Leichter Quadrokopter mit 4K-Video und 25 Minuten Flugdauer Die Parrot Anafi Kameradrohne stand bei uns seit ihrer Vorstellung im letzten Jahr immer noch auf der Wunschliste für einen Produkttest. Diesen Sommer haben wir genutzt, das Gerät auszuprobieren. Das Testgerät erreicht uns in der "Extended" Version, ein überaus sinnvolles Paket, das gleich drei Akkus und eine praktische Tasche enthält, in die die gesamte Ausrüstung hineinpasst.

  • Bild Die kleine, leistungsfähige Parrot Anafi Kameradrohne wird inklusive Skycontroller 3 Fernbedienung geliefert. Zum Betrieb benötigst du zusätzlich noch ein Smartphone, auf dem du die kostenlose FreeFlight 6 App von Parrot installieren muss. [Foto: Parrot]

    Die kleine, leistungsfähige Parrot Anafi Kameradrohne wird inklusive Skycontroller 3 Fernbedienung geliefert. Zum Betrieb benötigst du zusätzlich noch ein Smartphone, auf dem du die kostenlose FreeFlight 6 App von Parrot installieren muss. [Foto: Parrot]

Mit der Anafi-Kameradrohne hat der französische Hersteller Parrot letztes Jahr eine sehr kleine und leichte Kameradrohne vorgestellt, die sich auf geringstes Packmaß zusammenfalten lässt. Dennoch ist das Gerät kein Spielzeug, sondern verspricht lange Flugzeit und entzerrte Fotos mit 16 Megapixeln Auflösung oder wahlweise auch Fotos mit 21 Megapixeln als DNG-Rohdaten-Datei, außerdem Videos in 4K-HDR-Qualität.

Die Parrot Anafi Drohne erreicht uns im Extended Kit. Im Lieferumfang sind neben der Drohne samt Ersatzpropeller auch die Fernbedienung ("Sky Controller 3") sowie gleich drei Akkus. Das alles zusammen passt locker in die ebenfalls mitgelieferte Tasche, die sich als überaus praktisch erweist. Im Deckel ist gut geschützt die zusammengeklappte Drohne untergebracht. Ein Aufkleber in der Tasche informiert über die WLAN-Einstellungen. Die stehen natürlich auch auf der Drohne selbst, unter dem Akku. Aber dort sieht man sie ja beim Einrichten nicht und man freut sich über den großen, gut lesbaren Aufkleber in der Tasche.

Auch dass gleich drei Akkus dabei sind, ist natürlich prima. Mit jedem der Akku erreicht die Anafi max. 25 Minuten Flugzeit. Da man aber immer sicher zurückkommen will, wird man den Akku normalerweise nie ganz leerfliegen. Dennoch ist das Kit mit den drei Akkus für insgesamt rund eine Stunde effektive Flugzeit gerüstet. Das ist wirklich sehr üppig. Die Akkus, ebenso wie der Controller, haben jeweils einen modernen USB-C-Anschluss zum Laden. Das gefiel mir besonders gut. Damit benötigt man keine Spezialladegeräte (wie bei den Produkten der Konkurrenz) und kann alle Komponenten des Anafi-Kits mit üblichen USB-C-Ladegeräten vom Smartphone oder Laptop aufladen oder mit jedem üblichen Ladegerät oder Powerpack, das einen USB-Anschluss bereitstellt.

  • Bild Der Parrot Anafi lässt sich extrem schmal zusammenfalten und ist dann etwa so groß wie eine Flasche Wasser. [Foto: Parrot]

    Der Parrot Anafi lässt sich extrem schmal zusammenfalten und ist dann etwa so groß wie eine Flasche Wasser. [Foto: Parrot]

  • Bild Im Lieferumfang des Parrot Anafi ist ein schützendes Semi-Hardcase enthalten. [Foto: Parrot]

    Im Lieferumfang des Parrot Anafi ist ein schützendes Semi-Hardcase enthalten. [Foto: Parrot]

Tipp  Für die 230-Volt-Steckdose gibt es von Drittherstellern sehr preisgünstige Ladegeräte mit mehreren USB-Anschlüssen, mit denen man dann in einem Durchgang alle drei Akkus und den Controller wieder aufladen kann. Dank USB-C geht das Aufladen auch unterwegs, wenn man schon ein 12V-Ladegerät hat. Und Unterwegs lassen sich die Akkus bei Bedarf auch problemlos aus einem Powerpack (Smartphone-Zusatzakku) nachladen.

Die Anafi-Drohne ist nur 320 Gramm leicht und zusammengeklappt sehr schlank. Die vier Arme mit den Propellern auszufalten, geht kinderleicht und erfordert keinen "Lehrgang" wie beispielsweise beim direkten Konkurrenzmodell Mavic Air von DJI. Dafür ist die Haptik insgesamt nur mittelmäßig, was allerdings hauptsächlich der Leichtbauweise geschuldet ist. Rein sachlich lässt sich nichts beanstanden. Alles macht einen stabilen Eindruck, die Arme rasten beim Ausklappen mit einem deutlichen Klacken ein. Dass die winzigen Propellerflügelchen sehr dünn und elastisch sind, ist ebenfalls so ein Ding: natürlich macht das im ersten Moment nicht den besten Eindruck. Aber was sich biegt, bricht nicht, sagt man ja. Da die einzelnen Propeller-Blätter nicht starr, sondern beweglich sind, und sich erst durch die Fliehkraft automatisch ausrichten (und natürlich genauso auch bei dem geringsten Widerstand nachgeben) wird sich daran kaum jemand ernsthaft verletzen können. Überhaupt macht die kleine, leicht Drohne nicht den Eindruck als könne sie größeren Schaden anrichten. Eine Plakette mit seiner Adresse braucht man in Deutschland leider trotzdem, da ihr Gewicht über der dafür entscheidenden Grenze von 250 Gramm liegt.

Verglichen mit der Drohne ist der Controller ein vergleichsweise "dickes" Ding und wiegt auch fast 400 Gramm. Entsprechend macht er einen ganz vertrauenerweckenden, trotzdem irgendwie aber nicht endlos hochwertigen Eindruck – dafür wirken die Tasten und Hebel, insbesondere an der Stirnseite, zu billig. Indem man die WLAN-Antenne ausklappt, schaltet man den Controller ein. Er besitzt, wie in dieser Preisklasse üblich, kein eigenes Display, sondern man klemmt sein Handy in die dafür vorgesehene Spannzange zwischen Controller-Gehäuse und WLAN-Antenne. Die Position fürs Smartphone ist grundsätzlich sehr ergonomisch. Das Einspannen des Smartphones ist etwas hakelig und erfordert erheblichen Kraftaufwand. Dafür sitzt es anschließend bombenfest. Ein Nachteil dieses Art des Einspannens zeigt sich dann aber sofort: Die breite Spannfläche drückt permanent die Lautstärke-Minus-Taste unseres Google Pixel 2 XL. Da hilft es nur das Smartphone ein dezentriert einzuspannen, was wiederum kein Problem ist. Smartphones bis ca. 6 Zoll lassen sich gut einspannen, für Tablet-Computer reicht der Spannbereich nicht aus. Für Tablets bis zur 10-Zoll-Klasse bietet Parrot aber wiederum einen Adapter für 39 Euro an, der dann anstelle des Smartphones eingeklemmt wird und obendrauf sitzt dann das Tablet und man kommt in den Genuss eines Riesen-Displays. Ein Ausschalten des Controllers mit eingespanntem Smartphone geht nicht, da das Ausschalten ausschließlich über das Einklappen der Smartphone-Halterung erfolgt. Hier hätten wir einen separaten Schalter bevorzugt.

  • Bild Der Parrot Anafi kann auf Wunsch auch bis zu 90 Grad nach oben filmen und fotografieren, das ist einzigartig. Die Kamera schaut dabei durch die weit abgespreizten Arme mit den Propellern hindurch. [Foto: Parrot]

    Der Parrot Anafi kann auf Wunsch auch bis zu 90 Grad nach oben filmen und fotografieren, das ist einzigartig. Die Kamera schaut dabei durch die weit abgespreizten Arme mit den Propellern hindurch. [Foto: Parrot]

  • Bild Auf der Unterseite hat der Parrot Anafi die Signal-Leuchte und die Bodenkamera und den Bodensensor für den stabilen Flug in Bodennähe und die sichere Landung. [Foto: Parrot]

    Auf der Unterseite hat der Parrot Anafi die Signal-Leuchte und die Bodenkamera und den Bodensensor für den stabilen Flug in Bodennähe und die sichere Landung. [Foto: Parrot]

  • Bild Die schicke Parrot Anafi Kameradrohne ist konsequent auf Leichtbau getrimmt. Für gute Flugeigenschaften lassen sich die Arme mit den Propellern weit abspreizen. Der intelligente Akku ist austauschbar und wird direkt über USB-C geladen. [Foto: Parrot]

    Die schicke Parrot Anafi Kameradrohne ist konsequent auf Leichtbau getrimmt. Für gute Flugeigenschaften lassen sich die Arme mit den Propellern weit abspreizen. Der intelligente Akku ist austauschbar und wird direkt über USB-C geladen. [Foto: Parrot]

Die Verbindung zum Smartphone erfolgt über eines der mitgelieferten kurzen USB-A auf USB-C-Kabel. Auf dem Smartphone muss die App Parrot FreeFlight 6 installiert sein, die es für Android und iOS gibt und die in den App-Stores überdurchschnittlich gute Bewertungen hat. Tatsächlich erweist sich die App als übersichtlich und vielfältig in den Möglichkeiten. Man kann die App auch ohne Zwangs-Registrierung nutzen. Recht ungewöhnlich bei Drohnen ist die Option der In-App-Käufe, mit denen man Drohnen-Funktionen hinzukaufen kann. Aktuell sind dies "Follow Me" für nur 1,09 Euro sowohl im Apple App-Store als auch im Google Play-Store  (Verfolgung des Smartphones per GPS oder eines Objekts visuell) und "Flight Plan" (Autonome, vorprogrammierte Flüge mit sehr vielen Optionen). Bei letzerem In App-Kauf ist die Preisgestaltung sehr merkwürdig. Während Android-User diese zum Zeitpunkt dieses Tests ebenfalls für nur 1,09 Euro nachrüsten können, müssen Besitzer eines Apple iPhones satte 19,99 Euro für dieselbe Funktion bezahlen.

Die Verbindung von Controller zum Smartphone klappte bei uns bis auf eine Ausnahme immer reibungslos. Die Konfiguration der verschiedenen Parameter der Drohne und der Kameratechnik ist daraufhin selbsterklärend und macht wirklich Spaß. Die Drohne startet und landet automatisch und kehrt präzise zum Ausgangspunkt zurück, wie man es erwarten kann. Wenn man will, kann man sie auch aus der Hand starten. Laden sollte sie aber irgendwo auf einem freien Untergrund. Beim Einschalten summt vernehmlich der in der Anafi eingebaute Lüfter. Dieser kann richtig laut werden, wenn man beispielsweise die Fotos per USB-Kabel vom der eingelegten Speicherkarte auf den PC überträgt. Das dauert zudem sehr lange. Besser, wenn auch fummelig, ist es also die Speicherkarte zu entnehmen und über ein Lesegerät auszulesen.

Im Flug ist die Anafi relativ leise. Es ist eigentlich klar, dass man Tieren mit so einem Gerät nicht allzu sehr auf die Pelle rücken soll. Die Enten, die beim Start am Lübecker Mühlenteich nun aber unvermeidlich anwesend waren, störten sich an der kleinen unauffälligen Drohne aber überhaupt nicht. Ein paar Meter in der Luft hört und sieht man von dem mausgrauen Gerät dann wirklich wenig, was natürlich Vor- und Nachteile hat. Es ist gut, wenn man jemanden dabei hat, der nichts anderes macht, als die Drohne im Blick zu haben, während man selbst eher mit der App auf dem Smartphone beschäftigt ist.

  • Bild Der Parrot Skycontroller 3 hat eine Klemmvorrichtung für Smartphones mit bis zu 6 Zoll großem Bildschirm. Die App FreeFlight 6 dient die Konfiguration des Kopters und zeigt das Live-Bild und die Flugparameter an. [Foto: Parrot]

    Der Parrot Skycontroller 3 hat eine Klemmvorrichtung für Smartphones mit bis zu 6 Zoll großem Bildschirm. Die App FreeFlight 6 dient die Konfiguration des Kopters und zeigt das Live-Bild und die Flugparameter an. [Foto: Parrot]

  • Bild Der Parrot Skycontroller 3 für die Anafi-Drohne lässt sich zwar zusammenfalten, ist aber dennoch recht groß und die Steuerknüppel sind nicht abnehmbar, sodass insgesamt doch ein recht großes Packmaß entsteht. [Foto: Parrot]

    Der Parrot Skycontroller 3 für die Anafi-Drohne lässt sich zwar zusammenfalten, ist aber dennoch recht groß und die Steuerknüppel sind nicht abnehmbar, sodass insgesamt doch ein recht großes Packmaß entsteht. [Foto: Parrot]

  • Bild Neben den Steuerknüppeln für den Flug (auf der Oberseite) besitzt der Parrot Skycontroller 3 auf der Hinterseite die Bedienelemente für die Steuerung der Kamera. [Foto: Parrot]

    Neben den Steuerknüppeln für den Flug (auf der Oberseite) besitzt der Parrot Skycontroller 3 auf der Hinterseite die Bedienelemente für die Steuerung der Kamera. [Foto: Parrot]

Mit dem Controller ist die Reichweite sowohl der reinen Drohnensteuerung als auch in der Livebild-Übertragung sehr zuverlässig. Theoretische Herstellerangaben bringen einem da meistens nichts, weil der Gesetzgeber ohnehin verlangt, dass die Drohne permanent im Auge behalten wird. Wir hatten die Drohne in gut 350 Metern Entfernung und dabei noch einwandfreien Livebild-Empfang, sofern die Antenne am Controller sauber in Richtung Drohne ausgerichtet war (dies schien allerdings langsam die Grenze zu sein) und einwandfreie Steuerung (hier sind vermutlich noch größere Entfernungen drin, aber dann sieht man die Drohne nicht mehr).

Auch ohne Controller lässt sich die Anafi steuern, direkt mit dem Smartphone. Das Live-Bild wird dann in der App durch virtuelle Steuerknüppel überlagert, die sich erstaunlich gut bedienen lassen. Auch für andere Bedienelemente, wie die Neigung der Kamera, werden platzsparende Skalen eingeblendet, sodass man eigentlich nichts vermisst. Lediglich bei der Reichweite sind dann weitaus engere Grenzen gesetzt. Nach rund 50 bis 80 Metern ist Schluss. Schon vorher ist das Livebild häufig ruckelig oder setzt für eine Weile ganz aus. Wer aber mit ganz leichtem Gepäck, also nur der Drohne und dem Smartphone, unterwegs sein will und sie nur im engen Umkreis aufsteigen lassen will, hat diese Möglichkeit zumindest.

Beim Fliegen muss man übrigens durchaus vorsichtig sein, weil die Anafi keinerlei Kollisions-Verhütungs-Sensoren hat. Zwar besitzt sie einen Bodendistanz-Sensor und eine Bodenkamera, um in Bodennähe stabil zu fliegen und sicher zu landen (was auch sehr gut klappt), aber Kollisionsverhütungs-Sensoren fehlen der Anafi völlig und die Drohne würde deshalb ungebremst in Bäume oder gegen andere Hindernisse fliegen, wenn der Pilot das nicht durch umsichtige Steuerung verhindert.

  • Bild Lieferumfang des Parrot Anafi. Ein Ladegerät ist interessanterweise nicht mit dabei, denn sowohl dar Akku des Kopters als auch die Fernbedienung werden zeitgemäß einfach über USB-C (ein Kabel USB-C auf USB-A liegt bei). [Foto: Parrot]

    Lieferumfang des Parrot Anafi. Ein Ladegerät ist interessanterweise nicht mit dabei, denn sowohl dar Akku des Kopters als auch die Fernbedienung werden zeitgemäß einfach über USB-C (ein Kabel USB-C auf USB-A liegt bei). [Foto: Parrot]

Von den direkt eingebauten Modi wollte "Cameraman" bei uns nicht funktionieren. Die Idee dabei ist, ein Objekt im Bild, typischerweise eine Person, zu markieren und die Drohne hält diese dann im Bild. Die Objekterkennung brach bei uns aber immer sofort ab. Die anderen Modi sind ganz nett, Schraube nach oben, beispielsweise. Oder eine 360-Grad-Drehung. Bei anderen Modi, bei denen die Drohne vom aktuellen Standort aus automatisch 30 Meter vor oder 30 Meter zurück fliegt, muss der Pilot sehr darauf achten, dass nichts im Weg ist. Wenn man merkt, dass das schiefgehen könnte und die Drohne irgendwo gegenzufliegen droht, reicht eine Bewegung an einem der beiden Steuerknüppel und der Automatik-Modus stoppt sofort.

Perrot spricht auf seiner Website nach wie vor von einer 3-Achs-Stabilisierung (wie sie heute eigentlich Stand der Technik ist), aber das stimmt so eigentlich nicht. Mit Elektromotoren stabilisiert werden nur die zwei wichtigsten Achsen: horizontal und vertikal. Die Drehbewegung und zusätzlich auch noch die anderen beiden schon elektromechanisch stabilisierten Richtungen werden elektronisch stabilisiert, wodurch extrem stabile Fotos und Videos mit einer Winkelschwingung von nur 0,004° resultieren (Herstellerangabe). Tatsächlich wirken die Videos der Anafi, als wäre die Drohne am Himmel irgendwo festgenagelt. Die Stabilisierung ist wirklich perfekt.

Die Kamera der Parrot Anafi besitzt einen 1/2,4-Zoll-Sensor mit 21 Megapixeln Auflösung und ein Ultraweitwinkel-Objektiv mit 110° Bildwinkel. Daraus lässt sich ein entzerrtes Bild mit immerhin 16 Megapixeln im 4:3-Format gewinnen und für 4K-Videoaufnahmen im Seitenverhältnis 16:9 reicht das auch. Das 17:9-Seitenverhältnis lässt sich nur erreichen, indem man den Cine-Modus auswählt, dann filmt die Anafi im 4096 x 2160 Pixeln (auch 4K-DCI oder Cine-4K genannt) mit 24 fps. Beim 16:9-UHD-4K-Format kann man zwischen 24, 25 oder 30 fps wählen (FullHD geht bis 60 fps). Sogar ein bisschen verlustfrei Zoomen kann man dann noch: bis zum Faktor 1,4 bei 4K oder Faktor 2,8 bei FullHD. Die Datenrate beträgt hohe 100 MBit/s. Kompressionsartefakte treten entsprechend kaum auf, feine Details (Rasen, Blätter usw.) werden dennoch schnell zu einer homogenen Fläche. Das volle Potenzial von 4K-Video schöpft die Anafi nicht aus, was man in dieser Preisklasse aber auch nicht  erwarten darf.

  • Bild Beim Kit Parrot Anafi Extended ist eine größere Tasche dabei und zwei weitere Akkus (und zwei weitere USB-Kabel, hier nicht abgebildet.. [Foto: Parrot]

    Beim Kit Parrot Anafi Extended ist eine größere Tasche dabei und zwei weitere Akkus (und zwei weitere USB-Kabel, hier nicht abgebildet.. [Foto: Parrot]

  • Bild Die Parrot Anafi Extended Tasche bietet, anders als die normale Hülle, nicht nur Platz für die Drohne selbst, sondern auch noch für die zwei zusätzlichen Akkus, den Controller, diverse Kabel, Ersatzpropeller und Bedienungsanleitung oder andere Unterlagen. [Foto: Parrot]

    Die Parrot Anafi Extended Tasche bietet, anders als die normale Hülle, nicht nur Platz für die Drohne selbst, sondern auch noch für die zwei zusätzlichen Akkus, den Controller, diverse Kabel, Ersatzpropeller und Bedienungsanleitung oder andere Unterlagen. [Foto: Parrot]

  • Bild Die Parrot Anafi Extended Tasche bietet, anders als die normale Hülle, nicht nur Platz für die Drohne selbst, sondern auch noch für die zwei zusätzlichen Akkus, den Controller, diverse Kabel, Ersatzpropeller und Bedienungsanleitung oder andere Unterlagen. [Foto: Parrot]

    Die Parrot Anafi Extended Tasche bietet, anders als die normale Hülle, nicht nur Platz für die Drohne selbst, sondern auch noch für die zwei zusätzlichen Akkus, den Controller, diverse Kabel, Ersatzpropeller und Bedienungsanleitung oder andere Unterlagen. [Foto: Parrot]

Bei Fotos kann erfreulicherweise das DNG-Format gewählt werden, also Rohdaten. Da stecken dann die vollen 21 Megapixel drin und nichts ist entzerrt oder beschnitten. Das muss man ggf. in aller Ruhe am PC machen, aber die Arbeit kann sich lohnen, zumal Lightroom das Objektiv-Profil kennt und die Objektiv-Entzerrung ebenso perfekt auf Knopfdruck hinbekommt. Generell sehen die DNGs in Lightroom bereits ohne weiteren Feinschliff für eine Drohne dieser Preisklasse recht gut aus, aber bezüglich der Auflösung darf man sich keine keine unrealistischen Hoffnungen machen. An die Qualität von 1-Zoll-Sensoren kommt dieser natürlich bei Weitem nicht heran. Der kleine Sensor hat zudem offensichtlich wenig Belichtungsspielraum und viele unserer im Automatik-Modus aufgenommenen Testaufnahmen waren oft etwas überbelichtet. Oder die dunklen Bereich soffen ab. Hohe Kontraste sind nicht so das Ding des kleinen Sensors. Da ist es eine prima Sache, dass die Anafi Belichtungsreihen anbietet. Diese zu benutzen, dürfte die Anzahl der gelungenen Fotos deutlich steigern und bietet auch die Möglichkeit der späteren Nachbearbeitung mit einer HDR-Software. Bei Videos hingegen gilt es sehr auf die Belichtung zu achten und am besten die Überbelichtungs-Warnung im Display einzuschalten (zu helle Bereiche werden dann in der App schraffiert dargestellt ("Zebra"), denn am dem Smartphone-Display in der Sonne sieht man sowas sonst nicht.

Das starke Entzerren von Fotos und Videos geht im Randbereich natürlich sehr zu Lasten der Bildqualität. Das ist quasi unvermeidlich. Bei Videos ist das noch nicht so auffällig, da helfen die Auflösung (8,3 Megapixel bei 4K) und das Seitenformat (16:9) das ganz gut zu kaschieren. Bei JPEGs mit 16 Megapixeln und einem 4:3-Format, das deutlich mehr von den die Bildecken des Sensors zeigt, sieht man einen sehr deutlichen Qualitäts- bzw. Auflösungsabfall von der Bildmitte zum Rand und insbesondere zu den Bildecken. Zudem ist der Betrachter bei Standbildern kritischer, weil die Bewegung fehlt, die sonst ablenkt. Auch tritt der Effekt bei den elektronisch entzerrten Fotos und Videos natürlich stärker auf als bei den Aufnahmen in Fisheye-Stellung, die weniger stark bearbeitet werden müssen. An Aufnahmen im Actioncam-Fisheye-Look haben wir uns allerdings mittlerweile gründlich übergesehen, sodass wir uns gewünscht hätten, dass Parrot eine weniger weitwinklige Kamera eingebaut hätte, die idealerweise gar nicht entzerrt werden muss, so wie DJI es bei seinen (preislich höher angesiedelten) Geräten macht. Insgesamt schlägt sich die Anafi aber wacker. Mehr ist aus der gegebenen Kameratechnik einfach nicht herauszuholen. Und mehr Kameratechnik kostet deutlich mehr Geld und wiegt mehr und bedingt dadurch wiederum größere Drohnen, die dann erst recht noch mehr kosten. Ein Teufelskreis sozusagen, der viel Geld kostet. 

Als echte Besonderheit kann man die Kamera übrigens nicht nur nach unten, sondern auch oben schwenken – insgesamt um volle 180 Grad, was eine echte Besonderheit ist. Die Kamera ist nämlich nicht unter, sondern vor dem Kopter montiert und die Propeller stehen weit genug auseinander, sodass die Kamera dort nach oben hindurchfilmen kann. Man könnte also beispielsweise eine Brücke unterfliegen und diese dabei von unten filmen. Oder ein hohes Gebäude aus der Nähe von unten nach oben abfliegen mit nach oben geneigter Kamera, also so wie der Betrachter das Gebäude normalerweise sieht. Das ermöglicht sicherlich ein paar nette Perspektiven, die mit anderen Drohnen nicht möglich sind.

  • Bild Die Parrot FreeFlight 6 Smartphone-App zur Parrot Anafi ist übersichtlich und bietet viele Einstellungsmöglichkeiten. [Foto: MediaNord]

    Die Parrot FreeFlight 6 Smartphone-App zur Parrot Anafi ist übersichtlich und bietet viele Einstellungsmöglichkeiten. [Foto: MediaNord]

  • Bild Standardmäßig ist die maximale Höhe auf 30 Meter und die maximale Entfernung auf 100 Meter eingestellt. Ist Geofence eingeschaltet verlässt die Drohne den erlaubten Bereich nicht. Wer möchte, kann den Bereich ausdehnen oder ganz abschalten. [Foto: MediaNord]

    Standardmäßig ist die maximale Höhe auf 30 Meter und die maximale Entfernung auf 100 Meter eingestellt. Ist Geofence eingeschaltet verlässt die Drohne den erlaubten Bereich nicht. Wer möchte, kann den Bereich ausdehnen oder ganz abschalten. [Foto: MediaNord]

  • Bild Parrot Anafi aus der Hand starte: Hand-Launch in der App drücken, kurz warten, Drohne leicht hochwerfen. [Foto: MediaNord]

    Parrot Anafi aus der Hand starte: Hand-Launch in der App drücken, kurz warten, Drohne leicht hochwerfen. [Foto: MediaNord]

  • Bild Die Anmeldung zum Online-Dienst von Parrot ist nicht verpflichtend. [Foto: MediaNord]

    Die Anmeldung zum Online-Dienst von Parrot ist nicht verpflichtend. [Foto: MediaNord]

Die Parrot Anafi Drohne gibt es in mehreren Kits. Die Grundausstattung enthält nur einen Akku, eine Schutzhülle nur für die Drohne, den Controller und ein Kabel. Der Preis dafür ist seit Markteinführung mit 699 Euro stabil. Offenbar hält Parrot da massiv den Daumen drauf. Für 200 Euro mehr bekommt man das attraktivere Extended-Kit, das insgesamt drei Akkus und drei Kabel enthält, außerdem die praktische, größere Tasche, in die das alles gut hineinpasst (ein Akku kostet einzeln 100 Euro, viel spart mal also nicht). Warum Parrot nicht auch noch allein die Drohne inklusive Akku anbietet (z. B. für 499 Euro) für Leute, denen es reicht, das Gerät im Nahbereich nur mit dem Smartphone zu steuern, erschließt sich uns nicht (zumal man den Controller auch einzeln für 200 Euro kaufen kann).

Fazit

Die Anafi Kameradrohne hat uns gut gefallen. Das Gesamtpaket, insbesondere in dem Extended-Kit mit den drei Akkus und der sehr praktischen und gut verarbeiteten Tasche, ist umfangreich und das Konzept stimmig. Akkus und Controller können unkompliziert per USB-C geladen werden, ein Ladegerät allerdings ist nicht im Lieferumfang. Die Smartphone-App bietet umfangreiche Funktionen und ist sehr gut zu bedienen. Dass man einige fortgeschrittene Flugmodi erst als In-App-Käufe freischalten muss, dürfte manchem missfallen. Auch dass die Drohne in dieser Preisklasse keinerlei Kollisionsverhütungs-Sensoren hat, ist nicht ideal. Dennoch stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis. Die Bildqualität der Fotos und Videos ist der Preisklasse der Drohne angemessen und die Flugdauer pro Akkuladung mit 25 Minuten überdurchschnittlich gut.

  • Bild Bei der Parrot Anafi lohnt es sich definitiv, die Fotos als DNG aufzunehmen und per Rohdatenentwicklung nachzubearbeiten. Dieses Beispiel zeigt, was Adobe Lightroom mit zwei Klicks aus dem Foto macht (Tonwertkorrektur-Automatik plus Objektivkorrektur). [Foto: MediaNord]

    Bei der Parrot Anafi lohnt es sich definitiv, die Fotos als DNG aufzunehmen und per Rohdatenentwicklung nachzubearbeiten. Dieses Beispiel zeigt, was Adobe Lightroom mit zwei Klicks aus dem Foto macht (Tonwertkorrektur-Automatik plus Objektivkorrektur). [Foto: MediaNord]

  • Bild Hier das parallel von der Anafi gespeicherte Original-JPEG. Durch den hellen Himmel ist der Rest des Fotos zu dunkel. Auch das JPEG lässt sich natürlich in der Bildbearbeitung korrigieren, aber das DNG enthält deutlich besseres Ausgangsmaterial. [Foto: MediaNord]

    Hier das parallel von der Anafi gespeicherte Original-JPEG. Durch den hellen Himmel ist der Rest des Fotos zu dunkel. Auch das JPEG lässt sich natürlich in der Bildbearbeitung korrigieren, aber das DNG enthält deutlich besseres Ausgangsmaterial. [Foto: MediaNord]

Vorteile

  • gute Flugdauer pro Akkuladung (25 Minuten)
  • Schwenkbereich der Kamera bis 90 Grad nach oben (und unten)
  • recht gute Bildqualität bei Fotos und Videos
  • umfangreicher, praxisgerechter Lieferumfang beim Extended-Kit
  • leiser als die meisten anderen Drohnen dieser Klasse

Nachteile

  • keine Kollisionsverhütungssensoren
  • starker Auflösungsabfall zum Rand, insbesondere bei entzerrten Fotos
  • einige Flugmodi nur gegen Aufpreis als In-App-Käufe