Ausführlich getestet: Die genialen Aufsteckkameras fürs Smartphone Man nehme eine Digitalkamera, trenne das Objektiv vom Rest und packe noch den Bildsensor hinzu. Nach diesem simplen Rezept hat Sony etwa völlig Neues geschaffen: Kameramodule fürs Smartphone. Die Idee dabei: Das Smartphone übernimmt Steuerung und Bildanzeige, die Module steuern hochwertige Optik und bewährte Bildwandler bei. Auf der IFA 2013 sorgte diese clevere Idee für reichlich Furore, auch mich hat sie begeistert. Jetzt hatte ich Gelegenheit, gleich die beiden Aufsteckkameras QX10 und QX100 auszuprobieren. Geht das Konzept von Sony auf? Oder sind QX10 und QX100 nur nette Gadgets, die eigentlich niemand braucht?

  • Bild Die Kameramodule QX100 und QX10 (im Bild) werden via Bajonett-Adapter ans Smartphone geklippt. [Foto: Sony]

    Die Kameramodule QX100 und QX10 (im Bild) werden via Bajonett-Adapter ans Smartphone geklippt. [Foto: Sony]

  • Bild Alternativ sind die Kameramodule auch in Weiß erhältlich. [Foto: Sony]

    Alternativ sind die Kameramodule auch in Weiß erhältlich. [Foto: Sony]

  • Bild Das Modul QX100 (links) ist deutlich größer und schwerer als das QX10 mit 10-fachem Zoom (rechts). [Foto: Martin Vieten]

    Das Modul QX100 (links) ist deutlich größer und schwerer als das QX10 mit 10-fachem Zoom (rechts). [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Während das kleines Modul QX10 am Smartphone recht handlich bleibt ... [Foto: Martin Vieten]

    Während das kleines Modul QX10 am Smartphone recht handlich bleibt ... [Foto: Martin Vieten]

  • Bild ... ist die Kombination aus Qx100 und Handy nicht mehr ganz so gut ausbalanciert und wird etwas kopflastig. [Foto: Martin Vieten]

    ... ist die Kombination aus Qx100 und Handy nicht mehr ganz so gut ausbalanciert und wird etwas kopflastig. [Foto: Martin Vieten]

  • Bild Der Funktionsumfang via App PlayMemories Mobile ist arg beschränkt. Eine Zeitautomatik (Blendenpriorität) bietet nur das Modul QX100. [Foto: ]

    Der Funktionsumfang via App PlayMemories Mobile ist arg beschränkt. Eine Zeitautomatik (Blendenpriorität) bietet nur das Modul QX100. [Foto: ]

  • Bild Beim Modul QX10 gibt's neben den Vollautomatiken nur eine Programmautomatik zur Belichtungssteuerung. [Foto: ]

    Beim Modul QX10 gibt's neben den Vollautomatiken nur eine Programmautomatik zur Belichtungssteuerung. [Foto: ]

  • Bild Nur beim QX100 möglich: Die Zeitautomatik gestattet die Vorgabe eine Blende – etwa zur Steuerung der Schärfentiefe. [Foto: ]

    Nur beim QX100 möglich: Die Zeitautomatik gestattet die Vorgabe eine Blende – etwa zur Steuerung der Schärfentiefe. [Foto: ]

  • Bild Ebenfalls exklusiv beim QX100: Der Autofokus lässt sich abschalten – hilfreich zum Beispiel beim Videodreh. [Foto: ]

    Ebenfalls exklusiv beim QX100: Der Autofokus lässt sich abschalten – hilfreich zum Beispiel beim Videodreh. [Foto: ]

  • Bild Worauf soll das Kameramodul scharf stellen? Mit einem Fingertipper aufs Display legt man die gewünschte Motivpartie fest. [Foto: ]

    Worauf soll das Kameramodul scharf stellen? Mit einem Fingertipper aufs Display legt man die gewünschte Motivpartie fest. [Foto: ]

Design & Ergonomie

Form follows function. Auf diese einfache Formel lässt sich das Design der QX10 und QX100 reduzieren. Und so versuchen die Smartphone-Aufsteckkameras gar nicht erst, ihre Funktion hinter einem schicken Design zu verstecken. Sie sehen einfach so aus wie sie sein sollen: praktisch. Und praktisch sind die Dinger durchaus. Sie werden einfach mit einer kräftigen Klammer ans Smartphone geklippt und schon mutiert das Handy zur vollständigen (pardon: fast vollständigen) Digitalkamera mit Motorzoom. Abgleitet sind die QX-Module von zwei Cyber-shot-Kameras, das QX10-Modul von der WX200, beim QX100 stand die RX100 Pate. Die Module steuern bei diesen Hybriden Bildsensor, Elektronik und Zoomobjektiv bei, das Smartphone sein Display und die Steuerung via App. Anstatt also zum Smartphone noch eine voluminöse Kompaktkamera mit in die Hand- oder Jackentasche zu stecken, kommt nur das handliche Aufsteckmodul hinzu. Wobei hier das kleine Modul QX10 eindeutig handlicher ist und notfalls auch noch in die Hosentasche passt. Das besser ausgestattete QX100 ist dagegen kaum kompakter als die komplette Kamera RX100, von der es abgeleitet ist.

Eckdaten

Eckdaten
Hersteller Sony Sony
Modell Cyber-shot DSC QX10 Cyber-shot DSC QX100
Preis (UVP) 199 449
Farbvarianten Schwarz, Weiß Schwarz
erhältlich ab sofort sofort
Gehäuse
Gehäusemaße (L x B x H, in mm) 33,3 x 62,5 x 61,8 55,5 x 62,5 x 62,5
Gewicht (in g) 105 179
Speicherkartentyp microSD / Memory Stick Micro microSD / Memory Stick Micro
max. Kapazität k. A. k. A.
Konnektivität
USB (Typ) Micro-USB Micro-USB
WiFi ja ja
Bluetooth nein nein
Pairing-Assistent NFC NFC
Energieversorgung
Akkukapazität (mAh) k. A. k. A.
Typ (wenn Akku ausstauschbar) NP-BN NP-BN
Reichweite (Anzahl Fotos) 220 220
Reichweite (Dauer Video, in min) 110 110

QX10 und QX100 funktionieren ziemlich autonom, sie bringen eine eigene Stromversorgung sowie einen Einschub für eine Speicherkarte im winzigen Format Micro-SD mit. Mit an Bord sind ein Zoomhebel sowie ein Auslöser, notfalls nehmen QX10 und QX100 sogar ohne Verbindung zum Smartphone auf. Doch zur Digitalkamera wie gewohnt werden sie erst, wenn sie sich via WiFi mit einem iPhone, iPad oder Android-Gerät verbunden haben, das mit der Gratis-App Sony PlayMemories Mobile ausgerüstet ist. Das geht mit Androiden deutlich einfacher, da Sony seit Neuestem ganz auf NFC setzt: Einfach beide Geräte direkt aneinanderhalten und nach wenigen Sekunden steht die Verbindung. Da Apple sich NFC nach wie vor verweigert, ist das Pairing etwas umständlicher, hier muss zunächst das Passwort passend zur SSID der QX-Module von Hand eingegeben werden. Das gilt natürlich ebenfalls für Android-Geräte, die kein NFC beherrschen. Sony war übrigens so nett, SSID und Kennwort auf der Innenseite des Akkudeckels zu notieren – so können die wichtigen Daten nicht verloren gehen. 

Sobald Kameramodul und Smartphone miteinander verbunden sind, startet PlayMemories Mobile. Dabei spielt es keine Rolle, ob das QX-Modul ans Smartphone angeklippt ist oder nicht. Man kann es auch in der Hand halten oder ins Bücherregal legen, Hauptsache die WiFi-Verbindung steht. Dann erscheint auf dem Smartphone das Sucherbild. Bedient wird PlayMemories Mobile im Prinzip wie jede andere Kamera-App auch. Ein flottes Gerät ist dabei von Vorteil: Während die Sucheranzeige auf einem Sony Xperia Z1 flüssig und klar jeder Kamerabewegung folgt, stellt mein betagtes iPhone 4 das Sucherbild nur ruckelnd und zuckelnd dar. Dafür lassen sich die QX-Module am iPhone schön mittig anklemmen, beim Xperia Z1 sind da die Bedienelemente des Handys im Weg. Die Kombi mit dem iPhone ist schön ausbalanciert, am Z1 ist sie auf einer Seite deutlich schwerer. Richtig genervt hat mich, dass der an sich vorbildliche Kameraauslöser des Xperia Z1 auch bei angesetztem QX-Modul aktiv ist. Er löst jedoch keineswegs eine Aufnahme mit dem Modul aus, sondern die interne Smartphone-Kamera. Das ist schon lästig genug, so richtig quält einen aber: Sobald man den Auslöser des Xperia Z1 drückt, wird die Verbindung zum QX-Modul gekappt. Da sollte Sony unbedingt noch nachbessern! 

Beiden QX-Modulen hat Sony ein Stativgewinde spendiert; praktisch, wenn man die Winzlinge am Einbeinstativ einmal über einen Zaun oder unters Auto halten möchte. Weniger praktisch ist dagegen, dass der Akku und beim QX100 auch der Speicherkartenschlitz nicht zugänglich sind, wenn der Smartphone-Adapter angesetzt ist. Aber das ließ sich wohl nicht anders lösen. Auch dass Sony die beiden Module mit einem Mini-USB-Anschluss versehen hat, fand ich praktisch. Über diesen Anschluss wird übrigens auch der Wechselakku geladen. Bei beiden Modulen reicht er für ca. 220 Fotos oder 110 Minuten Filmaufnahmen. 

 

Foto & Video

Die Kameramodule QX100 und QX10 steuern also nur die Hardware zur Aufnahme bei, für die Bedienung ist ein Smartphone mit der App PlayMemories Mobile zuständig. Diese App entscheidet letztendlich darüber, was die QX-Module können und was nicht. Um es gleich zu sagen: Es ist herzlich wenig. PlayMemories Mobile stellt in der aktuellen Version 3.2.0 wirklich nur die allernötigsten Grundfunktionen bereit. Dazu gehören gleich zwei Vollautomatiken, von denen die „überlegene Automatik“ ein paar Schmankerl bereithält: Sie kann die Fotos einer Aufnahmeserie zu einem Bild verschmelzen, dessen Qualität deutlich besser ist als die der Einzelfotos. Auf diese Weise kombiniert die Vollautomatik etwa bei sehr kontrastreichen Szenen mehrere unterschiedlich belichtete Fotos zu einem Bild mit detailreichen Schatten und Lichterpartien. Bei Schummerlicht helfen die kombinierten Aufnahmen, Bildrauschen deutlich zu reduzieren, feinste Details jedoch zu wahren. Das sind wirklich pfiffige Funktionen, die ich nicht mehr missen möchte. Dumm nur, dass es bei den QX-Modulen ganz der Vollautomatik überlassen bleibt, ob Spezialfunktionen zum Zuge kommen oder nicht. Eigens vorgegeben, wie bei den eng verwandten Cyber-shot-Kameras lassen sich die Aufnahmeprogramme nicht. Das gilt übrigens generell, PlayMemories Mobile verweigert einem komplett die Wahl eines Motivprogramms – zumindest in der derzeitigen Ausbaustufe.

Kamera

Modell Cyber-shot DSC QX10 Cyber-shot DSC QX100
Sensorgröße (Diagonale, in Zoll) 1/2,3 1
Sensorauflösung (Megapixel) 18,2 20,2
Pixelpitch    
Seitenverhältnis 4:3 2:3
Brennweite (KB equiv., in mm) 25-250 28-100
Lichtstärke F3.3-F5.9 F1.8-F4.9
digitaler Zoom (verlustfrei) - -
digitaler Zoom (mit Verlust) - -
optischer Zoom 10-fach 3,6-fach
Bildstabilisator (Typ) optisch optisch
Videoauflösung (max. Pixel / Bildrate) 1440 x 1080 / 30p 1440 x 1080 / 30p
Mikrofon Stereo Stereo
Autofokus ja ja
Gesichtserkennung ja ja
Serienbilder (Anzahl / Geschwindigkeit) - -
Blitzlicht - -
ISO-Empfindlichkeit automatisch 100 - 3200 100 - 6400
ISO-Empfindlichkeit wählbar nein nein
Vollautomatik ja ja
Motivprogramme (Anzahl) nein nein
Bildeffekte Foto - -
Bildeffekte Video - -

Wer sich nicht auf Gedeih und Verderb darauf verlassen möchte, dass die intelligente oder überlegene Automatik schon das Richtige machen wird, kann QX10 und QX100 auch in die Programmautomatik umschalten. Dabei stellt die Kamera passend zu den Lichtverhältnissen automatisch Belichtungszeit, Blendenöffnung und ISO-Empfindlichkeit ein. Wer mit den Vorgaben nicht einverstanden ist, kann bei dieser Programmautomatik per Belichtungskorrektur für eine hellere oder dunklere Aufnahme sorgen. Zugriff gewährt einem PlayMemories Mobile auch auf den Weißabgleich, der für eine farbneutrale Bildwiedergabe sorgt. Hier stehen Vorgaben für verschiedene Lichtfarben zur Wahl, etwa „Schatten“ oder für „Glühlampen“ sowie eine Automatik. Nur das hochwertigere Modul QX100 bietet noch zwei weitere Möglichkeiten: Im Belichtungsprogramm „Blendenpriorität“ (Zeitautomatik) kann der Fotograf einen Blendenwert vorgeben, die Kamera steuert dann die dazu passende Belichtungszeit. Das gibt einem die Möglichkeit, die Schärfentiefe zu steuern und so etwa ein Portrait ansprechend freigestellt vor einem unscharfen Hintergrund zu zeigen. Außerdem lässt sich das QX100-Modul manuell scharf stellen. Es hat ja von der RX100 das Objektiv mit dem praktischen Einstellring geerbt, der hier zum Fokusring wird. Dumm nur, dass es keinerlei Assistenten fürs manuelle Fokussieren gibt – keine Fokuslupe, keine Markierung von Kontrastkanten in der Schärfezone, noch nicht einmal ein Skala, die die Entfernungseinstellung zeigt. Da wird das manuelle Fokussieren zum Vabanque-Spiel. Ich habe ganz schnell wieder auf den Autofokus umgeschaltet. Der Autofokus reagiert bei beiden Modulen recht flott, lässt einen aber im Dunkeln darüber, auf welche Motivpartie er scharf gestellt hat. Immerhin wartet PlayMemories Mobile mit einem Touch-Fokus auf:  Einfach die Stelle auf dem Display antippen, auf die scharf gestellt werden soll.

Fehlanzeige dagegen bei vielen Kamerafunktionen, die sogar bei Billig-Apparaten vom Lebensmitteldiscounter dazu gehören: Keine Serienaufnahmen, keine Bildeffekte, ein Blitzlicht fehlt sowieso. Immerhin warten beide QX-Module mit einem optischen Bildstabilisator auf, der die Gefahr verwackelter Aufnahmen deutlich reduziert. Sogar freihändig aufgenommene Videos kann man betrachten, ohne gleich Seekrank zu werden.

Apropos Videoaufnahmen: Hier gibt es noch weniger Einstellmöglichkeiten. Beide QX-Module filmen mit einer etwas ungewöhnlichen Auflösung von 1440 x 1080 Pixel bei 30 Vollbildern je Sekunde, der Ton wird in Stereo aufgezeichnet. In die Belichtungssteuerung lässt sich nicht eingreifen, immerhin kann man beim QX100 den Autofokus abschalten. Dieser findet beim Videodreh übrigens sein Ziel etwas zögerlich, aber immerhin ohne lästiges Fokuspumpen.

 

Fortsetzung auf Seite 2