Günstige Actioncam Irgendwie können wir es nicht lassen und sondieren den Markt nach sehr günstigen Digitalkameras, die unsere recht hohen Qualitätsanforderungen befriedigen könnten. Eine versprach die Elephone Explorer zu sein, warb die Kamera doch mit FullHD bis 60 fps, 1440p mit 30 fps und sogar 4K, allerdings mit 15 fps. Dazu einen für Actioncams großen 2-Zoll-Monitor und einen riesigen, kompletten Lieferumfang inklusive 30-Meter-Unterwassergehäuse, Lenkerhalterung und diversem anderen Zubehör. Das ganze für weniger als 80 Euro inklusive Einfuhrabgaben direkt aus China. Und diesmal ging die Rechnung auf.

  • Bild Elephone Explorer in Schwarz. [Foto: Elephone]

    Elephone Explorer in Schwarz. [Foto: Elephone]

  • Bild Für eine Actioncam dieser Preisklasse ist ein 2 Zoll großer Bildschirm alles andere als selbstverständlich. [Foto: Elephone]

    Für eine Actioncam dieser Preisklasse ist ein 2 Zoll großer Bildschirm alles andere als selbstverständlich. [Foto: Elephone]

Mit scheinbar sehr preisgünstigen Actioncam-Direktimporten aus China hatten wir nicht immer Glück. Mitunter versprachen die Geräte deutlich mehr als sie hielten. Unter den Hochstaplern waren insbesondere auch Geräte aus dem Haus SJCam, von den Kameras dieses Herstellers wollen wir uns eigentlich künftig fernhalten. Insofern war der Schreck im erstem Moment groß, als sich die von GearBest gelieferte Elephone Explorer Actioncam beim Auspacken als waschechte SJCam entpuppte. Sämtliches Zubehör kannten wir schon 1:1 von SJCam SJ5000X. Der Hersteller ist bekannt dafür Actioncams sowohl unter seiner eigenen Marke zu vertreiben als auch für zahllose andere Marken die Kameras zu bauen. Äußerlich sehen sich die Kameras immer sehr ähnlich. Die Kameras sind in der Regel in vielen verschiedenen Farben erhältlich, wobei sich tatsächlich lediglich die Front unterscheidet. Der Rest der Kameras ist immer schwarz und seitlich haben sie fast immer die markante "SJCam-Noppenstruktur" oder ein ähnlich schräges Muster. Das Design ist immer ein "GoPro-Klon", d. h. es sieht dem großen Vorbild sehr ähnlich. 

Markant ist immer auch das sehr umfangreiche Zubehör und die meist für den Preis exzellente Ausstattung. Die Verarbeitung ist "normal ordentlich", nicht super hochwertig, aber auch wirklich kein Schrott. Die Gehäuse unterscheiden sich vor allem in der Anzahl und Anordnung der Kontrollleuchten und darin, ob sie einen Monitor haben und welche Bildschirmdiagonale der hat. Im Inneren der verschiedenen SJCam-Modelle werkeln allerdings höchst unterschiedliche Chipsätze, Bildsensoren und Monitor-Panels und wie man hört, werden die auch gern mal in der laufenden Serie, d. h. unter der gleichen Typenbezeichnung, verändert, sodass man nicht immer weiß, was man wirklich bekommt.

Elephone ist ein Smartphone-Hersteller aus Hongkong und steht im Ruf preisgünstige, gute Smartphones zu bauen. Das Sortiment umfasst aber auch diverses Smartphone-Zubehör und als solches sieht der Hersteller ganz offenbar auch Actioncams. So befinden sich im Zubehör auch zwei Actioncams namens Explorer, Spitzname "Ele-Cam" für Elephone Camera und Explorer Pro. Beide Kameras kommen augenscheinlich aus dem Hause SJCam, unterscheiden sich aber im Design der Frontplatte einerseits und haben andererseits zudem den Daten nach ein komplett anderes Innenleben (Chipsatz, Bildsensor usw.). Wir haben uns zunächst die normale Version "Explorer" angeschaut, die Ende vergangenen Jahres auf den Markt kam. Wie bei chinesischen B-Marken nicht ungewöhnlich, wirbt der Hersteller mit detaillierten technischen Informationen, darunter auch dem verwendeten Chipsatz (System on Chip, kurz SoC) und dem eingebauten Bildsensor. Gleichzeitig prangt ein fettes "4K" auf der Front und der Elephone spricht von 4K-Auflösung mit 15 Bildern pro Sekunde. Das wiederum können die verwendeten Komponenten jedoch gar nicht leisten: Der Bildsensor – das kann jeder nachlesen, der nach dem von Elephone angegebenen OmniVision OV4689 Bildsensor googelt – hat überhaupt nur 4 Megapixel und nicht 8,3, die er für 4K-Auflösung ja haben müsste. Vermutlich ist die 4K-Auflösung also interpoliert. Ein bisschen gemogelt wird bei den günstigen China-Marken eben doch oft.

Aber der Preis ist heiß. Umgerechnet nur rund 60 Euro kostet das Gerät aktuell bei GearBest bei kostenfreiem Versand nach Deutschland. Hinzu kommen dann noch die Einfuhrabwicklung in Deutschland und die Einfuhr-Umsatzsteuer. In unserem Fall waren das 17,52 Euro, insgesamt also nicht einmal 80 Euro. Wie die diversen Smartphones von Elephone bekommt ihr die Kamera aber auch z. B. bei Amazon für etwas unter 100 Euro. Dann bestellst du effektiv aber auch bei einem chinesischen Marketplace-Händler. Der Versand erfolgt dann allerdings aus dem Amazon-Lager. 

  • Bild Das Unterwassergehäuse der Elephone Explorer ist bis 30 Meter wasserdicht. [Foto: Elephone]

    Das Unterwassergehäuse der Elephone Explorer ist bis 30 Meter wasserdicht. [Foto: Elephone]

  • Bild Durch die klare Rückwand des Gehäuses hast du freien Blick auf den 2-Zoll-Bildschirm der Elephone Explorer Actioncam. [Foto: Elephone]

    Durch die klare Rückwand des Gehäuses hast du freien Blick auf den 2-Zoll-Bildschirm der Elephone Explorer Actioncam. [Foto: Elephone]

  • Bild Verriegelung und Verarbeitung des Gehäuses sind einwandfrei und auf dem Qualitätsniveau der bekannten Marken. [Foto: GearBest]

    Verriegelung und Verarbeitung des Gehäuses sind einwandfrei und auf dem Qualitätsniveau der bekannten Marken. [Foto: GearBest]

Falls dir von den folgenden Textpassagen etwas bekannt vorkommt, dann liegst du richtig. Da die Kamera von der Ausstattung und Bedienung hier hahezu identisch mit der SJCam 5000 Plus ist, haben wir einige Textpassagen aus dem Test dieser Kamera übernommen.

Aufbau und Bedienung

Vorderseitig an der Kamera sitzt das Objektiv mit einem Weitwinkel von 170 Grad. Die Vorderfläche ist farbig lackiert. Im Gegesatz zu den SJCams der 5000er-Serie hat die Elephone Explorer keinerlei Status-LED auf der Front. Dort sitzt lediglich die Ein-/Aus- bzw. Modus-Taste. Auf der Oberseite mit geriffelter gummiartig beschichteter Oberfläche ist der Auslöser für Foto wie Video angebracht. In die Rückseite ist das 2 Zoll in der Diagonale messende LED-Display eingelassen. An der linken Seitenfläche befinden sich Pfeiltasten zum Navigieren in Menüs sowie ein WiFi-Button, der die Drahtlosverbindung aktiviert. Auf der gegenüberliegenden Seite liegen ungeschützt die Schnittstellen für MicroUSB und MicroHDMI zusammen mit dem MicroSD-Kartenslot – hierfür gibt es auch keine Schutzklappe, auch nicht optional. Somit ist die Actioncam ohne Schutzgehäuse draußen nur mit Vorsicht einzusetzen, da sie an den Schnittstellen weder Staub noch Spritzwasser etwas entgegenzusetzen hat. Der Akku wiederum verfügt über eine Klappe und die befindet sich an der Unterseite des Gehäuses. Um sie zu öffnen, musst du einen kleinen Schieber betätigen, der den Verschluss daraufhin freigibt. Danach musst du aufpassen, dass du die Schutzklappe nicht verlierst, denn sie ist nicht mit dem Gehäuse verbunden. Ein Stativgewinde besitzt die Kamera nicht – auch das wasserfeste Gehäuse weist keines auf. Erst durch eine spezielle Platte, die du unter das Unterwassergehäuse schnallst, erhältst du den Stativ-Anschluss. Alternativ ist eine Klemmbefestigung dabei, mit der du die Kamera ohne Schutzgehäuse entweder an deiner Kleidung oder auf einer Halterung mit Stativgewinde befestigen kannst. Dazu hat die Klemm-Halterung oben und unten ein Stativgewinde. Das ist aber nur von sehr wenig Kunststoff umgeben, hat also eigentlich überhaupt keine Auflagefläche. Die Kamera hängt also einzig und allein im Stativgewinde und löst sich dadurch sehr leicht.

Einstellungs-Vielfalt

Schaltest du die Elephone Explorer nun über den vorderseitigen Knopf ein, ertönt eine einfache Glockenspiel-Melodie. Alle anderen Aktionen sind mit „seriösen“ Pieptönen unterlegt. Mit dem Mode-Knopf schaltest du zunächst mal die Modi "Video", "Foto", "Zeitraffer-Video" und "Wiedergabe" durch. Danach kommt das Setup-Menü. In das gelangst du mit dem "OK/Auslöser"-Knopf auf der Oberseite der Kamera und kannst dich dann wiederum mit der Mode-Taste auf der Front durch die vier Registerkarten navigieren, während die seitlichen Hoch/Runter-Tasten nach oben und unten navigieren. Mit OK/Auslöser gehst du in die ausgewählten Menüpunkte hinein und kannst dort wiederum die richtige Einstellung wählen (mit Hoch/Runter) und bestätigen (mit OK). Das Hauptmenü ist vernünftig designt und sogar leidlich gut auf deutsch übersetzt (wir empfehlen dennoch Englisch als Spracheinstellung). Alles einwandfrei! Daran gibt es wirklich nichts zu meckern. Es gibt auch fast nichts, das du nicht einstellen kannst. Es geht doch nichts über einen vernünftigen Monitor und ein Bildschirm-Menü. Die Smartphone-App, mit der du die Einstellungen auch vornehmen kannst, brauchst du im Grunde gar nicht.

Fortsetzung auf Seite 2