360-Grad-Kamera für Fotos Die Panono Ball-Kamera ermöglicht es unkompliziert und mit einem einzigen "Schuss" Panoramafotos mit einer stattlichen Auflösung von 108 Megapixeln zu schießen. In Las Vegas hatte digitalEyes.de die Gelegenheit die Ball-Kamera auf einem Stativ und am Selfie-Stick zu testen und mit den eigenen Aufnahmen die Handhabung der iOS-App und den weiteren Workflow sowie die Möglichkeiten der Panono-Website auszuprobieren.

Obwohl die Büros von digitalEyes.de/MediaNord in Lübeck und Panono in Berlin nur 350 Kilometer entfernt liegen, ergab sich die Begegnung kürzlich ausgerechnet im 9000 Kilometer entfernten Las Vegas, wo Panono auf der CES 2016 mit einem Stand vertreten war, die Möglichkeit zu einem ersten kurzen Test der Panono Ball-Kamera. Nur knapp vier Stunden lang hatten wir eines der ersten Exemplare der neuartigen Kamera zum Test in den Fingern. Die Verbindung zur Kamera erfolgte aber über unser eigenes Smartphone, sodass wir die Prozesse zum Hochladen, Verarbeiten und Anschauen mit der Panono-App in Ruhe nach dem Test durchführen konnten. Fürs reine Fotografieren reichten die vier Stunden für einen ersten Eindruck deshalb durchaus. Wir haben zunächst nur die iOS-Version fürs iPhone/iPad/iPod getestet, nicht die Android-Version. Letztere ist nämlich bislang nur als Beta-Version auf Anfrage verfügbar, sie wird innerhalb der nächsten Wochen als erste finale Version erhältlich sein.

Die ursprüngliche Idee, das Auslösen durch Hochwerfen, muss man dabei nicht unbedingt verfolgen. Das haben wir auch nicht probiert, um keinesfalls eine der wenigen derzeit existierenden Panono-Kameras zu schrotten. Denn derzeit ist die "Explorer-Edition" genannte erste Version noch nicht als "sturzfest" freigegeben. Das wird (natürlich innerhalb bestimmter sinnvollen Höhen) erst bei der finalen Version der Fall sein. Es gibt auch genug Situationen, in denen sich Hochwerfen (die Kamera löst dann automatisch am höchsten Punkt der Flugparabel aus) nicht empfiehlt: Beispielsweise bei wenig Licht (und den damit verbundenen längeren Belichtungszeiten) oder wenn du in Ruhe auf den richtigen Moment warten willst oder wenn die Gefahr groß ist, dass die Kamera beim Herunterfallen in irgendwelche Schluchten oder ist Wasser stürzt. Zweckmäßiger ist oft die Montage auf einem Stativ oder einem Selfie-Stick. Beides geht mit der Panono-Ball-Kamera: Sie besitzt eine Art Bajonett mit integrierter USB-Buchse. In diesem kannst du entweder einen Stativ-Adapter montieren oder den Original-Panono-Selfie-Stick.

  • Bild Die Panono-Ball-Kamera besitzt 36 Kameramodule, deren Bilder zu einem 108-Megapixel-Panorama zusammengesetzt werden. Unter der grünen Kappe sitzt der USB-Anschluss und ein Bajonett, in das du einen Stativ-Adapter oder einen Selfie-Stick einsetzen kannst. [Foto: Panono]

    Die Panono-Ball-Kamera besitzt 36 Kameramodule, deren Bilder zu einem 108-Megapixel-Panorama zusammengesetzt werden. Unter der grünen Kappe sitzt der USB-Anschluss und ein Bajonett, in das du einen Stativ-Adapter oder einen Selfie-Stick einsetzen kannst. [Foto: Panono]

Der Stativ-Adapter hat selbstverständlich unten ein übliches 1/4-Zoll-Stativgewinde und außerdem eine eingebaute USB-Buchse, zu der der USB-Anschluss der Kamera durchgeschleift ist. Damit kann die Panoramakamera kontinuierlich mit Strom versorgt oder auch ausgelesen werden, ohne sie vom Stativ (oder woran auch immer sie montiert ist) zu nehmen. Der Selfie-Stick wird ebenfalls mit dem USB-Stecker verbunden, denn er besitzt einen Auslöseknopf, mit dem die Kamera im richtigen Moment bequem ausgelöst werden kann. Der Stativadapter ist etwa 10 Zentimeter lang. Da die Kamera in alle Richtungen aufnimmt, auch in die Richtung des Stativ-Adapters, wird ein Stativ, auf dem dieser montiert ist, normalerweise mit auf dem Foto zu sehen sein. Wenn du das nicht willst, hilft nur eine Spezialkonstruktion. Am unauffälligsten dürfte dies mit einem Einbeinstativ mit ausklappbaren Standfüßen gelingen. Auch wenn dessen Standfestigkeit schlechter als die eines richtigen Stativs ist – für die relativ kleine und leichte, zudem perfekt auf dem Stativ zentrierte Panono-Kamera sollte es reichen, sofern nicht gerade ein heftiger Wind weht. Das Auslösen auf dem Stativ erfolgt vom Smartphone aus per App (dazu kommen wir später), einen Selbstauslöser hat die Panono nicht. Der Vorteil davon ist, dass du dich von der Kamera entfernen oder dich sogar verstecken kannst und so nicht selbst die Szene dominierst.

Der Selfie-Stick ist nur etwa 30 Zentimeter lang. Passt also gut in jede Tasche. Du solltest ihn beim Auslösen idealerweise am langen Arm halten, dann bist du in einem guten Abstand zum Kameraball. Was du möglichst noch beachten solltest ist, dass möglichst eine der 36 Kameralinsen in deine Richtung ausgerichtet ist. Nur dann ist sichergestellt, dass du selbst (als vermutlich bildwichtiges Teil des gesamten Motivs) bestmöglich abgebildet wirst und dein Gesicht nicht aus zwei oder gar drei Teilbildern zusammengebaut werden muss (dann womöglich mit Stiching-Fehlern). Nach dem Auslösen braucht die Panono einige Sekunden, bis sie nach eine Foto wieder erneut aufnahmebereit ist. Darüber bekommst du am Selfie-Stick so recht keine Rückmeldung (eine grüne "Aufnahmebereit"-Kontroll-LED am Selfie-Stick wäre nett gewesen). Drückst du also zu schnell nach einer Aufnahme erneut den Auslöser, passiert gar nichts. Acht bis zehn Sekunden solltest du warten, bis die 36 Kameraaufnahmen gespeichert sind, bevor du erneut auslöst.

Die Buchse bzw. das Bajonett für die Halterung ist mit einem Gummistopfen geschützt. Dieser ist zwar so gestaltet, dass er zunächst an einer Sicherung hängen bleibt (das kann er bleiben, wenn du nur die Buchse benutzt, z. B. um die Kamera aufzuladen). Wenn du aber eine der Halterungen verwendest, solltest du den Gummistopfen ganz abnehmen, andernfalls wäre er später auf den Fotos zu sehen, denn die Panono fotografiert nun einmal alles – rundherum!

  • Bild Detailfoto der Panono Panorama-Kamera. Der weiße Ring enthält diverse LEDs, mit der die Kamera Startvorgang, WiFi-Status, Speichervorgang, Batteriestand usw. meldet. Das Leuchten der LEDs ist in hellem Sonnenlicht schlecht zu sehen. [Foto: Panono]

    Detailfoto der Panono Panorama-Kamera. Der weiße Ring enthält diverse LEDs, mit der die Kamera Startvorgang, WiFi-Status, Speichervorgang, Batteriestand usw. meldet. Das Leuchten der LEDs ist in hellem Sonnenlicht schlecht zu sehen. [Foto: Panono]

Auf der vom USB-Anschluss genau entgegengesetzten Seite befindet sich der Ein/Aus-Taster, der auch Auslöser ist: Etwa eine Sekunde Drücken schaltet ein; ein viersekündiger Druck schaltet aus; kurzes Drücken löst aus (was aber recht sinnlos ist, weil dann ein Großteil der Kameras durch die Hand verdeckt ist). Der Taster ist von einem Leuchtdioden-Ring als Statusanzeige umgeben. Unter einem weiß-transluzenten Kunststoffring sind unsichtbar kreisförmig mehrere verschiedenfarbige LEDs angeordnet, die Startvorgang, Aufnahmebereitschaft, Speichervorgang, WLAN-Status und anderes anzeigen. Das funktioniert aber nur bei wenig Umgebungslicht (z. B. bei Innenaufnahmen) gut. Bei Außenaufnahmen im hellen Tageslicht siehst du von den Leuchtdioden praktisch nichts. Vom hellen Tageslicht beleuchtet erscheint der Ring milchig-weiß. Ob darunter zusätzlich noch Leuchtdioden leuchten und in welcher Farbe, kannst du bestenfalls erahnen bzw. du musst die Anzeige mit der Hand abschatten. Hier sollte der Hersteller, Schönheit des Anzeigeelements hin oder her, in künftigen Versionen lieber einen glasklaren Kunststoff-Ring einbauen oder deutlich hellere LEDs verwenden.

Ganz so wichtig ist die Anzeige aber auch nicht. Dass die Kamera nach dem Einschalten bootet, glaubst du auch so. Danach geht das WLAN in den Bereitschaftsmodus und du wirst (außer im Selfie-Stick-Betrieb) dein mit der Panono-App bestücktes Smartphone mit der Kamera verbinden und die Panono darüber steuern. Jede Panono-Kamera hat eine eigene ID, die auch in der WLAN-SSID enthalten ist. Die ID und das dazugehörige WLAN-Kennwort sind auf der Kamera aufgedruckt.

Panono App für iOS

Die App besitzt fünf Modi, die über das Menü am unteren Rand ausgewählt werden:

  • Explore: Ausgewählte Panorama-Aufnahmen der Panono-Website werden dort vorgeschlagen.
  • Account: Deine persönlichen Einstellungen für deinen Account auf der Panono-Website.
  • Camera: Wenn du mit der Kamera verbunden bist, siehst du, welche Panorama-Fotos auf der Kamera gespeichert sind. Von hier aus kannst du die Aufnahmen auf das Smartphone herunterladen. In diesem Modus kannst du die Kamera auch auslösen. Eine Live-Bild-Vorschau gibt es bei 36 Kameramodulen, deren Bilder übertragen werden müssten, natürlich nicht. Im Einstellungs-Menü kannst du einige wenige Parameter wie z. B. Belichtungszeit  und Lichtempfindlichkeit (ISO-Zahl) einstellen.
  • Tasks: Die Panorama-Aufnahmen, die schon von der Kamera aufs Smartphone übertragen wurden, werden hier angezeigt. Mit einer nur provisorisch zusammengefügten Vorschau bekommst du einen ersten Eindruck vom späteren Panorama und kannst beispielsweise überprüfen, ob fotografierte Personen die Augen offen haben und in die Kamera schauen und ähnliches. Von hier aus kannst du sie in die Panono-Cloud hochladen.
  • My Panoramas: Hier siehst du (sofern du eine Internet-Verbindung hast), deine fertig verarbeiteten Panorama-Fotos in der endgültigen Qualität. Du kannst mit dem Finger auf dem Touchscreen den Bildausschnitt wählen und hineinzoomen. Alternativ kannst du in einen Modus umschalten, bei dem du dich durch Ausrichten des Bildschirms innerhalb des Fotos bewegen kannst.

Hinsichtlich der Bedienbarkeit und Funktionalität gibt es bei der Panono-App noch einiges zu tun. Zum einen fehlen fotografische Basics bei der Aufnahme, vor allem eine Belichtungskorrektur, die es dir einfach erlaubt die folgende Aufnahme etwas heller oder dunkler zu belichten. Praktisch jede Fotokamera hat eine solche Funktion, selbst wenn sie sonst nichts kann und alles automatisch macht. Es gibt häufig Situationen, in denen der Fotograf korrigierend eingreifen muss, weil die Automatik der Kamera eine spezifische Szene zu hell oder zu dunkel belichtet. Die Panono-Kamera belichtet nach unserer Erfahrung tendenziell etwas zu hell. Das führt teilweise dazu, dass helle Bereiche überstrahlt sind und keine Bildinformation enthalten (eine HDR-Funktion soll hierbei in zukünftigen Versionen der App Abhilfe schaffen). Solche Fotos haben wir dann mit manuellen Einstellungen wiederholt und dunkler belichtet. Das ist allerdings ein sehr zähes Trial and Error, denn die App zeigt die zuletzt verwendeten Einstellungen nicht an, sodass du dich mit mehreren Testaufnahmen an eine richtig belichtete herantasten musst. Das ist allerdings aufgrund der großen Abstände zwischen den Aufnahmen und dem jedes Mal neu nötigen Wechsel zum Einstellungsmenü zeitaufwändig.

  • Bild Übersicht der auf der Kamera enthaltenen Fotos. Das obere ist bereit zum Übertragen aufs Smartphone, das mittlere wird gerade übertragen, das untere ist bereits übertragen. Der grüne Ring um die Auslöse-Schaltfläche signalisiert Aufnahmebereitschaft. [Foto: MediaNord]

    Übersicht der auf der Kamera enthaltenen Fotos. Das obere ist bereit zum Übertragen aufs Smartphone, das mittlere wird gerade übertragen, das untere ist bereits übertragen. Der grüne Ring um die Auslöse-Schaltfläche signalisiert Aufnahmebereitschaft. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Vorschau des aufgenommenen Fotos ist noch nicht gestitcht (richtig zusammengefügt), es werden einfach sechseckige Kacheln aneinander gefügt. Dies reicht um zu schauen, ob die Belichtung stimmt und ob fotografierte Personen gut abgebildet sind. [Foto: MediaNord]

    Die Vorschau des aufgenommenen Fotos ist noch nicht gestitcht (richtig zusammengefügt), es werden einfach sechseckige Kacheln aneinander gefügt. Dies reicht um zu schauen, ob die Belichtung stimmt und ob fotografierte Personen gut abgebildet sind. [Foto: MediaNord]

  • Bild Gelegentlich erscheinen die Vorschau-Fotos in der iOS-App völlig falsch ausgerichtet. Dann hilft meist das Schließen der Detailansicht und das erneute Aufrufen desselben Fotos. [Foto: MediaNord]

    Gelegentlich erscheinen die Vorschau-Fotos in der iOS-App völlig falsch ausgerichtet. Dann hilft meist das Schließen der Detailansicht und das erneute Aufrufen desselben Fotos. [Foto: MediaNord]

  • Bild Falls die horizontales Ausrichtung eines Fotos nicht von Haus aus perfekt ist, kann dieser auf der Panono-Website einfach korritiert werden. Mit dem oberen Regler legst du zudem fest, welches Teil es Panoramas in der Bildmitte (beim Start) erscheint. [Foto: MediaNord]

    Falls die horizontales Ausrichtung eines Fotos nicht von Haus aus perfekt ist, kann dieser auf der Panono-Website einfach korritiert werden. Mit dem oberen Regler legst du zudem fest, welches Teil es Panoramas in der Bildmitte (beim Start) erscheint. [Foto: MediaNord]

Hast du ein Bild aufgenommen, erscheint es wenig später als Miniaturbild in der Liste auf der Camera-Seite der App. Von dort aus kannst du die Rohdaten des Panorama-Fotos in das Smartphone herunterladen und dir die ungestitchte, aber richtig angeordnete Vorabversion in der Detailansicht anschauen und, wenn dich diese zufriedenstellt, in die Cloud hochladen. Den Arbeitsfluss in der App hemmt dabei leider die Tatsache, dass du in der Detailansicht (Anzeige des provisorisch zusammengefügten Videos) zwar das Bild umbenennen kannst, das Löschen oder Hochladen in die Cloud geht von hier aus aber unverständlicherweise nicht. Dazu musst du erst zurückgehen in die Gesamtliste. Dort landest du dann immer oben und musst die Aufnahme wieder neu suchen (was bei vielen ähnlichen Aufnahmen, die alle "Untitled" heißen, und deren Aufnahmezeiten ggf. nur wenige Sekunden auseinander liegen, schwierig ist) und dort dann das Hochladen in die Cloud auslösen oder das Löschen. Löschen ist sogar extra umständlich, denn du kannst keine Aufnahme direkt löschen. Du musst erst "Select" drücken, dann die Aufnahme(n) ankreuzen, die du löschen willst und kannst dann den Lösch-Befehl anklicken. Daraufhin ändert sich leider die Liste nicht, d. h. du musst eigentlich davon ausgehen, dass das nicht funktioniert hat. Tatsächlich hat sich die in Klammern angezeigte Gesamtzahl der Fotos um die Anzahl der gelöschten Fotos reduziert. Irgendwie gelöscht wurden sie also wohl, es fragt sich nur, wo, denn erneut anklicken und anschauen kannst du sie. Oft bleibt die Detailansicht auch einfach ganz schwarz, selbst bei Fotos, die du schon einmal erfolgreich aufgerufen hattest. Dann hilft nur, zurück in die Übersicht zu wechseln und erneut anzuklicken und zu hoffen, dass es diesmal klappt. Ebenfalls Glücksache ist, ob das Foto richtig ausgerichtet angezeigt wird. Meist klappt das, denn die Kamera hat Sensoren, die erkennen wo oben und unten ist. Aber die Vorschau in der App richtet die Fotos nicht immer richtig aus. Auch dort hilft es dann meist, das Bild nochmal neu aufzurufen. Die iOS-App hat also noch jede Menge Verbesserungspotenzial.

Das Übertragen von der Kamera auf das Smartphone (oder Tablet) über WLAN dauert etwas. Immerhin müssen die Bilddaten von 36 Kameras übertragen werden. Es kann aber einfach im Hintergrund ablaufen, solange die WLAN-Verbindung zwischen beiden Geräten steht. Selbst bei vielen Aufnahmen ist das in einigen Minuten erledigt. Das Hochladen auf die Cloud-Server von Panono zum eigentlichen Zusammenfügen hängt natürlich stark von deiner Internet-Geschwindigkeit ab. Wenn du deine Traffic-Flatrate nicht mit dem Hochladen zahlreicher hochaufgelöster Panorama-Fotos belasten willst, machst du das einfach später, wenn du wieder ein WLAN hast. Oder lädst erstmal nur ein oder zwei Fotos hoch, die du schnell sehen und veröffentlichen willst. Mit einer richtig schnellen Internet-Verbindung mit hoher Upstream-Geschwindigkeit dauert das Hochladen eines Fotos nur wenige Sekunden. Das Processing eines Fotos auf den Panono-Servern braucht rund 10 Minuten. Danach erscheint es in der Liste der fertigen Videos auf der "My Panoramas"-Seite und kann in sozialen Medien oder per E-Mail verbreitet werden. Zunächst sind die Fotos immer auf "privat" eingestellt, d. h. nur du kannst sie anschauen. Zum Teilen stellst du sie auf "nicht gelistet" oder "öffentlich".

Mit der Panono 360-Grad-Kamera aufgenommenes Beispielfoto: 108 Megapixel Fotoauflösung liefern eine Menge Details und du kannst weit ins Bild hineinzoomen. Die Auslösung erfolgte hier per App. Der Fotograf versteckt sich erfolgreich hinter dem "Shooting-Range"-Schild unweit der auf dem Stativ stehenden Kamera. [Foto: MediaNord]

Bildqualität

Auch wenn sich "108 Megapixel" spektakulär viel anhört – das ist es bei vollsphärischen Panoramafotos durchaus nicht. 108 Megapixel sind aber ein guter, vernünftiger Wert, mit dem man professionelle Ergebnisse erhält. Eine solche Datenmenge ist erforderlich, damit du auch auf größeren Displays (z. B. auf dem Notebook-Computer oder Desktop-Monitor) Ausschnitte in guter Schärfe betrachten und sogar noch etwas ins Bild hineinzoomen kannst. Bei den Fotos der Panono ist hierfür genug Auflösung und Qualität vorhanden. Gesichter und andere Details sind gut erkennbar, wenn diese bei der Aufnahme nicht allzu klein bzw. zu weit weg waren. Die 36 Kameras in der Panono mögen gut ausgeleuchtete Szenen; Aufnahmen bei wenig Licht sind hingegen nicht so ihr Ding. Bei Innenaufnahmen bei wenig Licht siehst du, wenn du voll hineinzoomst, ein ziemlich starkes Bildrauschen (Luminanzrauschen, d. h. farbige Pixel). Hieran ändert auch die Verarbeitung auf den Panono-Servern nichts. Selbst bei gut ausgeleuchteten Motiven ist Bildrauschen im Bild sichtbar (dann aber kaum störend). Mit leistungsfähigeren Entrauschungs-Allgorithmen wäre bei der Nachverarbeitung sicherlich noch einiges an Qualitätssteigerung möglich. Rechenleistung ist in der Cloud ja quasi unbegrenzt vorhanden und die Verarbeitung erfolgt sowieso nachträglich. Insofern wäre es leicht zu verschmerzen, wenn der Server noch etwas Zeit in eine effektive Entrauschung investieren würde.

Die Stitching-Ergebnisse hingegen sind wirklich überwiegend sehr gut, d. h. das wichtige Zusammenfügen und Überblenden der Aufnahmen der 36 Kameras zu einen nahtlosen Panorama gelingt den Servern meist hervorragend. Kein Wunder, die Position der Kameras ist fix, es gibt ausreichend Überlappung. Bei unseren Testaufnahmen gab es wirklich gar keine nennenswerte Stitching-Probleme. Schaut man sich einige andere Aufnahmen auf der Panono-Website an, sieht man durchaus häufiger Stitching-Fehler, oftmals aufgrund unvermeidbarer Parallaxen-Fehler. Technisch bedingt sitzen die 36 Kameras der Panono nicht im Nodalpunkt. Bei Elementen, die sich in unmittelbarer Nähe der Kamera befinden, wird es deshalb zwangsläufig Fehler beim Zusammenfügen geben. Solche Situationen solltest du also möglichst bereits beim Fotografieren vermeiden – oder eben mit solchen Fehlern leben (was meist ja auch gut möglich ist).

Mit der Panono 360-Grad-Kamera aufgenommenes Beispielfoto: Falls Action im Spiel ist (wie hier die Fahrt der kürzesten Achterbahn der Welt, die am vordersten Punkt "erwischt" werden sollte), ist es wichtig den richtigen Moment zum Auslösen zu treffen, denn das nächste Foto ist erst etliche Sekunden später möglich. Zoome mal ins Bild rein oder schau es dir auf der Panono-Website an (siehe weiterführende Links). [Foto: MediaNord]

Bei Wurf-Aufnahmen, bei denen die Kamera während der Aufnahme in Bewegung ist, kann es vorkommen, dass der Lagesensor der Kamera die Ausrichtung nicht korrekt erfasst. Sollte ein Foto deshalb einmal nicht gerade ausgerichtet sein, kannst du das am PC im Browser korrigieren. Mit etwas Übung geht das sehr einfach, zumal du das Ergebnis unverzögert angezeigt bekommst. Drei Achsen kannst du dabei verstellen. Die unteren beiden kippen das Bild in zwei Achsen. Der obere Regler rotiert das Foto. Damit kannst du also festlegen, was sozusagen in der Bildmitte liegt. Das ist wichtig, da die Vorschau im Web bereits nur einen Ausschnitt anzeigt (anders als in der iOS-App, dort wird das gesamte aufgespreizte Panorama angezeigt). Es macht also viel Sinn, die wichtigen Teile des Fotos (den Teil, wo das "Leben spielt") beim Ausrichten in den sichtbaren Bereich zu rücken, damit die Betrachter der Vorschau gleich sehen, was sie in dem Panoramafoto erwarten können. Schade übrigens, dass diese Einstellungen nur im Browser und nicht auch in der App vorgenommen werden können.

Unpraktisch ist auch, dass in der App die fertigen Panoramen nur gezeigt werden, solange eine Internet-Verbindung besteht. Offenbar werden die fertigen Fotos auf dem Smartdevice überhaupt nicht (oder nur temporär) zwischengespeichert. Ohne Internet-Verbindung (z. B. im Zug bei schlechter Verbindung, im Flugmodus oder wenn du in ausländischen Netzen dein Datenvolumen nicht strapazieren möchtest) kannst du keine Panorama-Fotos anschauen oder zeigen. Für solche Fälle wäre es schön, wenn man Fotos zum Offline-Anzeigen markieren könnte (so wie es bei Streaming-Diensten üblich ist, bei denen du Musik für unterwegs auf dein Gerät herunterladen kannst).

Mit der Panono 360-Grad-Kamera aufgenommenes Beispielfoto: Hier einmal eine Low-Light-Situation. Das Foto wurde manuell belichtet, die Automatik belichtete zu hell. Wenn du hineinzoomst siehst du deutliches Bildrauschen. Dennoch ein sehr schönes Beispiel für ein hoch aufgelöstes One-Shot-Panorama, dass mit anderen Kameras so kaum zu fotografieren gewesen wäre. [Foto: MediaNord]

Auch im Browser funktioniert die Anzeige natürlich nur bei bestehender Online-Verbindung. Hier kannst du aber (nur du als Besitzer deiner Fotos) sowohl ein fertig montiertes Panorama herunterladen als auch ein Paket mit ungestichten JPEG-Dateien, die du bei Bedarf in einem Programm deiner Wahl zusammenmontieren und ggf. vorher noch optimieren kannst. Das fertig montierte Panorama ist satte 128 Megapixel groß. Der Pixelzuwachs gegenüber den 108 effektiven Megapixeln liegt ganz einfach in der Aufspreizung an den "Polen". Wie bei einer Weltkarte erscheinen die Bereiche am oberen und unteren Ende der Karte durch die Projektion deutlich größer als die Bereiche am Äquator. Genauso ist es auch bei sphärischen Panoramen, die auf eine rechteckige Fläche projiziert werden.

Liefersituation

Ein paar Worte noch zur aktuellen Liefersituation bzw. Auslieferungssituation. Aktuell ist die Panono-Kamera in einer Auflage von zunächst 1000 Stück als sogenannte Explorer Edition zum Preis von 1500 Euro erhältlich. Bei dieser Version ist (im Gegensatz zur später erhältlichen finalen Version) die Robustheit bei Stürzen aus moderater Höhe (wie sie ja beim Nicht-Auffangen der Ball-Wurf-Kamera eintreten können) nicht garantiert. Gerade die Erfahrungen mit den ersten 1000 Stück sollen helfen, das Gehäuse für die spätere Serienproduktion zu verbessern, sofern dies sich als erforderlich erweist. Die rund 2600 Unterstützer des Crowdfunding-Projekts, über die die Entwicklung zur Serienreife und die Produktion finanziert wurde, konnten sich entscheiden zwischen der Explorer-Versionen (und die Aussicht auf eine frühere Lieferung) und der späteren finalen Version (bislang ohne Liefertermin).

Die Explorer-Edition ist aktuell frei bestellbar – die Lieferzeit soll aktuell vier Wochen ab Bestellung betragen – auch ohne, dass die Unterstützer aus der Indiegogo-Kampagne, die sich für die Explorer-Edition entschieden hatten, ihre bereits vor mehr als zwei Jahren bezahlte Kamera erhalten hätten. Panono-Gründer Jonas Pfeil kommuniziert sehr offen, dass diese Maßnahme dazu dient, den Cashflow des jungen Unternehmens stabil zu halten, indem durch den Verkauf einiger der ersten Exemplare frisches Geld ins Unternehmen fließt. Das trifft einerseits auf Verständnis, sorgt aber auch für Unmut bei einigen frühen Unterstützern, die auf ihre lange überfällige Kamera warten. Dass die Kamera funktioniert und gute Bilder macht, davon konnte man sich auf der IFA im September 2015 und nun auf der CES 2016 überzeugen und auch auf der Panono.com-Website. Konkrete Produktionszahlen und mit welchen Stückzahlen neue Käufer und alte Unterstützer bedacht werden, kommuniziert Panono nicht. Dies wiederum sorgt für wilde Spekulationen im Panono-Forum und in den Kommentaren bei Indiegogo. Beispielsweise hat aus den noch wenigen sichtbaren Accounts auf der Panono-Website ein Forumsteilnehmer die Zahl der existierenden Panono-Kameras auf insgesamt bislang nur einige Dutzend hochgerechnet. Panono sagte uns auf der CES immerhin, dass die Produktion (die übrigens in Polen stattfindet, das ist schon länger bekannt) nun kontinuierlich hochgefahren wird.

  • Bild Nur die Vorschau erfolgt in der Panono App auf dem Smartphone. Das eigentliche Stitching erfolgt in der Cloud und von dort aus auch die Ausgabe auf Panono.com oder wiederum in der Smartphone-App. [Foto: Panono, Übersetzung MediaNord]

    Nur die Vorschau erfolgt in der Panono App auf dem Smartphone. Das eigentliche Stitching erfolgt in der Cloud und von dort aus auch die Ausgabe auf Panono.com oder wiederum in der Smartphone-App. [Foto: Panono, Übersetzung MediaNord]

  • Bild Als Besitzer eines Fotos kannst du wahlweise eine flach projizierte 128-Megapixel-Version herunterladen oder ein Paket aus den 36 nicht zusammengefügten Fotos. Diese kannst du dann mit einer Software deiner Wahl optimieren und zusammenfügen. [Foto: MediaNord]

    Als Besitzer eines Fotos kannst du wahlweise eine flach projizierte 128-Megapixel-Version herunterladen oder ein Paket aus den 36 nicht zusammengefügten Fotos. Diese kannst du dann mit einer Software deiner Wahl optimieren und zusammenfügen. [Foto: MediaNord]

Fazit

Die Panono Kamera ermöglicht unkompliziert das Fotografieren vollsphärischer Panoramen in einem einzigen Schuss in hoher Auflösung mit 108 Megapixeln. Das ist weit mehr als die wenigen anderen "schlüsselfertigen" One-Shot-Panoramakameras bieten und die Voraussetzung für viel professionelle Anwendungen sowie für die Panorama-Landschaftsfotografie in ernstzunehmender Qualität. Dabei ist die Anwendung einfach, man könnte fast sagen "kinderleicht". Ein nettes Zusatzfeature (aber in der Praxis voraussichtlich nicht so bedeutend wie oft angenommen) ist die Möglichkeit durch Hochwerfen der Kamera ohne Zusatzausrüstung Aufnahmen von erhöhten Positionen zu machen. Im Gegensatz zu allen anderen erhältlichen 360-Grad-Kameras kann die Panono keine Videos aufzeichnen, sie ist spezialisiert auf hochauflösende Fotos. Die Bildqualität ist für eine solche One-Shot-Lösung insgesamt gut bis sehr gut. Schwachpunkt ist eigentlich nur das Bildrauschen, das selbst bei gut beleuchteten Szenen sichtbar wird, wenn man voll ins Panorama hineinzoomt. Das Zusammenfügen der 36 Einzelaufnahmen gelingt den Panono-Cloud-Servern perfekt, sofern keine Objekte zu dicht an der Kamera sind. Die iOS-App verdient noch einige Optimierung, sowohl im Leistungsumfang als auch bei der Zuverlässigkeit. Dass man von den Panono-Servern ein zweidimensional projiziertes Panoramafoto in 128-Megapixel-Größe sowie ein Paket aus den 36 Einzelfotos herunterladen kann, ermöglicht weitere Anwendungen. Mit der Erstauflage adressiert Panono aufgrund des Preises von 1500 Euro derzeit eher professionelle Anwender. Diese müssen aber mit über keinerlei spezifisches Knowhow verfügen. Das Erstellen von hochauflösenden sphärischen Panoramen gelingt mit der Panono-Ball-Kamera jedem.

Vorteile

  • Sehr einfache Bedienung.
  • Sehr hohe Auflösung (108 Megapixel).
  • Guter Workflow, sofortiges Teilen möglich.
  • Gute Stitching-Ergebnisse, gute Bildqualität.

Nachteile

  • Langer Abstand zwischen Fotos.
  • Bildrauschen, insbesondere bei wenig Licht.
  • iOS-App noch optimierungsbedürftig.