Design & Ergonomie
Das Nokia Lumia 925 ist seit Juli auf dem Markt und folgt dem Lumia 920 nach. Neu beim 925er ist ein massiver Alurahmen, der Glasfront und Kunststoffrückseite trägt. Obwohl das 920 komplett in Kunststoff gekleidet war, gefiel mir dessen Design und Materialauswahl besser, sein massives Polycarbonat-Gehäuse war gradliniger und schnörkelloser. Ein spürbarer Vorteil der neuen Konstruktion allerdings: Die Kombination aus Alurahmen und Kunststoffrückseite macht das Lumia 925 leichter.
Nicht erst seit dem unlängst verkündeten Verkauf der Smartphone-Sparte an Microsoft setzt Nokia auf das Betriebssystem Windows Phone 8. Es ist leicht bedienbar, lange einarbeiten muss man sich nicht. Auf einen Satz reduziert könnte man Windows Phone 8 beschreiben mit „Belaste den Smartphone-Besitzer nicht mit unnötigen Informationen, Abfragen und Eingaben!“. Herausgekommen ist dabei eine extrem aufgeräumte Bedienoberfläche, die manchem Android-Anwender jedoch vielleicht zu puristisch ist.
Eckpunkte
| Hersteller | Nokia |
| Modell | Lumina 925 |
| Preis (UVP) | 469 Euro |
| Farbvarianten | Schwarz, Weiß, Silber |
| erhältlich ab | Mai 2013 |
| Computing | |
| Betriebssystem | Windows 8 |
| Prozessor | Snapdragon S4 Plus 2 x 1,5 GHz |
| RAM | 1 GB |
| Massenspeicher (intern / verfügbar) | 16 GB / k. A. |
| extern | – |
| Display | |
| Größe (Diagonale) | 4,5“ (11,43 cm) |
| Auflösung (Pixel / ppi) | 1.280 x 768 / 332 |
| Schnittstellen | Bluetooth 3.0, Micro-USB 2.0, WLAN |
| Gehäuse | |
| Größe (in mm) | 129 x 70,6 x 8,5 |
| Gewicht (in g) | 139 |
| sonstiges | – |
| Energieversorgung | |
| Akkukapazität (in mAh) | 2000 |
| Gesprächszeit (GSM / UMTS in h) | 18,3 / 12,8 |
| Standby-Zeit (GSM / UMTS in h) | 432 / 440 |
Der zweite wichtige Unterschied des neuen 925 zum 920: das Display in AMOLED-Technik. Mit 4,5 Zoll Bilddiagonale und einer Auflösung von 1280 x 768 Pixel (Pixeldichte 334 ppi) lässt sich auch aus seitlichen Blickwinkeln ohne Farbverfälschungen gut ablesen und gibt kaum Anlass zur Kritik. Draußen bei Tageslicht wünche ich es mir manchmal etwas heller. Bei sehr hellem Sonnenlicht ist es, gerade auch als Kameramonitor, zu dunkel. Beschatten mit der Hand hilft dann.
Insgesamt kann man das 925 noch als Hosentaschen-tauglich bezeichnen. Durch seine rundum abgerundete Ecken und Kanten schmiegt es sich zudem gut an. Einhandbedienung ist kein Problem. Wie bei Handys mit Windows Phone üblich, bietet auch das Lumia 925 eine zweistufige Taste für den Kameraauslöser. Sie sitzt dort, wo man sie erwartet: oben rechts, wenn man die Kamera quer hält. Im Stand-by-Modus genügt ein langer Druck auf diese Taste, und die Kamera ist aufnahmebereit. Die Arbeitsgeschwindigkeit ist mit allen Programmen sehr flüssig, die Bedienung des Touchscreens sehr zuverlässig.
Foto & Video
Beim 920er und seinem Nachfolger Lumia 925 bewirbt Nokia dessen herausragende Kameraleistung. „PureView Carl Zeiss“ steht auf der Rückseite neben dem Nokia-Logo. Die Technik soll eine überdurchschnittliche Bildqualität liefern – nicht hauptsächlich durch hohe Auflösung, sondern vor allem mit einer gute Low-Light-Fähigkeit. Nokia wirbt, dass damit sogar Nachtaufnahmen möglich seien. Der Sensor löst 8,7 Megapixel auf. Das Zeiss-Objektiv hat eine Brennweite von 26 Millimeter bei Blende F2.0; das ist wirklich lichtstark.
Das Konzept der reduzierten Bedienoberfläche zieht sich durch fast alle Windows Phone Applikationen durch. Das führt bei den Kameraprogrammen der Nokia Lumia 925 so weit, dass man nicht einmal erfährt, wie groß die Bilder eigentlich werden. Man kann zwar zwischen 16:9 und 4:3 Bildseitenverhältnis umschalten. Aber welches Seitenverhältnis wie viele Megapixel repräsentiert, das gibt die Bedienoberfläche nicht preis. Damit bleibt zunächst die Frage: Welches Seitenverhältnis hat der Sensor eigentlich und bei wird welchem Seitenverhältnis gegebenenfalls etwas abgeschnitten? Das zeigt sich erst bei den Aufnahmen, und da wird es interessant! Je nach „Bildverhältnis“ (korrekter wäre „Seitenverhältnis“) fotografiert das Lumia 925 mit 8 Megapixel (4:3, 3264 x 2448 Bildpunkte) oder 7,1 Megapixel (16:9, 3552 x 2000 Bildpunkte). Beim Nokia Lumia 925 sind 16:9-Bilder also nicht einfach beschnittene 4:3-Aufnahmen, sondern die Fotos werden breiter. Das erklärt auch, wieso Nokia die Sensor-Auflösung mit 8,7 Megapixel angibt, aber maximal 8 Megapixel dabei herauskommen. Der Sensor des Lumia 925 schöpft für jedes Seitenverhältnis den Bildkreis des Objektivs voll aus. Damit bleiben auch die 26 mm Weitwinkelbrennweite im 16:9-Format erhalten, was unsere Testaufnahmen bestätigen.
Die weiteren Einstellmöglichkeiten sind die üblichen: Motivprogramme, ISO-Wert, Belichtungskorrektur, Weißabgleich, Autofokus-Hilfslicht, Blitz (zwei wirklich sehr helle Leuchtdioden), Umschalten auf Frontkamera oder auf Video-Betrieb. Sehr praktisch: Beim Lumia 925 lässt sich ganz einfach zwischen allen Apps umschalten, die fotografieren oder filmen können. Zwei Fingertipper genügen, um eine andere Aufnahme-App zu aktivieren. Beispielsweise die App zum Anfertigen einer 180-Grad-Panorama-Aufnahme, Programme wie SophieLens (Bildverfremdungen mit einigen zusätzlichen kostenlosen Filtern für Nokia) oder die Nokia Apps „Cinemagraph“ (Animierte GIFs) oder „Smart Cam“ mit der man nach einer Serienaufnahme allerlei lustige und nützliche Sachen anstellen kann. Mit in diese Liste gehöre auch natürlich die Apps von Facebook oder Twitter. Eben alles, was fotografiert oder filmt.
Kameradaten
| Sensor (Größe / Auflösung / Pixelpitch) | 1/3" / 8,7 Megapixel / k. A. |
| Optik (Brennweite / Lichtstärke) | ca. 26 mm / F2.0 |
| Frontkamera (Foto / Video) | 2 Megapixel / 1080p |
| Foto | |
| Auflösung (Pixel) | k. A. |
| Zoom (verlustfrei / verlustbehaftet) | – / 4x |
| Blitz | LED |
| Fokus | Autofokus |
| AF-Funktionen | Gesichts- und Lächelerkennung |
| Empfindlichkeit | ISO 100 bis ISO 3200 |
| manuell wählbar | k. A. |
| Vollautomatik | ja |
| Motivprogramm wählbar / Anzahl | ja / 6 |
| Effekt wählbar / Anzahl | ja / k. A. |
| Sonderfunktionen | Optischer Bildstabilisator |
| Video | |
| Auflösung (max.) | 1920 x 1080 (Full-HD) |
| bei Bildfrequenz | 30p |
| Ton | Stereo |
| Sonderfunktionen | Foto- und Videoupload |
Dass man sich unter Windows Phone 8 nicht sklavisch an die extrem reduzierte Benutzeroberfläche halten muss, beweist die Foto-App „Nokia Pro Cam“. Sie war bei meinem Testgerät allerdings nicht ab Werk installiert, ist aber schnell und kostenlos aus dem App-Store geholt. Nokia Pro Cam hält nicht nur ein paar zusätzliche Features bereit (zum Beispiel verschiedene einblendbare Gitter), sondern gewährt vor allem Zugriff auf den vollen Einstellungsumfang. Wer sich nicht auf die Vollautomatik der integrierten Foto-App verlassen möchte, wird dies zu schätzen wissen. Dass eine solche „Pro“ Foto-App aber nicht noch weitere nützliche Funktionen anbietet, ist schade. Zum Beispiel eine Wasserwage, die Sensorik dazu ist ja sowieso schon im Smartphone eingebaut. Immerhin hat die Pro-App ein Lernprogramm für Einsteiger, das einige fotografische Grundlagen sehr anschaulich erklärt. Cool: Das Lernprogramm simuliert die Wirkung der verschiedenen Einstellmöglichkeiten; genau so, als würde man tatsächlich mit der Nokia Pro Cam App fotografieren. Und – das muss zur Ehrenrettung gesagt werden – über die App lässt sich wirklich viel manuell einstellen, sogar die Belichtungszeit und es besteht die Möglichkeit zur manuellen Fokussierung. Das alles lässt sich nach kurzer Eingewöhnungszeit schnell, bequem und sicher über eine halbkreisförmige Daumenbewegung bedienen. Zoomen kann man mit dem Lumia 925 auch, wobei das Smartphone jedoch einfach nur die Bilddatei zuschneidet und dann den Ausschnitt vergrößert. Dieses Digitalzoom macht bei 8,7 Megapixel Nominalauflösung aber natürlich nicht wirklich Sinn, geht es doch sehr zu Lasten der Bildqualität. Wer dennoch nicht darauf verzichten kann: Gezoomt wird über senkrechtes Hochstreichen auf dem Bildschirm – darauf muss man erst einmal kommen! Die Live-Bildanzeige reagiert schnell und ist auch bei Sonnenlicht noch einigermaßen ablesbar. Bei Dunkelheit sorgen zwei sehr helle LEDs für etwas Licht im Nahbereich.
Werfen wir noch einen Blick auf die anderen mitgelieferten Foto Apps von Nokia. Nokia SmartCam ist eine herrliche Spielerei, die wirklich Spaß macht. Allerdings nur sofern man Bewegung im Motiv hat, die Kamera aber ruhig hält. Smart Cam schießt dann eine Serienbildsequenz mit 10 Fotos. Anschließend kann man die Sequenz interaktiv in verschiedenen Modi bearbeiten, beispielsweise ein bewegtes Objekt wie in einer Mehrfachbelichtung darstellen (siehe Bildbeispiele) oder scharf vor einem verwischten Hintergrund. Das funktioniert erstaunlich gut und liefert verblüffende Ergebnisse, die man so nur mit einer Menge Handarbeit in einem Bildbearbeitungsprogramm hinbekommt. Ebenfalls von eindrucksvoller Qualität: Der auf 180 Grad Erfassungswinkel beschränkte Panorama-Assistent. Er hilft einem, die Einzelaufnahmen für ein Panoramabild exakt auszurichten und greift dabei auf die Informationen von Kompass und Neigungssensor im Smartphone zurück. Sobald der jeweils passende Bildausschnitt korrekt erfasst ist, löst der Panorama-Assistent automatisch aus. Das Ergebnis ist anschließend ein perfekt zusammenmontiertes 20-Megapixel-Panoramafoto (ein Beispiel gibt es in der Bildgalerie von digitalkamera.de zu sehen). Die Panorama-Automatik funktioniert übrigens auch senkrecht: Wenn einmal der Kirchturm oder das Bergmassiv nicht aufs Bild passen, baut sie zwei Fotos im Hochformat untereinander zusammen.