffnungen hat, die nach Mikrofon aussehen. Hinter welcher der Öffnungen sich das Mikrofon verbirgt, konnte ich nicht herausfinden; selbst bei nacheinander zugehaltenen Öffnungen ist jederzeit eine "normal gute" Tonaufzeichnung gewährleistet. Möglicherweise sind mehrere Mikrofone verbaut, aber der Ton wird als Mono-Ton im Video gespeichert. Die eingangs angekündige Black Hawk 4K mit dem Zusatz "+" wird künftig Stereoton aufzeichnen.

  • Bild Der Lieferumfang der Easypix GoXtreme Black Hawk 4K ist riesig. Es fehlt eigentlich an nichts. [Foto: MediaNord]

    Der Lieferumfang der Easypix GoXtreme Black Hawk 4K ist riesig. Es fehlt eigentlich an nichts. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Easypix GoXtreme Black Hawk 4K wird in einer bei Actioncams weit verbreiteten "Vitrinen-Verpackung" geliefert. GoPro hatte diese aufwendige Verpackungsart ursprünglich geprägt. [Foto: Easypix]

    Die Easypix GoXtreme Black Hawk 4K wird in einer bei Actioncams weit verbreiteten "Vitrinen-Verpackung" geliefert. GoPro hatte diese aufwendige Verpackungsart ursprünglich geprägt. [Foto: Easypix]

Die Akkulaufzeit bei 4K-Aufzeichnung und ausgeschaltetem WiFi beträgt nur rund 51 Minuten (29 Minuten bis zum automatischen Stopp, dann noch einmal knapp 22 Minuten bis zum Abschalten wg. geringem Akkustand). Ein Betrieb an einem externen Powerpack ist problemlos möglich.

Fazit

Die GoXtreme Black Hawk 4K liefert für ihren Preis von rund 200 Euro (Internet-Preis zum Zeitpunkt des Tests) bis 250 Euro (UVP des Herstellers) eine ganz ordentliche Leistung ab. Leider begrenzt das mittelmäßige Objektiv die theoretisch bessere Elektronik. So erreicht die Gesamtleistung bei 4K-Aufnahmen nicht das aktuelle Niveau der Premium-Marken, sondern bleibt effektiv irgendwo im Bereich von 2,5K bis 2,7K stecken. Dasselbe gilt für die mit der Black Hawk 4K aufgenommenen Fotos, die qualitativ nicht besser als die Videos sind (was sie theoretisch sein könnten). Ärgerlich sind die völlig unzweckmäßige Dateiablage auf der Speicherkarte und die Beschränkung auf 29 Minuten maximale Aufzeichnungsdauer. Rechnest du den sehr großen Lieferumfang in den Preis mit ein, bekommst du eine qualitativ brauchbare Actioncam für ungefähr die Hälfte von dem, was du für die Top-Geräte der Premium-Marken bezahlen müsstest.

Vorteile

  • umfangreiche Ausstattung und großer Lieferumfang
  • zahlreiche Einstellmöglichkeiten

Nachteile

  • Videoaufzeichnung max. 29 Minuten am Stück
  • nur mittelmäßige Bildqualität aufgrund des Objektivs
  • unzweckmäßige Dateiablage auf der Speicherkarte