iPhone-Vorsatzobjektive Kürzlich hatten wir über die iPhone-Vorsatzobjektive des deutschen Startups Lensta berichtet, für die derzeit eine Kampagne auf Kickstarter läuft. Die Presseagentur des Unternehmens hat uns freundlicherweise ein Prototypen-Set zur Erprobung zur Verfügung gestellt, mit dem wir erste Eindrücke sammeln konnten. Derzeit können wir die Lensta-Vorsatzobjektive nicht empfehlen.

  • Bild Das Lensta iPhone Photography Kit erreichte uns für den Test mit einem Prototyp der iPhone 7 Hülle (mit Gewinde für die Konverter) sowie einer Klammerr, mit der wir die Konverter am iPhone 6s Plus testen konnten. [Foto: MediaNord]

    Das Lensta iPhone Photography Kit erreichte uns für den Test mit einem Prototyp der iPhone 7 Hülle (mit Gewinde für die Konverter) sowie einer Klammerr, mit der wir die Konverter am iPhone 6s Plus testen konnten. [Foto: MediaNord]

Knapp 200 Euro für ein Set aus drei Vorsatzobjektiven, auch Konverter genannt, und eine Smartphone-Lederhülle, in der die Konverter eingeschraubt werden – das hört sich durchaus verlockend an. Lensta verspricht dabei eine ordentliche Qualität, die Presseagentur scheute gar einen Vergleich zu den High-End-Konvertern aus dem Hause Zeiss bzw. deren Kooperationspartner Fellowes nicht. Da war ich natürlich sehr gespannt. Und bin nun sehr enttäuscht, denn das Qualitätsversprechen lösen die Konverter nicht ein. Ob das an dem Prototypen-Status liegt, lässt sich derzeit schlecht sagen. Ich hatte ausdrücklich gefragt, ob wenigstens die Konverter den späteren Serienprodukten entsprechen oder diesen wenigstens sehr nahe kommen, sonst wären sie ja nicht "testfähig". Das wurde uns zugesichert.

Dass die Halterung, die uns mit den Vorsatzlinsen erreichte, noch ein rohes Plastikteil ohne Lederbezug ist – geschenkt. Dass die Leute von Lensta dort einen sauberen Lederbezug draufbringen, glaube ich gerne. Dankenswerterweise lag dem Test-Set auch eine Klammer dabei, mit der wir die Objektive mit einiger Sorgfalt auch an unserem Redaktions-iPhone, einem iPhone 6s Plus, anbringen konnten. Eine solche Universal-Klammer wird es von Lensta nicht geben, denn das genau passende Ausrichten des Vorsatzobjektivs ist nicht einfach. Aber es ist möglich – und wir haben das im Test äußerst penibel gemacht.

  • Bild Die Lensta Makro-Vorsatzlinse liefert in der Bildmitte ein gutes, scharfes Ergebnis. In den Bildecken ist das Bild etwas unscharf, aber das muss, je nach Motiv, nicht unbedingt stören. In dieser Wiedergabegröße fällt es ohnehin noch nicht auf. [Foto: MediaNord]

    Die Lensta Makro-Vorsatzlinse liefert in der Bildmitte ein gutes, scharfes Ergebnis. In den Bildecken ist das Bild etwas unscharf, aber das muss, je nach Motiv, nicht unbedingt stören. In dieser Wiedergabegröße fällt es ohnehin noch nicht auf. [Foto: MediaNord]

Dem ersten Eindruck nach wirken die Vorsatzobjektive ein wenig wie von Drittherstellern zusammengekauft. Eine einheitliche Formsprache fehlt, ebenso andere typische Merkmale oder Logos. Linsenabdeckungen ("Objektivdeckel") waren auch keine dabei. Das ist schlecht angesichts vorstehender Frontlinsen. Während sich bei dem Makrovorsatz und dem Fisheye-Objektiv eine farbig schillernde Vergütung gut erkennen lässt, scheint der Weitwinkel-Konnverter aus einfachem, unvergütetem "Fensterglas" zu bestehen. Der Makrokonverter besitzt einen Plexiglas-Schutzring, der verhindert, dass du bei Ultra-Nahaufnahmen versehentlich mit der Frontlinse ans Objekt stößt und die Linse verschmutzt (z. B. mit Blütenstaub beim Fotografieren von Blumen) oder beschädigst. Eine Streulichtblende ("Sonnenblende") haben weder der Weitwinkel- noch der Fisheye-Konverter.

Von den drei Konvertern liefert der Makrokonverter das beste Bildergebnis am iPhone 6s Plus ab. Im mittleren Bereich ist das Bild sehr scharf. Erst zum Rand hin wird es unschärfer. Das soll bei Makro-Objektiven eigentlich nicht der Fall sein, muss aber, abhängig vom Motiv, nicht unbedingt stören. Wenn du beispielsweise Münzen damit fotografierst, ist es ziemlich egal, wenn die Bildecken mit dem Hintergrund nicht ganz scharf sind. Bei anderen Motiven, wie z. B. Briefmarken, kann es hingegen die Aufnahme verderben. Insgesamt bewerte ich den Konverter aber als brauchbar. In Schulnoten ausgedrückt eine 3 (befriedigend).

  • Bild Der Weitwinkel-Konverter von Lensta versagt im Test leider. Die Bilder sind nur in der Bildmitte scharf (wie man selbst in dieser kleinen Darstellung sieht). Das ist nicht genug. [Foto: MediaNord]

    Der Weitwinkel-Konverter von Lensta versagt im Test leider. Die Bilder sind nur in der Bildmitte scharf (wie man selbst in dieser kleinen Darstellung sieht). Das ist nicht genug. [Foto: MediaNord]

  • Bild Der Weitwinkel-Effekt des 0,5-fach-Weitwinkel-Konverter von Lensta ist zwar spektakulär, aber die Aufnahmen sind nur in der Bildmitte scharf, sodass der Konverter im Test durchfällt. [Foto: MediaNord]

    Der Weitwinkel-Effekt des 0,5-fach-Weitwinkel-Konverter von Lensta ist zwar spektakulär, aber die Aufnahmen sind nur in der Bildmitte scharf, sodass der Konverter im Test durchfällt. [Foto: MediaNord]

Ganz anders der Weitwinkel-Konverter, der sicherlich von der Anwendung her für viele Käufer der Wichtigste der drei Konverter sein dürfte. Die Bildqualität, die dieses Vorsatzobjektiv am iPhone 6s Plus abliefert, ist aber leider unterirdisch schlecht, die Bildergebnisse sind eigentlich für nichts zu gebrauchen. Sozusagen Schulnote 6 (ungenügend). Lediglich in der Bildmitte wird ein scharfes Bild erzeugt bis nicht ganz zum oberen und unteren Bildrand. Von diesem Radius aus, also in rund der Hälfte der Bildfläche, wird das Bild schlagartig extrem Unscharf und verwischt, um dann in den Bildecken wieder etwas an Schärfe zuzulegen. Als Käufer würde ich einen solches Vorsatzobjektiv als defekt/unbrauchbar zurückschicken. Hoffen wir mal, dass es sich bei unserem Testexemplar nicht, wie zugesichert, um ein finales Exemplar handelt.

Der Fisheye-Konverter liegt qualitativ etwa in der Mitte zwischen den ersten beiden Konvertern. Im Nahbereich an unserem Testbild im Testlabor fällt der Konverter aufgrund umfassender Unschärfe durch, aber im Nahbereich setzt man einen Ultraweitwinkelkonverter ja normalerweise auch nicht ein. Im "wahren Leben", d. h. wenn die Kamera auf unendlich fokussieren kann, ist das Ergebnis deutlich besser. Zwar nimmt auch dann die Schärfe zum Rand hin deutlich ab, aber es ergibt sich ein noch brauchbares Gesamtergebnis. Die Bildecken vignettieren deutlich, sodass das Bild komplett eigentlich gar nicht genutzt werden kann. Dafür ist der Bildwinkel mit rund 180 Grad extrem. Für Spezialanwendungen oder wenn du den Fisheye-Effekt magst, ist der Konverter, wenn auch mit Qualitätsabfall zum Rand hin, meiner Meinung nach durchaus zu gebrauchen (jedenfalls bei Outdoor-Anwendungen, wenn die Kamera auf unendlich fokussiert). Knapp noch Schulnote  4 (ausreichend), würde ich dem Fisheye-Konverter geben.

  • Bild Der 8mm-Super-Weitwinkel-Konverter (Fisheye) von Lensta ist zwar bei Fokussierung im Nahbereich, wie hier in unserem Testlabor, unbrauchbar, beim normalen Betrieb draußen, wenn das iPhone auf unendlich fokussiert, ist die Qualität ganz passabel. [Foto: MediaNord]

    Der 8mm-Super-Weitwinkel-Konverter (Fisheye) von Lensta ist zwar bei Fokussierung im Nahbereich, wie hier in unserem Testlabor, unbrauchbar, beim normalen Betrieb draußen, wenn das iPhone auf unendlich fokussiert, ist die Qualität ganz passabel. [Foto: MediaNord]

  • Bild Bei Fokussierung auf Unendlich ist die Qualität der Aufnahmen mit dem Lensta-Fischeye-Konverter gerade noch in Ordnung. Dass die Ecken dunkel sind (vignettiert), ist angesichts des Bildwinkels von rund 180 Grad normal. [Foto: MediaNord]

    Bei Fokussierung auf Unendlich ist die Qualität der Aufnahmen mit dem Lensta-Fischeye-Konverter gerade noch in Ordnung. Dass die Ecken dunkel sind (vignettiert), ist angesichts des Bildwinkels von rund 180 Grad normal. [Foto: MediaNord]

Da das wichtigste Vorsatzobjektiv im Dreiergespann, der Weitwinkel-Konverter, aber leider im Test komplett durchgefallen ist, kann ich das Lensta-Set derzeit nicht empfehlen.