Panorama-Kamera mit 4K-Videos und 30-Megapixel-Fotos Mit der KeyMission 360 tritt Nikon in den Markt der Actioncams ein, zwei weitere Modelle (KeyMission 170 und KeyMission 80) folgen in Kürze. Die KeyMission 360 ist dabei extrem interessant, denn sie ist die erste vollsphärische Panorama-Actioncam: ohne Schutzgehäuse robust und wasserdicht bis 30 Meter Tauchtiefe. Und sie legt "fertig" aufbereitete Fotos und Videos auf der Speicherkarte ab, die – zumindest theoretisch – direkt z. B. auf Facebook oder YouTube als Virtual-Reality-Videos bzw. -Fotos veröffentlicht werden können.

Am 21. Oktober hatte eine kleine Gruppe von Journalisten, Bloggern und YouTubern aus Deutschland in London die Gelegenheit, an einer Launch-Veranstaltung der KeyMission-Actioncam-Produktlinie teilzunehmen und dort weitere Details über die vollsphärische Panorama-Kamera KeyMission 360 zu erfahren und die Kamera auch selbst einige Stunden auszuprobieren. Da zu dem Zeitpunkt die für den Betrieb der Kamera fast unerlässliche Smartphone-App weder im Google Play Store noch im Apple App Store verfügbar war (mittlerweile ist sie es), hatte Nikon für jede Kamera ein fertig vorbereitetes Samsung Galaxy 6 Edge dabei, auf dem die neueste Beta-Version der App namens SnapBridge 360/170 installiert war. Die Firmware der Kameras war 1.0, d. h. die Kamera war "final".

In den nächsten Tagen bekommen wir noch einmal eine Kamera für einen längeren Test zugeschickt, dann soll auch die KeyMission-App in den App-Stores verfügbar sein. Wir werden dann diesen "First-Look"-Vorabtest noch weiter ausbauen und auch Screenshots von der App veröffentlichen.

Update 2016-11-01: Testgerät ist eingetroffen. Lieferufang-Kapitel inkl. Lieferumfang-Foto ist schon ergänzt. Weitere Updates folgen in den nächsten Tagen.

Update 2016-11-09: Kapitel Bedienung ergänzt.Kapitel "Workflow" umgearbeit in "Drahtlosverbindung und App".

Update 2016-11-23: Wir haben von Nikon noch die Bluetooth-Fernbedienung ML-L6 bekommen. Meine Erfahrung damit habe ich unten in einem eigenen kurzen Unterkapitel "Fernbedienung ML-L6" niedergeschrieben.

  • Bild Die Nikon KeyMission 360 ist die erste vollsphärische Panorama-Actioncam, die ohne zusätzliches Schutzgehäuse auskommt. [Foto: Nikon]

    Die Nikon KeyMission 360 ist die erste vollsphärische Panorama-Actioncam, die ohne zusätzliches Schutzgehäuse auskommt. [Foto: Nikon]

Die KeyMission 360 ist die erste vollsphärische Panorama-Kamera, auch VR-Kamera (VR für Virtual Reality) genannt, die die Videos in 4K-Auflösung aufzeichnet (mit immerhin 24 Bildern/s). 4K-Aufzeichnung gab bzw. gibt es schon bei der seit knapp einem Jahr erhältlichen Kodak SP360 4K. Diese ist aber eine "einäugige" Kamera mit allerdings einem extremen Bildwinkel von bis zu 240 Grad. Aufrecht ausgerichtet kann die Kodak also rundum filmen und auch nach oben. Aber unten bleibt ein "blinder" Bereich von immerhin gut 120 Grad, der im Video einfach schwarz ist. Das mag bei vielen Anwendungen nicht stören, bei anderen wiederum doch. Kodak bietet die Möglichkeit, zwei der Kameras Rücken an Rücken zu montieren und die beiden gleichzeitig aufgenommenen Videos dann in einer Software am PC zusammenzurechnen. Diese Maßnahme verdoppelt zum einen natürlich den Kamerapreis, zum anderen ist das Zusammenrechnen der Videos zeitaufwändig und umständlich. Für Profis ist das akzeptabel, denn die Qualität, die dabei herauskommt, ist wirklich ziemlich gut. Aber für den normalen Konsumenten ist das Verfahren zu kompliziert. Der möchte seine VR-Videos und VR-Fotos am liebsten direkt in der Kamera fertig haben zum Hochladen zu YouTube oder Facebook. Und das alles am besten noch mobil vom Smartphone oder Tablet aus.

Genau das verspricht Nikon mit seiner KeyMission 360. Die Kamera besitzt zwei Objektive auf den gegenüberliegenden Seiten der Kamera. Beide Objektive haben einen Bildwinkel von ungefähr 190 Grad. Es gibt also eine leichte Überlappung der beiden Kameraaufnahmen. In diesem Bereich werden die beiden Einzelvideos quasi überblendet und damit zusammengefügt. Das passiert direkt in der Kamera, die dafür einen entsprechend leistungsfähigen Prozessor eingebaut hat. Dass das direkt in der Kamera in Echtzeit funktioniert, ist schon ein wenig erstaunlich, wenn man sieht, wie lange das Zusammenrechnen z. B. der Kodak-Videos an einem durchaus leistungsfähigen PC dauert.

Lieferumfang

Die Nikon KeyMission 360 verwende den Akku Nikon EN-EL12, der auch in vielen Nikon Coolpix Kompaktkameras zum Einsatz kommt. Der flache 3,7V-Akku-Block hat 1050 mAh Kapazität und ist im Handel ab rund 25 Euro nachzukaufen. Mit dabei ist auch ein Steckerladegerät mit amerikanischem Flachkontakt-Stecker sowie ein Adapter auf Euro-Stecker (natürlich kannst du alternativ jedes andere USB-Ladegerät verwenden), sowie ein USB-Kabel.

Zum Schutz der Kamera liegt ein schwarzer Silikon-Bumper dabei. Zur Befestigung sind je eine Klebeplatte für gewölbte und plane Oberflächen dabei sowie ein kleiner Kugelkopf aus Kunststoff, mit dem die Kamera waagerecht ausgerichtet werden kann. Der Schnappverschluss, mit dem der Kugelkopf in den Klebeplatten eingerastet wird, sieht auf den ersten Blick wie die Schnellverschlüsse von GoPro aus, aber das täuscht. In eine GoPro-kompatible Platte, die du vielleicht schon auf deinem Helm kleben hast, passt das Nikon-Zubehör nicht.

Mit dabei sind auch gleich zwei Paar Linsenschutzabdeckungen: ein Paar gewölbte Abdeckungen für den Betrieb über Wasser (Typ Nikon AA-14A) und ein paar plane Abdeckungen für den Betrieb unter Wasser (Typ Nikon AA-15A). Die Schutzscheiben lassen sich ganz leicht per Bajonett-Verschluss austauschen. Im Falle einer Beschädigung gibt es bezahlbaren Ersatz. Ein Unterwassergehäuse ist nicht nötig, denn die KeyMission 360 ist sowohl sturzresitent bis 2 Meter Fallhöhe als auch wasserdicht bis zu stattlichen 30 Meter Wassertiefe (1 Stunde lang 30 Meter). Damit das Bild unter Wasser scharf abgebildet wird, sind die planen Schutzscheiben AA-15A nötig. Damit kann die KeyMission 360 aber keine vollsphärischen Panoramen aufnehmen! Das geht nur über Wasser! Unter Wasser bekommst du eine Aufnahme nach vorn und nach hinten, aber im mittleren Bereich bleibt das Video durch die plane Linsenabdeckung dunkel.

  • Bild Zum Lieferumfang der Nikon KeyMission 360 Panorama-Actioncam gehört Ladegerät mit Steckeradapter, USB-Kabel, Akku, gewölbte und plane Klebeplatte, ein Kugelkopf, vier Linsenabeckungen (je zwei für über und unter Wasser), Silikon-Schutz. [Foto: MediaNord]

    Zum Lieferumfang der Nikon KeyMission 360 Panorama-Actioncam gehört Ladegerät mit Steckeradapter, USB-Kabel, Akku, gewölbte und plane Klebeplatte, ein Kugelkopf, vier Linsenabeckungen (je zwei für über und unter Wasser), Silikon-Schutz. [Foto: MediaNord]

  • Bild Unter der zweifach gesicherten Klappe der Nikon KeyMission 360 befindet sich der Einschub für das Wechselakku, der Speicherkarten-Schacht (für MicroSD-Karten), der Schalter für den Flug-Modus sowie der USB und HDMI-Anschluss. [Foto: Nikon]

    Unter der zweifach gesicherten Klappe der Nikon KeyMission 360 befindet sich der Einschub für das Wechselakku, der Speicherkarten-Schacht (für MicroSD-Karten), der Schalter für den Flug-Modus sowie der USB und HDMI-Anschluss. [Foto: Nikon]

Bedienung

Bedienen kann man an der Kamera selbst fast nichts. Zwei Tasten gibt es und zwei bzw. drei LED-Status-Anzeigen, sonst nichts. Vor der Nutzung müssen noch das Akku und die Speicherkarte eingelegt werden. Beides verschwindet hinter einer Klappe, hinter der auch die Micro-USB-Buchse und die Micro-HDMI-Buchse sitzen. Die Klappe ist gegen versehentliches Öffnen mit einem zusätzlichen Riegel gesichert, denn die Kamera ist ohne weiteres Schutzgehäuse wasserdicht bis 30 m. Das Laden des Akkus erfolgt über das mitgelieferte oder ein beliebiges anderes MicroUSB-Kabel in der Kamera.

Mit der großflächigen Taste auf der Oberseite kannst du die Kamera einschalten. Sie startet dann normalerweise sofort die Videoaufnahme. Mit derselben Taste stoppst du die Aufnahme wieder. Willst du die Kamera nur einschalten und keine Videoaufzeichnung starten, musst du die Taste etwa drei Sekunden lang drücken. Ebenso kannst du die Kamera direkt wieder ausschalten (ein kurzer Druck in eingeschaltetem Zustand würde ja wieder die Aufnahme starten). Und gleich noch eine dritte Funktion hat die große Taste: Drückst du sie sieben Sekunden lang, geht die Kamera in den Pairing-Modus, d. h. sie ist dann kopplungsbereit für neue Smart-Devices. Möchtest du statt einem Video lieber ein Foto aufnehmen, benutzt du die seitliche Taste. Die schaltet ebenso die Kamera und startet dann den Zeitablauf für den Selbstauslöser startet und danach ein Foto macht.

Zwei der drei LEDs signalisieren die laufende Video-Aufnahme (in Rot) oder den laufenden Selbstauslöser (grün blinkend). Die beiden Öffnungen sind in der oberen Gehäuseecke eingelassen, so dass du sie von oben und aus Richtung des Objektivs sehen kannst. Schräg von unten (z. B. vom Selfie-Stick aus) sind die Leuchten aber nicht zu sehen. Die dritte LED zeigt bei aktiver Kamera den Batterie-Status an (Grün = in Ordnung, Orange = Akku bald leer). Nach einer einstellbaren Zeit (standardmäßig 30 Sekunden) geht die Kamera wieder in den Stromspar-Modus. Richtig ausschalten kannst du sie theoretisch gar nicht, dazu müsstest du den Akku entnehmen. Das Konzept aller neuen Nikon-Kameras ist nämlich, dass sie per energiesparendem Bluetooth 4 versuchen, eine Verbindung zu dem damit gepairten Smart-Device zu halten. Darüber erfolgt nämlich die gesamte übrige Bedienung, und Vorschau-Bilder der mit der Kamera aufgenommenen Fotos und Videos werden im Hintergrund automatisch aufs Smart-Device übertragen. Ich habe aber beobachtet, dass die Kamera nach längerer Nichtbenutzung nicht mehr per Bluetooth erreichbar ist. D. h. irgendwann geht sie offenbar doch in den Tiefschlaf. Um die Verbindung dann wiederherzustellen, musst du die Kamera per Tastendruck auf eine der beiden Aufnahmetasten wieder einschalten.

Drahtlosverbindung und App

Das funktioniert soweit ganz gut, aber noch nicht ganz perfekt. Die erste Hürde stellt das Pairing mit dem Smart-Device dar, also normalerweise mit deinem Smartphone. Hierbei musst du dicht strickt an die Anleitung halten und möglicherweise auch hartnäckig sein. Beim iPhone 6s Plus brauchte ich mehrere Versuche aus der App heraus. Irgendwann klappte es dann. Ein späteres Neu-Pairing mit demselben Gerät wollte dann aber zunächst nicht mehr klappen. Grund dafür war, dass ich versucht hatte, das Gerät im Einstellungsmenü zu koppeln und nicht aus der Nikon-App heraus. Man muss zwar ins iOS-Einstellungs-Menü, um dort das alte Pairing zu löschen (sonst klappt die Neuverbindung nicht), aber keinesfalls darf man dort versuchen die beiden Geräte bekannt zu machen, das wird nicht funktionieren. Das Pairing klappt definitiv nur aus der App heraus, womit sich die KeyMission 360 anders als gewohnt verhält. Ein Pairing mit einem Android Smartphone, in diesem Fall einem Umi Touch (einem günstigen 6-Zoll-China-Phablet) funktionierte, natürlich aus der App heraus, ich bin ja lernfähig, fast auf Anhieb.

Wenn die KeyMission 360 per Bluetooth mit dem Smartphone kommuniziert, ist erstmal schon viel gewonnen, denn nun kannst du einige grundlegende Einstellungen vornehmen. Diese hat Nikon direkt auf dem Kamera-Reiter untergebracht. Weitere Einstellungen (die für die Foto- und Video-Aufnahmen), erreichst du erst, nachdem du eine Kamerafernbedienung inklusive Live-View gestartet hast, und dazu muss die Kamera nun neben der Bluetooth-Verbindung noch eine zweite Verbindung per WiFi/WLAN aufbauen. Dass ist meiner Meinung nach eine ebenso unnötige Hürde wie die Tatsache, dass du die Kamera ohne Live-View gar nicht vom Smart-Device aus fernbedienen kannst (vielleicht möchtest du die Kamera ja wirklich einfach nur fernauslösen oder mal eine Aufnahmeeinstellung ändern).

Denn das Herstellen der WiFi-Verbindung dauert lange. Als erstes informiert dich ein Pop-Up in der App darüber, dass für die Fotografie per Fernauslösung WiFi benötigt wird und nun eine WiFi-Verbindung zur Kamera hergestellt wird. Wird sie aber noch nicht, sondern du musst den Hinweis bestätigen, indem du auf OK tippst (alternativ auf Abbrechen). Falls du gerade abgelenkt warst und die Kamera zwischenzeitlich in den Stromsparmodus gefahren ist, hast du verloren, dann hängt sich die App auf. Die Kamera wieder einzuschalten hilft dann auch nicht (es ist also vermutlich keine schlechte Idee, die standardmäßigen 30 Sekunden dafür auf einen deutlich höheren Wert einzustellen). Wenn du schnell genug warst, versucht die App nun die Verbindung zur Kamera herzustellen. Dazu schaltet sie zunächst das WLAN in der Kamera ein, baut eine eventuell bestehende WiFi-Verbindung zu einem Access-Point ab und nur zur KeyMission 360 Kamera auf. Das dauert ungefähr eine halbe Minute, vorher kannst du gar nichts fernbedienen oder einstellen. Aber immerhin funktioniert das Aufbauen mit Android-Geräten automatisch.

Nicht so bei iPhones oder iPads. Das iOS-Betriebssystem lässt es nicht zu, dass eine App eine WiFi-Verbindung aufbaut. Das muss der Benutzer schon selber machen (möglicherweise ein Sicherheits-Feature). Der iOS-Version der SnapBridge 360/170-App bleibt also nichts anderes übrig als den Benutzer aufzufordern, ins Einstellungsmenü zu wechseln und sich dort mit der Kamera zu verbinden, und anschließend zurück in die SnapBridge 360/170 App zu wechseln. Komfortabel ist das nicht. Und dieser Prozedur ist ja nicht nur einmal bei der Einrichtung nötig, sondern jedes Mal, wenn du die Kamera vom Smart-Device aus fernbedienen willst. Das ist nur begrenzt praktikabel. Da startet man doch lieber die Aufnahme direkt an der Kamera.

Aber WLAN brauchst du spätestens, wenn du die Filme von der Kamera aufs Smartphone übertragen willst. Bei den Fotos ist das nicht nötig. Du kannst in den Einstellungen wählen, ob du eine kleine 2-Megapixel-Version übertragen willst (das geht schnell, aber sieht schlecht aus) oder die volle 30-Megapixel-Größe, deren ausschnittsweise Betrachtung auf dem Smart-Device dann wirklich gut aussieht – dafür dauert die Übertragung dann gut 20 Sekunden pro Original-Foto mit ca. 12 Megabyte Dateigröße (ich finde das ist es wert).

Bei Videos aber geht im Grunde nichts ohne WiFi. Zwar können niedrig aufgelöste Vorschau-Videos per Bluetooth aufs Smart-Devide übertragen werden, aber diese niedrig aufgelösten Videos machen beim Betrachten wirklich keinen Spaß und lassen auch keine Qualitätsbeurteilung zu. Die Original-Videos in 4K-Auflösung sind natürlich riesengroß (550 MByte pro 1 Minute Video) und brauchen entsprechend sehr lange für die Übertragung, obwohl sie ja über WiFi und nicht über Bluetooth kommen. Leider hat die Snapbridge-App auch keine detaillierte Fortschrittsanzeige. Zwar wird die Anzahl der Übertragenen Fotos und Videos gezählt und angezeigt, aber mangels genauerer Anzeige kommt man schon manchmal ins Grübeln, ob die Übertragung nun wirklich noch läuft, oder doch irgendwie abgebrochen ist.

Recht lange kann es mitunter übrigens auch dauern, bis eine schon mal eingerichtete Bluetooth-Verbindung zur Kamera erneut aufgebaut ist. Offensichtlich geht auch die Bluetooth-Verbindung in einen Standby-Modus und muss bei Bedarf erst reaktiviert werden. Das kann schon mal locker 15 Sekunden dauern, aber wirklich nur, wenn du die Kamera einige Zeit nicht bedient hast. Steht die Verbindung aber erstmal, geht die Bedienung schnell und flüssig und lässt von der Bedienung her kaum Fragen offen. Die App ist auch ein prima Panorama-Viewer. Die App hat dabei zwei Anzeige-Modi: entweder wählst du den Bildausschnitt per Wisch-Bewegung oder indem du das Smartphone um dich herum schwenkst. Aus der App heraus kannst du Fotos und Videos auch zu Facebook und YouTube (nur Videos) hochladen, das konnte ich in der Kürze der Zeit allerdings noch nicht ausprobieren. Auch grundlegende Bearbeitung soll möglich sein, z. B. das Beschneiden, was nicht gleich klappen wollte.

Auch für den PC und Mac gibt es eine solche "App", d. h. ein Anwendungsprogramm. Das heißt "KeyMission 360/170 Utility" und steht kostenlos auf der Nikon-Website zum Herunterladen bereit. Es ist wiederum ein Betrachtungsprogramm und soll auch die Grundlegende Bearbeitung der Videos zulassen, was mit der aktuell verfügbaren Version 1.0 allerdings überwiegend noch nicht funktioniert. Aber du kannst die Videos zumindest "Speichern für YouTube". Damit werden die nötigen Tags hinzugefügt, die dafür sorgen, dass YouTube das Video als 360-Grad-Video erkennt und im Panorama-Viewer darstellt. Aktuell (in der im Test verwendeten Version 1.0) macht das Utility noch einen etwas unfertigen Eindruck. Die Anfasser zum Schneiden der Videos ließen sich bei uns nicht bewegen und auch einige der weiteren Bearbeitungsmöglichkeiten (z. B. "Effekte") zeigen keine Funktion bzw. nicht einmal Auswahlmöglichkeiten. Das "Speichern für YouTube" funktionierte aber problemlos.

  • Bild Die Fernbedienung Nikon ML-L6 für die Kameras der KeyMission-Serie arbeitet per Bluetooth. [Foto: Nikon]

    Die Fernbedienung Nikon ML-L6 für die Kameras der KeyMission-Serie arbeitet per Bluetooth. [Foto: Nikon]

  • Bild Für die Fernbedienung Nikon ML-L6 gibt es auch ein Armband AA-13, mit dem die Fernbedienung am Handgelenk getragen werden kann. [Foto: Nikon]

    Für die Fernbedienung Nikon ML-L6 gibt es auch ein Armband AA-13, mit dem die Fernbedienung am Handgelenk getragen werden kann. [Foto: Nikon]

  • Bild Der Silikon-Bumper CF-AA1 (hier in Orange, eine dezente schwarze Version wird serienmäßig mitgeliefert) ist ganz praktisch. Er schützt das Gehäuse an allen Ecken vor Stößen und Kratzern. [Foto: Nikon]

    Der Silikon-Bumper CF-AA1 (hier in Orange, eine dezente schwarze Version wird serienmäßig mitgeliefert) ist ganz praktisch. Er schützt das Gehäuse an allen Ecken vor Stößen und Kratzern. [Foto: Nikon]

Fernbedienung ML-L6

Nachdem die (Fern-)Bedienung über die Smartphone-App, wie oben beschrieben, ja nicht immer so reibungslos funktioniert, wir man sich das wünscht, habe ich mich bei Nikon noch um ein Testgeräte der Bluetooth-Fernbedienung ML-L6 bemüht (und bekommen). Die Fernbedienung ist sowohl mit der KeyMission 170 als auch der KeyMission 360 kompatibel ist (zur KeyMission 80 ist mir diesbezüglich noch nichts bekannt). Die kleine Fernbedienung ist im Prinzip als Armband-Fernbedienung konzipiert. Sie hat Durchführungen für ein Armband, das allerdings nicht mitgeliefert wird, sondern wiederum als Zubehör erworben werden muss. Weitere Befestigungsmöglichkeiten, wie z. B. einen Clip oder eine Öse für eine Halsschlaufe hat die Fernbedienung nicht. Wie die KeyMission 360 selbst geizt auch die Fernbedienung mit Bedienelementen und Status-Anzeigen. Vier Tasten und eine LED sind alles, was die Fernbedienung bietet, aber das reicht für den grundlegenden Betrieb aus. Die Stromversorgung erfolgt über eine mitgelieferte Knopfzellen-Batterie. Die Fernbedienung ist nur sptitzwassergeschützt, nicht aber wirklich wasserdicht.

Um die Fernbedienung mit einer KeyMission Actioncam zu verbinden (zu pairen), brauchts du auf jeden Fall erstmal eine Verbindung per Smartphone. Dort gibt es in der App dann einen entsprechenden Menüeintrag und wenn du die Reihenfolge in der Bedienungsanleitung genau befolgst, sollte die erstmalige Verbindung eigentlich problemlos funktionieren. Zumindst in unserem Fall klappte alles auf Anhieb. Die tägliche Arbeit mit der Fernbedienung wird dadurch erschwert, dass du nicht einfach nach Lust und Laune mal das Smartphone und mal die Fernbedienung verwenden kannst. Es geht immer nur eines von beiden zur Zeit. Das allein wäre ja kein Problem und logisch. Aber du musst der Kamera jeweils sagen, welche Fernbedienung du verwende willst. Und das machst du immer mit der sozusagen gerade an der Kamera angemeldeten Fernbedienung. Geht die Kamera von der Bedienung per Smartphone aus, musst du die Fernbedienung per Smartphone-App auf die Bluetooth-Fernbedienung umschalten und umgekehrt.

Die Bedienung selbst ist im Prinzip einfach hat aber ihre Tücken. Mit der "ON/OFF"-Taste schaltest du die Fernbedienung durch langes Drücken ein. Dadurch schaltet sich die Kamera aber nicht auch ein. Das musst du separat durch langes Drücken der Videoaufnahmetaste an der Kamera machen. Andernfalls schaltet sich die Fernbedineung nach einigen Minuten wieder ab. Am besten gehtst du genau andersherum vor: erst die Kamera einschalten (langes Drücken, damit eben nicht gleich die Aufnahme gestartet wird) und danach die Fernbedinung. Wenn diese dann dreimal grün blinkt und die LED dann aus bleibt, dann kannst du davon ausgehen, dass sie die Verbindung zur Kamera hat. Ein besseres Indiz hast du leider nicht. Wenn die LED der Fernbedienung nicht leuchtet, kann das bedeuten "Fernbedienung aus" oder "Verbindung zur Kamera besteht". Ob sich die Kamera wirklich fernbedienen lässt, kannst du eigentlich nur herausfinden, indem du testweise ein Foto aufnimmst. Das quittiert dann die Kamera mit Blinken und mit einem Signalton (sofern du den nicht ausgeschaltet hast). Wenn du die Fernbedienung durch kurzen Druck auf die ON/OFF-Taste ausschaltest, geht die Kamera sofort mit ins Standby.

Die beiden Aufnahmetasten für Foto und Video an der Fernbedienung haben die gleiche Funktion wie die entsprechenden Tasten direkt an der Kamera. Erfreulich war in der Praxis die zuverlässige Verbindung auch über Entfernungen von rund 10 Metern (größere Distanzen werde ich noch testen) und selbst durch Betondecken hindurch. Über zwei Stockwerke funktioniert das nicht, das war auch nicht zu erwarten. Ob das Fernauslösen noch funktionert, merkst du erst, wenn du auslöst. Ein kurzes grünen Blinken der LED an der Fernbedienung heißt Fotoauslösung gestartet. Dauerhaftes grünes Blinken heißt "Fehler, keine Verbindung". Das im normalen Bereitschaftsmodus der Fernbedienung keine LED leuchtet, ist sicherlich dem Stromverbrauch geschuldet. Ich würde mir aber irgendwie mehr Feedback wünschen.

Die vierte Taste, die "Fn"-Taste hat in Verbindung mit der KeyMission 360 die Funktion zurück zur Smartphone-App umzuschalten. Hierzu musst du die Fn-Taste einige Sekunden lang drücken. Bis auf die sparsame Rückmeldung durch die einzelne LED an der Fernbedienung, die standardmäßig immer aus ist, hat mir die Handhabung recht gut gefallen. Vor allem wird die Verbindung sehr schnell und zuverlässig hergestellt, weitaus unproblematischer als übers Smartphone. Insofern kann ich die Investition in die kleine Fernbedienung wärmstens empfehlen.

 

Facebook und YouTube

Ich habe schon davon gesprochen, dass eine Besonderheit der KeyMission 360 darin besteht, dass sie "fertige" Fotos und Videos auf der Speicherkarte ablegt. Wo ich diesen Text schreibe, muss ich schmunzelnd daran denken, da in einem meiner früheren Berufsleben gerade um das Wort "fertig" immer heiße Diskussionen entstanden, weil jeder etwas anderes darunter verstand. Während einer darunter verstand "Fertig zur Ablieferung an den Kunden", reichte dem anderen "Fertig zur Ablieferung an die Redaktion". Zwischen beiden "Fertig"-Zuständen konnte allerdings noch beliebig viel Arbeit liegen. Soweit diese Anekdote am Rande. Auch Nikon meint bei den Fotos und Videos der KeyMission 360 offenbar "realtiv fertig". ;-)

Konkreter Stand mit der Firmware 1.0:

  • Fotos von der Speicherkarte der KeyMission 360, die zu Facebook hochgeladen werden, werden dort NICHT als 360-Panorama-Fotos erkannt und entsprechend nicht im Panorama-Viewer dargestellt. Es gibt auch keine Möglichkeit, Facebook nachträglich zu veranlassen, das Foto irgendwie im Panorama-Viewer darzustellen.

Den folgenden Absatz konnte ich leicht kopieren und "Facebook" durch "YouTube" und "Foto" durch "Video" ersetzen:

  • Videos von der Speicherkarte der KeyMission 360, die zu YouTube hochgeladen werden, werden dort NICHT als 360-Panorama-Videos erkannt und entsprechend nicht im Panorama-Viewer dargestellt. Es gibt auch keine Möglichkeit, YouTube nachträglich zu veranlassen, das Video irgendwie im Panorama-Viewer darzustellen.

Beides, das muss man sagen, ist AUCH ein Mangel von Facebook bzw. YouTube. Es könnte alles so einfach sein. Ein kleiner Schalter irgendwo in den Einstellungen "Foto bzw. Video im Panorama-Viewer anzeigen", den man als Anwender selbst aktivieren oder deaktivieren kann, und schon wären alle Probleme gelöst. Statt dessen schlägt man sich bei YouTube mit einem wirklich peinlichen Utility herum (mit nahezu unsichtbaren hellgrünen Statusmeldungen auf grauem Grund) oder bei Facebook mit irgendwelchen sperrigen Exif-Editoren. In beiden Fällen geht es darum, in den Videos oder Fotos fehlende, aber für YouTube respektive Facebook erforderliche Informationen in den hochzuladenden Dateien zu ergänzen.

Bei den Videos für YouTube geht das zumindest mit dem Nikon-Utility ganz bequem, erfordert aber eben diesen einen zusätzlichen Arbeitsschritt. Eine Kamera, die in der Lage ist, aus zwei Kamerabildern ein Kugelpanorama zusammenzusetzen, sollte auch in der Lage sein, die Dateien gleich richtig zu speichern. Wir hoffen da mal auf die Kamera-Firmware 1.1. Bis dahin muss man den Extra-Schritt in der Smartphone-App oder im Desktop-Utility machen.

Bei den Fotos für Facebook sieht es derzeit dagegen finster aus. Mit Bordmitteln, also fertigen Fotos aus der Speicherkarte und dem Nikon Desktop-Utility, gibt es jedenfalls keine Möglichkeit, die Fotos entsprechend aufzubereiten. Ich zeige deshalb in einem separaten Tipp, wie sich unter Windows mithilfe eines kostenlosen Hilfsprogramms der nötige Exif-Parameter in den JPEG-Dateien hinzufügen lässt (siehe auch "weiterführende Links").

Was interessanterweise völlig problemlos klappt, ist das Veröffentlichen der Panorama-Videos aus der KeyMission 360 auf Facebook. Diese werden sofort als Panorama-Videos erkannt und entsprechend im Panorama-Viewer dargestellt. Dabei kannst du sogar das Default-Fenster frei vorgeben. Sehr nützlich, wenn du, wie in meinem Fall, die ganze Zeit "rückwärts" gefilmt hast. Leider zeigt Facebook aber, zumindest auf meinen Rechnern, nicht die volle Videoqualität an. Statt "4K" (bzw. 2160) wie YouTube, bekommen wir auf PCs maximal 1440 angeboten. YouTube liefert, ausreichend leistungsfähige Wiedergabe-Hardware vorausgesetzt, die maximale Qualität (4K bzw. 2160).

Ein Beispielvideo, einmal auf YouTube, einmal auf Facebook, habe ich am Ende dieses Tests eingebettet.

Bildqualität

Für eine abschließende Beurteilung möchte ich die KeyMission noch weiter testen. Aber nach Sichtung der in London gemachten Aufnahmen kann ich zumindest meinen ersten Eindruck wiedergeben.

Die Nikon KeyMission 360 liefert vollsphärische Panorama-Fotos mit knapp 30 Megapixeln und ebenfalls vollsphärische Panorama-Videos in 4K, d. h. 8,3 Megapixel. Die Datenmenge, die dabei bewegt bzw. miteinander verrechnet werden muss, ist enorm. Beide Kameras haben jeweils fast 24 Megapixel. Wie viel davon effektiv genutzt wird, ist nicht genau bekannt. Zum einen wird nur ein quadratischer Bereich genutzt, zum anderen sorgt das kreisrunde Bild des Objektivs auf dem Sensor natürlich für große ungenutzte Bereiche. Aber so rund 12 bis 15 Megapixel pro Seite dürften es wohl effektiv sein, die der Prozessor zu einem equirektangular projizierten 8,3-Megapixel-4K-Video mit 24 fps verrechnen muss, das dann (fast) fix und fertig auf die Speicherkarte geschrieben wird. Die Datenrate dieser Videos beträgt dann satte 76 Mbit/s. Dabei stellt die KeyMission 360 erfreulich geringe Anforderungen an die eingesetzte MicroSD-Speicherkarte. In unserem Test erreiche eine normale microSDHC-Karte in Class 10 völlig aus.

Die Videos der KeyMission 360 liefern eine schön hohe Auflösung, insbesondere in der jeweiligen Bildmitte der beiden Objektive. Die direkt in der Kamera zusammengerechneten Übergänge zwischen der front- und rückseitigen Kamera sind nahezu immer relativ leicht erkennbar. Je nachdem, welche Motivteile dort liegen, kann das stören oder auch nicht. Sichtbar werden die Übergänge oft durch eine relativ sprunghafte Farb- oder Helligkeitsabstufung und/oder durch unscharfe Bilddetails und mehr oder weniger heftige Farbsäume an starken Kontrastkanten. Wenn du filmst, ist es deshalb wichtig, dass du die Objektive in Hauptrichtung (nach vorne und hinten) hältst, bzw. dorthin, wo vermutlich die meisten Betrachter hinschauen werden. Für das spätere Video ist es auch durchaus nicht egal, welche Seite der Kamera bei der Aufnahme nach vorne zeigt, ein Fehler, den ich bei mindestens 50 % der Aufnahmen in London gemacht habe. Hältst du die "falsche" Seite (die aber so einfach gar nicht erkennbar ist) nach vorne, schaut der Betrachter deines Videos standardmäßig zunächst einmal nach hinten und muss sich die "Vorne-Ausrichtung" erstmal selbst einstellen, d. h. ggf. das Hauptmotiv (z. B. das Karussell) erstmal finden. Korrigieren kannst du das zumindest mit der Nikon-Software derzeit nicht.

  • Bild Auf diesem Foto sieht man gut die beiden einzigen äußeren Bedienelemente der Nikon KeyMission 360: Oben ist die große Videoaufnahme-Taste. Seitlich die Fotoaufnahmetaste. Beide schalten die Kamera ein und starten sofort die Aufnahme. [Foto: Nikon]

    Auf diesem Foto sieht man gut die beiden einzigen äußeren Bedienelemente der Nikon KeyMission 360: Oben ist die große Videoaufnahme-Taste. Seitlich die Fotoaufnahmetaste. Beide schalten die Kamera ein und starten sofort die Aufnahme. [Foto: Nikon]

  • Bild Nikon KeyMission 360 mit gewölbten Standard-Überwasser-Objektivschutzabdeckungen (Typ AA-14A). Nur mit diesen sind vollsphärische Aufnahmen möglich. [Foto: Nikon]

    Nikon KeyMission 360 mit gewölbten Standard-Überwasser-Objektivschutzabdeckungen (Typ AA-14A). Nur mit diesen sind vollsphärische Aufnahmen möglich. [Foto: Nikon]

  • Bild Nikon KeyMission 360 mit montierten planen Unterwasser-Schutzgläsern AA-15A. Diese sind unter Wasser für scharfe Bilder nötig, aber dann werden Teile der Panorama-Aufnahmen schwarz abgedeckt. [Foto: Nikon]

    Nikon KeyMission 360 mit montierten planen Unterwasser-Schutzgläsern AA-15A. Diese sind unter Wasser für scharfe Bilder nötig, aber dann werden Teile der Panorama-Aufnahmen schwarz abgedeckt. [Foto: Nikon]

  • Bild Nikon KeyMission 360 Panorama-Actioncam, hier noch einmal aus einer anderen Perspektive mit montierten Unterwasser-Linsenabdeckungen. [Foto: MediaNord]

    Nikon KeyMission 360 Panorama-Actioncam, hier noch einmal aus einer anderen Perspektive mit montierten Unterwasser-Linsenabdeckungen. [Foto: MediaNord]

Sehr wichtig ist auch, dass du die Kamera waagerecht ausrichtest, denn sie hat keine automatische Waagerecht-Ausrichtung, das würde offenbar den Prozessor überfordern. Die Kamera soll eine elektronische Bildstabilisierung haben, von der ich in den Videos aber nicht viel merke. Die Kamera beim Filmen zu Fuß durch die Gegend zu tragen ist jedenfalls keine gute Idee, deinen Betrachtern könnte schlecht werden, denn die Kamera nimmt natürlich jede deiner Bewegungen mit auf. Davon abgesehen ist die Qualität der Videos wirklich erstaunlich gut. Kompressionsartefakte gibt es dank hoher Bitrate nicht. Die Schärfe ist für Motive im Nahbereich super. Personen, Nummernschilder und ähnliche Details sind gut zu erkennen. Schau dir das Video mit den Seifenblasen an, das macht richtig Spaß, da ist auch richtig was los. Für solche "Action-Videos" ist die KeyMission 360 gemacht!

Für eher statische Motive reichen für VR-Videos im Grunde selbst die 8,3 Megapixel der 4K-Videoauflösung nicht, jedenfalls nicht, wenn man hohe Ansprüche an den betrachteten Bildausschnitt stellt und diesen auf einem relativ großen Monitor anschaut. Für solche Motive bieten sich stattdessen eher die 30-Megapixel-Panorama-Fotos an. Die bieten ungleich mehr Schärfe, und du kannst im Panorama-Viewer weiter hineinzoomen. Für die Übergänge gilt das Gleiche wie bei den Videos: Es ist fast immer mehr oder weniger leicht erkennbar, an welchen Stellen die beiden Kamerabilder zusammengefügt wurden. Ob das stört, hängt wiederum vom Motiv ab. Wenn dort bildwichtige Motivteile liegen, stört es, sonst nicht. Also auch unbedingt auf die Ausrichtung achten sowie auf die Front-Rück-Ausrichtung und dass die Kamera schön gerade ausgerichtet ist beim Fotografieren, denn auch hier gilt: einen automatischen Horizontausleich gibt es nicht. Denn wenn das Foto "schief" aufgenommen wurde, kann der Betrachter das Foto auch später nicht horizontal drehen. Die Details sind prima. 30 Megapixel machen durchaus schon Spaß. Jedenfalls solange ausreichend Licht bei der Aufnahme vorhanden ist. Innenaufnahmen im Dämmerlicht sind stark verrauscht, das kann bei den kleinen, hochauflösenden Sensoren auch nicht anders sein.

Vergleich zu anderen Kameras

Diese Kombination aus 4K-Videos und 30-Megapixel-Fotos, die als fertig projizierte Dateien auf der Speicherkarte abgelegt werden, liefert derzeit kein anderes Gerät auf der Welt. Dennoch möchte ich die KeyMission 360 mit zwei Geräten vergleichen: der Kodak SP360 4K und der Ricoh Theta S. Die einäugige Kodak SP360 4K nimmt allerdings erstens keine volle Sphäre auf, sondern ist auf rund 1/3 des Vollkreises "blind". Zudem speichert sie keine "fertigen" Fotos und Videos, sondern erfordert in jedem Fall ein mehr oder weniger zeitaufwändiges nachträgliches Konvertieren. Dafür muss sie nicht stitchen, d. h. es müssen keine zwei Kamerabilder zusammengefügt werden. Die Ricoh ist zweiäugig und vollsphärisch. Sie speichert fertige Fotos. Videos hingegen benötigen eine Konvertierung, die allerdings mobil die Smartphone-App erledigt, sodass dies in der Praxis kein allzu großes Hemmnis ist. Die Videoauflösung beträgt allerdings nur ein Viertel (FullHD) der Nikon (4K) und die Foto-Auflösung rund die Hälfte (14,5 vs. 30 Megapixel). Beide Kameras liegen preislich in der gleichen Größenordnung wie die Nikon (die Ricoh ist 100 Euro günstiger).

Und wie schneidet die Nikon nun im Vergleich zur Kodak und zur Ricoh ab? Ein leichter Schwachpunkt der KeyMission 360 sind die Übergänge zwischen den beiden Kamerabildern. In diesem Punkt haben die beiden Mitbewerber Vorteile. Die viel niedriger auflösende Ricoh Theta S bekommt die Übergänge deutlich besser hin, rechnet innerhalb der Kamera aber auch nur Fotos zusammen. Bei Videos muss entweder die Smartphone-App oder die Software am PC ran. Die Kodak SP360 4K hat überhaupt keine Übergänge, da ist also nichts, das stören könnte – außer natürlich dass ein Drittel der Sphäre ganz fehlt. Das ist, je nach Motiv, mitunter auch keine Lösung. Bei Videos liefern zudem Kodak und Nikon 4K-Auflösung, unter dem geht Panorama-Video nicht wirklich. Dass die Kodak das Video nur aus einer einzigen Kamera mit einer physikalischen Sensorauflösung von 12,8 Megapixel erstellt (von der für das quadratische bzw. kreisförmige Panorama-Video nur ein Teil genutzt wird), tut den Videos keinen Abbruch, d. h. die Qualität des Videos ist nicht schlechter als bei der Nikon mit ihrem beiden höher auflösenden Kameras. Die Ricoh hingegen und andere zweiäugige Panorama-Kameras, die nur FullHD aufzeichnen, können bei Videos nicht konkurrieren.

Bei den Fotos, das muss man fairerweise sagen, schlägt sich die Ricoh trotz nominal nur halb so großer Pixelzahl, sehr wacker. Die Fotos der Ricoh Theta S sind (ausreichend Licht vorausgesetzt) scharf und detailreich und ohne sichtbare Übergänge. Die Fotos der Nikon KeyMission 360 haben im Vergleich etwas mehr Auflösung, die aber im Ergebnis offenbar nicht doppelt so hoch ist (das werden wir uns im Labor am Testbild noch etwas genauer anschauen). Die Kodak PixPro SP360 4K hingegen kann bei Fotos überhaupt nicht mithalten. Sie liefert als einäugiges Modell nur 8,3 Megapixel vor der Equirektangular-Projektion und bietet damit bei Fotos praktisch überhaupt keinen Vorteil bei der Auflösung gegenüber dem 4K-Video.

  • Bild Die Frontseite der Nikon KeyMission 360 mit dem großen Nikon-Schriftzug oben. Diese Seite solltest du in die Hauptrichtung deines Videos halten. Was diese Kamera einfängt, ist später im Video sozusagen vorne. [Foto: Nikon]

    Die Frontseite der Nikon KeyMission 360 mit dem großen Nikon-Schriftzug oben. Diese Seite solltest du in die Hauptrichtung deines Videos halten. Was diese Kamera einfängt, ist später im Video sozusagen vorne. [Foto: Nikon]

  • Bild Die Rückseite der Nikon KeyMission 360 erkennst du daran, dass sie weniger Schriftzüge hat. Diese Seite sollte bei deinem Video nach hinten zeigen. [Foto: Nikon]

    Die Rückseite der Nikon KeyMission 360 erkennst du daran, dass sie weniger Schriftzüge hat. Diese Seite sollte bei deinem Video nach hinten zeigen. [Foto: Nikon]

Fazit

Die Nikon KeyMission 360 ist einzigartig. Sie ist eine Panorama-Kamera, und zwar eine der Besten, die es derzeit gibt, und gleichzeitig eine richtige Actioncam, robust und wasserdicht, auch ohne extra Gehäuse. Damit lassen sich Situationen als 360-Grad-VR-Panorama einfangen, die so bislang überhaupt nicht dokumentierbar waren. Am Schreibtisch sitzend mag man nicht perfekte Übergänge zwischen den beiden Kamerabildern bemängeln. Dafür erhält der Anwender den Luxus, dass die Fotos und Videos bereits auf der Speicherkarte nahezu fertig für die Veröffentlichung sind – das bietet so sonst derzeit keine Kamera. Die Qualität ist gut, dem Kaufpreis allemal angemessen. Die Bedienung direkt an der Kamera ist kinderleicht. Die App hat noch leichte Tücken, manches davon wird sich sicherlich noch über Updates optimieren lassen.

Vorteile

  • direkt fertig zusammengefügte Fotos und Videos auf der Speicherkarte
  • robust und wasserdicht
  • hohe Auflösung (4K Video, 30 Megapixel Fotos)
  • einfache Bedienung
  • Videos direkt zu Facebook hochladbar

Nachteile

  • im Übergangsbereich der zusammengefügten Bilder sichtbare Qualitätseinschränkung
  • Videos nicht direkt zu YouTube hochladbar
  • Fotos nicht direkt zu Facebook hochladbar
  • kein Horizontausgleich (Kamera muss bei Aufnahme gerade ausgerichtet sein)
  • kein Transportbeutel oder Schutztasche im Lieferumfang