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Und die Sony FDR-X3000 stabilisiert nun als einzige Actioncam 4K-Videos. Dank Boss. Bzw. B.O.SS., alias Balanced Optical SteadyShot. Das ist eine Technik, bei der im Gegensatz zu bewegten Linsen oder einem bewegten Bildsensor die gesamte Optikeinheit, also Objektiv inklusive Bildsensor, beweglich gelagert und dadurch aktiv gedämpft ist. Und das funktioniert exorbitant gut! Und auch bei 4K-Videos! Etwas schleierhaft ist die Sache, denn es gibt im Menü drei verschiedene Stufen: Aus, "Standard" und "Active". Was der Unterschied zwischen "Standard" und "Active" ist, dazu gibt die Anleitung keine Auskunft. Es ist ganz offenbar so etwas wie "mittlere Wirkung" und "starke Wirkung". Schaut man sich den Bildausschnitt an, am besten im Labor, dann sieht man, dass sich der Bildausschnitt bei aktiviertem "Standard"-Bildstabilisator etwas verkleinert und in der Stellung "Active" noch etwas mehr verkleinert. Warum das so ist, darauf kann ich mir auch nicht wirklich einen Reim machen. Auf den ersten Blick "riecht" das doch nach elektronischer Stabilisierung, ist es aber nicht. Der Stabilisierungswinkel, beispielsweise beim Neigen der Kamera, ist weitaus größer als der kleine Bildwinkelverlust beim Zuschalten des Stabilisators. Diesen kann man übrigens ganz leise summen hören, wenn die Kamera mit eingeschaltetem Stabilisator läuft.

  • Bild Auf der Unterseite der Sony FDR-X3000R befindet sich neben dem Metall-Stativgewinde (mit "Videopin"-Loch als Verdrehschutz) der Speicherkartensteckplatz. [Foto: Sony]

    Auf der Unterseite der Sony FDR-X3000R befindet sich neben dem Metall-Stativgewinde (mit "Videopin"-Loch als Verdrehschutz) der Speicherkartensteckplatz. [Foto: Sony]

  • Bild Bei der Sony FDR-X3000 sitzt der Akku seitlich bequem wechselbar unter einer spritzwassergeschützten Klappe. Einen Zweitakku zu kaufen, ist definitiv eine sinnvolle Investition. [Foto: Sony]

    Bei der Sony FDR-X3000 sitzt der Akku seitlich bequem wechselbar unter einer spritzwassergeschützten Klappe. Einen Zweitakku zu kaufen, ist definitiv eine sinnvolle Investition. [Foto: Sony]

  • Bild Vorbildlich: Die Schnittstellen der Sony FDR-X3000 unter einer spritzwasserdichten Klappe sind im Betrieb ohne Gehäuse problemlos zugänglich. Ein Mikrofon kann direkt angeschlossen werden. [Foto: MediaNord]

    Vorbildlich: Die Schnittstellen der Sony FDR-X3000 unter einer spritzwasserdichten Klappe sind im Betrieb ohne Gehäuse problemlos zugänglich. Ein Mikrofon kann direkt angeschlossen werden. [Foto: MediaNord]

Ausgleichen kann die Kamera mit dem Stabilisator übrigens klassische Verwacklungen, also Stöße horizontal und vertikal, aber auch Neigebewegungen. Drehbewegungen hingegen (Bewegung der Kamera um die Objektivachse) werden nicht so gut ausgeglichen. Wie exzellent die Stabilisierung funktioniert, zeigt eindrucksvoll unser Segel-Video. Das kleine Boot stampft erheblich in den kurzen Wellen und mit ihr die fest an einer Relingstütze montierte Kamera. Der Horizont bleibt dennoch, wo er ist – und schön waagerecht – jedenfalls bis es die Wellen allzu grob treiben. Bei der Vorbeifahrt an der Ansteuerungstonne löse ich kurz den zuvor festgeknallten Kugelkopf und ziehe die Kamera herum. In dem Moment kannst du sehen, dass die Kamera mit dem Ausgleich der nun in Objektivachse verlaufenden Drehbewegungen der Wellen völlig überfordert ist. Sobald die Kamera nach hinten schaut, kehrt wieder Ruhe ein. Der B.O.SS. macht seinen Job extrem gut!

Bei einer kurzen Radfahrt auf sehr schlechter Wegstrecke mit erheblichen Schlaglöchern war mein Eindruck ähnlich gut. Dabei machen vor allem die Schläge, aber natürlich auch die Neigungen des gesamten Fahrrads, dem Bildstabilisator eine Menge Arbeit. Einiges davon schlägt durch, gerade die großen Lenkausschläge beim Versuch die Schlaglöcher zu umfahren, kann er natürlich nicht ausgleichen. Besser noch als am Lenker wäre die Kamera dabei sicherlich in einer Halterung vor der Brust des Fahrers untergebracht. Hochfrequente Schwingungen, z. B. von Motoren, können den Stabilisator übrigens anscheinend aus dem Tritt bringen. Für solche Fälle bietet Sony ein Dämpfungselement als Zubehör an, das zwischen Kamera oder Gehäuse und der Halterung gesetzt wird.

Beispielvideo

Bild- und Tonqualität

Neben der Stabilisierung entscheidet die interne Videobildverarbeitung über die Qualität, die letztlich auf der Speicherkarte ankommt. Hier liefert die Sony FDR-X3000 das bekannt gute Niveau, das man etwa von dem Vorgängermodell FDR-X1000V schon kennt. Je nach eingestellten Parametern haben die Videos Bitraten von bis zu 100 Mbit/s, in der Praxis waren es bei uns eher maximal 90 Mbit/s. Die Videos sind gut. Kompressionsartefakte oder ein zu weiches Bild sind nicht zu bemängeln. Wer etwas sparsamer mit dem Speicherplatz umgehen möchte, kann die Bitrate auf max. 60 Mbit/s (bei uns in der Praxis eher 55 Mbit/s) drosseln. Diese Qualitätsstufe reicht meist völlig aus. Bei hochauflösenden 4K-Videos erkennt man, dass das Objektiv und der kleine Bildsensor den limitierenden Faktor darstellen. Schaltest du die Auflösung auf FullHD herunter, erhältst du 1080p-Videos in höchster Qualität, an der es wirklich gar nichts auszusetzen gibt. Aber der direkte Vergleich des exzellenten FullHD-Videos zum "nur guten" 4K-Video offenbart auch deutlich: Das eigentliche "4K-Versprechen", nämlich dass die 4K-Videos die vierfache Pixelzahl und entsprechend mehr Informationen enthalten, löst die Sony FDR-X3000 nicht ein. Bei unseren Studio-Aufnahmen sind beispielsweise in der Augenoptiker-Testtafel bei FullHD fünf von 10 Zeilen entzifferbar, bei 4K ist es gerade mal eine Zeile mehr. Auch die Holzmaserung des Lineals kann die Kamera nicht wirklich herausarbeiten. Für eine Actioncam ist das derzeit noch als Stand der Technik hinzunehmen. "Richtige" Kameras, mit größeren Sensoren und Objetiven, können das aber deutlich besser. Die Verzeichnung des Objektivs ist natürlich aufgrund des großen Bildwinkels deutlich vorhanden, fällt aber durchaus weniger auf als bei manchem Mitbewerber-Modell mit noch größerem Bildwinkel. Zudem tut die leichte Bildwinkelreduzierung in der stärkstem Bildstabilisierungsstufe durchaus gut. Zu den Bildecken hin nimmt die Bildqualität kaum ab. Auch die oft zu beobachtenden Farbsäume treten dort nicht auf.

Der Stereoton ist ohne Schutzgehäuse sehr gut, mit Schutzgehäuse praktisch nicht vorhanden bzw. nur mechanisch aufs Gehäuse übertragene Schwingungen werden aufgezeichnet. Dank Stativgewinde und Spritzwasserschutz kannst du die Kamera in vielen Situation sehr gut ohne Schutzgehäuse betreiben. Allerdings ist das Objektiv der Kamera dann völlig ungeschützt immer an vorderster Front, was natürlich leicht zu Beschädigungen führen kann.

Das Thema "Foto" ist bei der Sony FDR-X3000 eigentlich schnell abgehandelt: Die Fotos sehen nahezu genauso aus wie die Videos, denn in der Kamera steckt ja der 16:9-Sensor mit "fast 4K-Auflösung". Die 8,2 Megapixel werden zum Foto dann völlig sinnfrei und ohne jeden Qualitätsgewinn auf 12 Megapixel (4624 x 2600 Pixel) aufgepustet. Sieht im Datenblatt halt besser aus. Auf dem Bildschirm allerdings nicht, denn durch die Interpolation wird das Bild natürlich etwas unschärfer. Herunterskaliert auf einem 4K-Monitor sehen die Fotos dann wieder gut aus – genau so gut wie die Videos.

Fazit

Das kleine Gehäuse der Sony FDR-X3000 lässt sich vielseitig montieren, die Live-View-Fernbedienung arbeitet zuverlässig als externer Monitor auch über größere Distanzen. Die Bedienung ist recht einfach und kann wahlweise direkt an der Kamera oder identisch über die Fernbedienung erfolgen. Die Bildqualität bei FullHD-Auflösung ist praktisch perfekt. Die 4K-Aufnahmen sind weit entfernt davon, die 4-fache FullHD-Auflösung zu bieten, haben aber dennoch eine gute Qualität, zumal sie optisch stabilisiert und damit professionell ruhig sind. Schon allein deshalb besitzt die FDR-X3000 ein wichtiges Alleinstellungsmerkmal, das sie derzeit bei 4K-Aufnahmen alternativlos erscheinen lässt und den hohen Preis rechtfertigt.

Vorteile

  • derzeit einzige Actioncam mit optischem Bildstabilisator
  • Bildstabilisierung funktioniert sehr gut und auch bei 4K-Videos
  • sehr gute Videobildqualität
  • kleines, leichtes Gehäuse mit separater Liveview-Fernbedienung

Nachteile

  • Fotobildqualität bietet kein nennenswertes Plus gegenüber Video