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Beschäftigen wir uns vor den eigentlichen Aufnahmen notwendigerweise noch etwas mit den Einstellungen der Kamera. Uns interessiert natürlich besonders: Wie gut ist die Aufnahmequalität bei hochauflösenden Videos, vor allem also bei 4K-Videos? Wie gut arbeitet die eingebaute Bildstabilisierung? Und was hat es mit dem ominösen 4K-Ultra-Videomodus auf sich, von dem in der Pressemitteilung die Rede war?

Letzteres ist schnell geklärt. Wählt man "4K Ultra" als Auflösung, wird der gesamte Bildsensor im vollen 4:3-Seitenverhältnis ausgelesen und das Bild dann auf 16:9-Seitenverhältnis gestaucht (bei GoPro heißt eine solche Funktion "Super View"). Am Ende kommt also einfach ein 4K-Videos dabei heraus. Da hierbei das Bild stark verzerrt wird, ist das Ergebnis ziemlich unansehnlich und sinnvolle Anwendungsmöglichkeiten dürften selten sein.

Ansonsten finden sich im Menü die erwarteten Einstellungen. Die Bildqualität lässt sich beispielsweise dreistufig einstellen: 60 Mbit/s ist die beste Einstellung "Fein", das ist für 4K nicht übermäßig viel, aber noch in Ordnung. Die Einstellung "Standard" bedeutet 38 Mbit/s Datenrate und bei "Economy" sind es noch 30 Mbit/s. Beides liegt also ziemlich dicht beieinander, Standard hätte Rollei auch gleich weglassen können. Wir empfehlen die Einstellung "Fein", außer man möchte, etwa für dokumentarische Zwecke, möglichst kleine Videodateien erzeugen (dann "Economy").

Ungewöhnlich ist die Einstellung "Dateigröße". Die Länge der einzelnen Videodateien ist zwischen 1 und 20 Minuten in diversen Stufen einstellbar. Es geht also nicht wirklich um die Dateigröße, sondern um die Laufzeit pro Datei. Wozu auch immer das gut sein soll. Bei der Einstellung "1 Minute" hat man dann also nach einer Stunde 60 Stück 1-Minuten-Videoschnipsel auf der Speicherkarte. Wer braucht sowas? Wir empfehlen die Einstellung "20 Minuten", das ist sozusagen das kleinste Übel. In dem Zusammenhang gibt es auch noch einen offensichtlichen Bug in der aktuellen Firmwareversion: Die Anzeige der bisherigen Aufnahmedauer springt wieder auf 00:00:00 zurück, sobald eine neue Daten begonnen wurde. Man sieht also bei einer längeren laufenden Aufnahme nie, wie lange diese tatsächlich insgesamt schon läuft.

  • Bild Der Lieferumfang der Rollei Action One ist ziemlich komplett. Neben der Kamera samt Akku sind auch Klebehalterungen inkl. Ersatzklebepads, ein Halterahmen, ein Schutzgehäuse, eine Objektivabdeckung und ein Putztuch dabei. [Foto: Rollei]

    Der Lieferumfang der Rollei Action One ist ziemlich komplett. Neben der Kamera samt Akku sind auch Klebehalterungen inkl. Ersatzklebepads, ein Halterahmen, ein Schutzgehäuse, eine Objektivabdeckung und ein Putztuch dabei. [Foto: Rollei]

Beachten muss man vielleicht noch die Menüpunkte "Audio" und "Lautstärke". Immerhin befinden wir uns hier im Aufnahme-Menü. Es geht also darum, ob der Ton überhaupt aufgezeichnet wird (Audio Ein) oder nicht (Audio Aus) und in welcher Lautstärke. Der Ton wird als Mono-Ton mit einem vorne unter dem Objektiv eingelassenen Mikrofon aufgezeichnet. Die Aussteuerung erfolgt ausschließlich manuell über die Einstellung "Lautstärke". 0 bedeutet dabei, dass gar kein Ton aufgezeichnet wird. 10 ist maximale Aufnahmelautstärke. Wir haben mit der Einstellung 8 gute Erfahrung gemacht. In lauter Umgebung kann vielleicht ein niedrigerer Wert passender sein.

Wichtig ist noch die Einstellung für die Verzerrungskorrektur (Ein oder Aus), die den Fisheye-Effekt wegrechnet. Dies geht auch bei 4K-Videos, allerdings nur bis maximal 30 Bilder pro Sekunde. Das kostet etwas Bildwinkel, aber das Ergebnis ist viel ansehnlicher. Ebenfalls wichtig ist die Gyrostabilisierung (ebenfalls Ein oder Aus). Letztere funktioniert bis 4K mit 30 Bilder/s und mit H.264-Kodierung, sie kostet notgedrungen wiederum etwas Bildwinkel.

Bild- und Tonqualität

Die Rollei Action One besitzt einen 12-Megapixel-Bildsensor mit 4:3-Seitenverhältnis. Die Fotos aus der Kamera sind entsprechend 4000 x 3000 Pixel groß und qualitativ ganz okay. Gleichwohl ist das eine Disziplin, die heute wirklich jedes Smartphone besser beherrscht, außer natürlich, man möchte explizit Fotos mit ultraweitem Bildwinkel machen ("Fisheye"). Zudem ist die Auslöseverzögerung, also die Zeit zwischen dem Drücken des Auslösers und der eigentlichen Aufnahme, mit mehr als 1,5 Sekunden extrem lang. Immerhin zeigen die Fotos, dass das Objektiv der Kamera ziemlich gut ist. Die Qualität bleibt bis zum Bildrand hoch, Farbsäume sind kaum zu sehen.

Das sind natürlich gute Voraussetzungen für hochwertige Videos – und diese sind ja der eigentliche Sinn und Zweck einer Actioncam. Wir haben uns da vor allem die hochaufgelösten 4K-Videos angeschaut, bei der es auf Qualität wirklich ankommt. Die 4K-Videos sehen sehr ordentlich aus, insbesondere wenn man die Bildstabilisierung und die Entzerrung ausschaltet. Nur dann kann die Kamera nämlich die volle Sensorbreite für das 4K-Video nutzen. Die Videos sind schön scharf, aber nicht übertrieben geschärft. Kompressionsartefakte sieht man in der Einstellung "Fein" praktisch nicht und die Kamera passt die Belichtung schön schnell an, wenn man die Kamera zum Beispiel in die Sonne dreht oder aus dem Gegenlicht wieder in die normale Auflicht-Situation. Die Belichtung ist für unseren Geschmack insgesamt etwas zu hell. Wer das auch so empfindet, stellt am besten die Belichtungskorrektur-Einstellung "EV" generell auf den Wert -1/3 ein.

  • Bild Rollei Action One montiert an auf einer Jolle. Die sanfteren Bewegungen sind eigentlich besser von der Bildstabilisierung zu meistern, die Wirksamkeit insgesamt ist aber gering. [Foto: MediaNord]

    Rollei Action One montiert an auf einer Jolle. Die sanfteren Bewegungen sind eigentlich besser von der Bildstabilisierung zu meistern, die Wirksamkeit insgesamt ist aber gering. [Foto: MediaNord]

Persönlich habe ich mich an Actioncam-Fisheye-Effekt-Aufnahmen etwas übergesehen und bevorzuge "normale", also entzerrte Aufnahmen, wohl wissend, dass dies effektiv etwas Qualität kostet. Immerhin muss die Bildverarbeitung das Bild erheblich entzerren und dabei verschwindet am Rand einiges, während andere Bildbereiche gestreckt werden (was effektiv Auflösung kostet). Nennenswerte "Reserven" hat der 12-Megapixel-Sensor dafür nicht, denn von seinem 4:3-Seitenverhältnis wird bei Video nur ein 16:9-Ausschnitt (= 9 Megapixel) für das 4K-Video (= 8,3 Megapixel) genutzt. Dennoch passt das hier noch gut und die Aufnahmen mit der Einstellung "Entzerrungskorrektur = Ein" sehen ebenfalls sehr gut aus. Auch der Ton zu den Videos hat uns gut gefallen. Er kommt klar und deutlich rüber, wenn auch nur in Mono. Ein externes Mikrofon lässt sich nicht anschließen.

Weniger begeistert sind wir von den Videos, die wir mit eingeschalteter Bildstabilisierung aufgenommen haben. Der Bildwinkelbeschnitt ist gering, entsprechend wenig Stabilisierungsbereich steht zur Verfügung und entsprechend wenig Wirkung zeigt die Bildstabilisierung generell. Kleine, sanfte Bewegungen werden noch ganz gut ausgeglichen. Bei kurzen, ruckartigen Bewegungen, wie sie beispielsweise auftreten, wenn man eine Actioncam am Fahrradlenker montiert, ist die Stabilisierung sichtbar überfordert. Die Aufnahmen werden bei starken Erschütterungen dann eher schlierig unscharf, was nicht sehr schön aussieht. Um sicherzugehen, dass meine Qualitätserwartungen da nicht überzogen sind, habe ich kurz einmal eine ältere GoPro Hero6 Black aus dem Jahr 2017 montiert, die ebenfalls einen 12-Megapixel-Sensor und damit praktisch gleichen Voraussetzungen hat, und bin kurz ein paar Meter die gleiche Strecke gefahren. Ergebnis: Die viereinhalb Jahre alte Hero6 bekommt das Stabilisieren von Fahrrad-Videos besser hin!

Sicherheitshalber haben wir probiert, ob die Stabilisierung bei niedrigeren Videoauflösungen besser funktioniert, beispielsweise bei FullHD. Das ist jedoch nicht der Fall. Die Action One nimmt dann übrigens auch den gleichen, nur minimal reduzierten Bildausschnitt und entsprechend ist die Stabilisierungsleitung auch bei 1080p-Videos gering. Generell lautet unsere Empfehlung also, die Stabilisierung eher auszuschalten. Angesichts ihrer relativ geringen Wirksamkeit sollte man ihre negativen Auswirkungen auf die Bildqualität nicht in Kauf nehmen. Bestenfalls bei relativ sanften Bewegungen, die stabilisiert werden sollen, etwa bei der Montage auf einem Paddelboot, ist die Stabilisierung einen Versuch wert.

Sehr erfreulich war dafür die Akkulaufzeit. In der Videoqualität-Einstellung "Economy" haben wir satte 84 Minuten 4K30-Video am Stück aufgenommen (mit Entzerrung und Bildstabilisierung, d. h. der Prozessor hatte gut zu tun). Das ist Rekord! Mehr als rund 70 Minuten sind mit Actionscams üblicherweise nicht drin. Bei FullHD-Videos sollen laut Rollei sogar bis zu 100 Minuten mit einer Akkufüllung möglich sein (nicht getestet).

Beim Anschluss an verschiedene Rechner mit Windows-11-Betriebssystem erkannten dieses die Kamera oft nicht, je nachdem, welche USB-Schnittstelle man verwendet (gegebenenfalls einfach eine andere USB-Buchse am PC/Laptop ausprobieren). Praktischer war es in jedem Fall, die Speicherkarte über einen SD-Card-Adapter (der vielen MicroSD-Karten beim Kauf gleich beiliegt) in einem Kartenlaufwerk auszulesen, statt über die Kamera. Dies auch deshalb, weil beim erfolgreichen Verbinden der Kamera via USB die Daten von der Speicherkarte auf den lokalen Rechner zwar hinüberkopiert, aber nicht verschoben werden können. Grund: Die Speicherkarte wird in der Kamera als schreibgeschützt erkannt. Insofern können Bilder nach dem Übertragen auf den PC auch nicht vom PC aus gelöscht werden, sondern die Speicherkarte muss in der Kamera formatiert oder die Medien anderweitig gelöscht werden. So ein Verhalten kennen wir sonst eigentlich nur von einigen Smartphones.

Fazit

Die Rollei Action One hinterlässt im Test gemischte Gefühle. Ihre Gehäusequalität ist prima, zudem wird sehr viel Zubehör mitgeliefert, unter anderem ein Tauchgehäuse, das anderswo teuer hinzugekauft werden muss. Die Bildqualität der 4K-Videos inklusive Mono-Tonaufzeichnung und die Qualität der 12-Megapixel-Fotos sind gut. Zudem hat die Action One eine recht lange Akkulaufzeit. Die Touchscreen-Bedienung hingegen wirkt altbacken und dass man nur einen der beiden Bildschirme zur Zeit verwenden kann, macht den Vorteil des Front-Displays fast zunichte. Die eingebaute 6-Achsen-Bildstabilisierung überzeugt uns nicht. Nach heutigen Maßstäben ist die Action One maximal als Mittelklasse-Actioncam zu sehen und kann mit Spitzenmodellen der Mitbewerber nicht mithalten. Dafür ist sie allerdings auch wesentlich günstiger und für den Preis von aktuell knapp 250 Euro ist die Leistung in Ordnung.

  • Bild Rollei Action One montiert an einem Fahrradlenker. Die kurzen, harten Stöße beim Fahrradfahren auf unebener Wegstrecke überfordern die Bildstabilisierung. [Foto: MediaNord]

    Rollei Action One montiert an einem Fahrradlenker. Die kurzen, harten Stöße beim Fahrradfahren auf unebener Wegstrecke überfordern die Bildstabilisierung. [Foto: MediaNord]

Vorteile

  • Robustes Gehäuse
  • Stativgewinde direkt eingebaut
  • Großer Lieferumfang (inkl. Unterwassergehäuse)
  • Gute 4K30-Bildqualität
  • Lange Akkulaufzeit

Nachteile

  • Bildstabilisierung nicht sehr leistungsfähig
  • Nur ein Bildschirm zur Zeit benutzbar
  • Sehr lange Auslöseverzögerung bei Fotos