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Nach der erfolgreichen Übertragung passiert erstmal gar nichts. Die IQUI App bleibt im Fernbedienungsmodus in freudiger Erwartung auf weitere zu übertragende Bilder. Unten rechts erscheint allerdings eine Miniatur des letzten Bildes. Tippt man darauf, kann man dieses anschauen, so wie man es vielleicht schon von 360-Grand-Aufnahmen kennt. Mit Wischgesten bewegt man sich durchs Bild. Bei Fotos geht das. Bei Videos geht das (noch) nicht. Vecnos verweist für Videos derzeit noch auf andere Apps, beispielsweise von Ricoh für die Theta. Dass das Aufnehmen von Bewegtbildern nicht so der Schwerpunkt ist bei der Vecnos IQUI merkt man also schon hier (dazu später mehr).

Die Fotos sehen auf dem Smartphone immerhin tatsächlich ziemlich gut aus. Ob das Zusammenfügen der vier Einzelaufnahmen in der Kamera oder im Smartphone erfolgt, weiß man nicht (ich vermute mal: im Smartphone), die Qualität überzeugt. Je nach Aufnahmeabstand zum Motiv können leichte Stitching-Kanten sichtbar werden. Meist sind die Übergänge aber sehr gelungen. Durch die vier Kameramodule sind krasse Qualitätsunterschiede im Bild auch deutlich weniger ausgeprägt als bei Panorama-Kameras mit zwei Linsen. Oben und seitlich ist die Auflösung immer gut. Nur nach unten, da wo der Arm des Benutzers ist (oder der Tisch, wenn man den Ladeadapter mit dem Silikon-Craddle als Ständer benutzt), wird die Bildqualität richtig schlecht. In dem Bereich treten auch stärkere Unschärfen im Übergangsbereich der Kameras auf. Das ist dann der Bereich, wo die drei seitlichen Kameramodule an ihren Grenzbereich kommen, denn die drei seitlichen Module scheinen waagerecht ausgerichtet zu sein obwohl auf der Oberseite ja eine vierte Kamera den anschließenden Bereich souverän einfängt. Auf dem recht kleinen Smartphone-Display sieht natürlich irgendwie alles gut aus. Die eben beschriebene Qualitätsbeurteilung fußt aber durchaus auf der Sichtung am großen PC-Monitor.

  • Bild Wo kein Stativgewinde ist, hilft Gewebeband. Die Vecnos IQUI vorbereitet für den Einsatz am 3-Meter-Selfie-Stick für Testaufnahmen an der Wassermühle. [Foto: MediaNord]

    Wo kein Stativgewinde ist, hilft Gewebeband. Die Vecnos IQUI vorbereitet für den Einsatz am 3-Meter-Selfie-Stick für Testaufnahmen an der Wassermühle. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Vecnos IQUI am 3-Meter-Selfie-Stick bei Testaufnahmen an der Wassermühle. Die Kamera ist so klein, dass man sie auf diesem Foto am Ende des langen Selfie-Sticks praktisch gar nicht erkennt. [Foto: MediaNord]

    Die Vecnos IQUI am 3-Meter-Selfie-Stick bei Testaufnahmen an der Wassermühle. Die Kamera ist so klein, dass man sie auf diesem Foto am Ende des langen Selfie-Sticks praktisch gar nicht erkennt. [Foto: MediaNord]

Aber zurück zum Smartphone, denn die Anwenderinnen schauen die Fotos ja nicht auf dem PC an, sondern wollen die in sozialen Medien teilen (so die Vorstellung von Vecnos). Da das Teilen von Panorama-Aufnahmen, in denen der Betrachter aktiv den Ausschnitt wählen muss, etwas sperrig erscheint (zumindest nicht adäquat für die Zielgruppe), soll das Foto nun in ein animiertes Video gewandelt werden. Dazu hält die App zahlreiche Vorlagen bereit. Es scheint ja die Zeit künstlicher Intelligenz angebrochen zu sein, aber davon ist in der Vecnos-App nichts zu spüren. Die Auswahl einer passenden Vorlage obliegt ganz allein dem Anwender. Und die Vorlage spult dann auch stumpf ihr hinterlegtes Programm ab. Bei Selfies, also wenn nur eine Person beteiligt ist, startet das dann mit einem Blick auf die Person. Währenddessen fliegen die gewählten Objekte durchs Bild – Bubbles, Herzen oder auch Halloween-Kürbisse – die Auswahl ist durchaus beachtlich.

Danach schwenkt das Videos um 180 Grad im Foto, um die gegenüberliegende Seite zu zeigen. Tatsächlich cool dabei ist die Tatsache, dass die Kürbisse oder Bubbles dabei perspektivisch korrekt mitschwenken. Danach kommt dann der Tiny-Planet-Effekt, d. h. das Video endet in einer verkleinerten Panoramaperspektive. Ende. Varianten davon gibt es für Fotos mit mehreren Personen, bei denen nicht nur um 180 Grad, sondern in kleineren Stufen geschwenkt wird. Alles Standard-Ablauf. Alles ohne wirklichen Bezug zum aufgenommenen Fotos. Selfie reloaded ist irgendwie anders, finde ich. Angesichts der geballten Rechenpower, die moderne Smartphones haben, könnte das subtiler ablaufen.

Das Endergebnis ist jedenfalls ein Video im Format 720 x 720 Pixel. Das lässt sich dann über die Vecnos-App direkt in den üblichen sozialen Kanälen teilen, abhängig davon, welche Apps man auf seinem Smartphone installiert hat. Ich will mich da nicht zu weit hinauslehnen, aber ich habe den Eindruck, dass das Konzept für den europäischen Markt nicht so recht passen wird. Im asiatischen Kulturkreis mag das anders sein.

Da mich persönlich 720-Pixel-Bubble-oder-Herzchen-Videos eher weniger interessieren, habe ich mal geschaut, was die Vecnos IQUI als ganz normale Panorama-Kamera eigentlich effektiv leistet. Wir haben auf digitalEyes.de in letzter Zeit unser Standard-Wassermühlen-Motiv, das fast immer funktioniert, wenn es nicht gerade regnet. Und da musste die Vecnos IQUI ebenfalls ran. Auch ohne Stativgewinde, etwas Gewebe-Klebeband funktioniert ebenfalls. Statt unseres 5-Meter-Manfrotto-Booms habe ich "nur" den 3-Meter-Insta360-Selfie-Stick verwendet. Mein Sohn hat die "Making-of-Fotos" gemacht. Das Ergebnis seht ihr in unserem Panorama-Viewer (ein zweites Foto zeigt eine Indoor-Aufnahme).

Beispielfotos

Insgesamt ist die Foto-Qualität der IQUI in Ordnung. Das Endergebnis ist zwar nur ein 16,5-Megapixel-Äquirektangular-Foto, das ist nicht sehr viel. Aber die Qualität ist echt OK. Der Dynamikumfang ist ziemlich eingeschränkt. Das ist sicherlich auf die vermutlich sehr kleinen Sensoren der vier Kameramodule zurückzuführen. Aber Farbsäume beispielsweise sind nicht so stark ausgeprägt wie bei vielen anderen Panorama-Kameras. Zudem ist die Qualität durch die vier Kameras wesentlich homogener als bei üblichen 2-Kamera-Systemen. Richtig schlecht ist allerdings der Bereich in Richtung Kamerafuß, also üblicherweise "Arm des Benutzers". Auf der Unterseite der Kamera, also dort, wo mein Sohn und ich im Bild sind, ist mit der Bildqualität gar nichts mehr los.

Beim Fotografieren mit der IQUI muss man darauf achten, dass in dem zum Griff gerichteten Bereich keine bildwichtige Details liegen. Auch generell würde ich trotzdem die Grundregel befolgen, dass wichtige Bildbereiche (z. B. Personen) möglichst nicht genau im Schnittbereich der Kamerablickwinkel liegen sollten. Bei der Vecnos IQUI sollte man selbst sich während der Aufnahme am besten sauber auf der Seite des Auslösers befinden. Das ist der Bereich, den die App standardmäßig als Startpunkt auswählt (den allerdings kann man immerhin frei verändern).

Wo viel Licht ist, ist auch viel Schatten, heißt es. Gute Fotos, schlechte Videos, könnte man bei der Vecnos IQUI sagen. Die Videos der Vecnos IQUI sind unterirdisch schlecht, nach heutigen Qualitätsmaßstäben eigentlich komplett unbrauchbar. Dabei haben die nominal eine 4K-Auflösung und immerhin, je nach Motiv, unter 40 bis deutlich über 80 MBit/s Datenrate, was eigentlich halbwegs OK sein könnte. Das, was man da im Video sieht, hat aber mit der nominalen 4K-Qualität nichts zu tun. Details sucht man vergeblich. Die Videos wirken, als seinen sie ursprünglich niedrig aufgelöste SQ-Videos, die dann drastisch hochskaliert wurden, was unter anderem zu markanten Treppenstufen an schrägen Linien führt. In Verbindung mit den extrem langen Ladezeiten der Videos ergibt sich damit geradezu das Gebot, bloß keine Videofilme mit dieser Kamera anzufertigen.

Die Vecnos IQUI sollte ursprünglich ab Anfang Oktober 2020 in Deutschland erhältlich sein, ist aber bislang noch nicht lieferbar. Die Kamera soll 329 Euro kosten. Im Lieferumfang enthalten sind eine Weichtasche, der Ladeadapter samt USB-Ladekabel (geladen wird an einem üblichen USB-Ladegerät) sowie ein kleiner Silikon-Fuß, mit dem der Ladeadapter zum Tischständer wird. Als Zubehör soll etwas später noch eine feste Ladeschale mit eingebautem Akku auf den Markt kommen.

Fazit

Die Vecnos IQUI ist eine sehr stylische, kleine Panorama-Kamera. Sie ist sehr schick designt und sehr hochwertig verarbeitet sowie mit vier statt der üblichen zwei Kameramodule ausgestattet. Die Bildqualität der Panorama-Fotos kann sich auch tatsächlich sehen lassen. Als Standbilder sollen diese aber eigentlich gar nicht geteilt werden, sondern das Konzept des Herstellers sieht es vor, dass daraus kleine quadratische Videos werden, in denen wahlweise animierte Bubbles, Herzen, Feuerwerk-Raketen, Halloween-Kürbisse oder andere Sachen herumwabern. Nutzt man die Kamera hingegen für echte Bewegtbilder, ist deren Qualität nach heutigen Maßstäben völlig inakzeptabel. Für die gebotene Ausstattung und Leistung scheint der geplante Preis von über 300 Euro zu hoch. Alternativen sind beispielsweise alle aktuellen Ricoh-Theta-Modelle oder die diversen Kameras von Insta360.

Vorteile

  • sehr klein und edel
  • gute, gleichmäßige Bildqualität der Fotos

Nachteile

  • langsame Datenübertragung aufs Smartphone
  • Qualität im Videomodus unbrauchbar
  • kein Stativgewinde
  • ohne Ladeadapter nicht aufladbar